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Wo steht der Raps?

Nach wie vor ist Raps eine attraktive Kultur – vor allem in Fruchtfolgen mit hohem Getreideanteil. Der Anbau allerdings, scheint gerade von Jahr zu Jahr mehr Sorgfalt zu benötigen.

Lesezeit: 9 Minuten

Die Vorteile von Raps in der Fruchtfolge liegen auf der Hand: Als Blattfrucht wirkt er sich positiv auf die Erträge aller in der Rotation angebauten Kulturen aus. Insbesondere die Folgekultur – oft ist es Weizen – profitiert aber von einer guten Bodengare und den unterbrochenen Krankheitszyklen.

Darüber hinaus entschärft Raps die Situation im Pflanzenschutz, vor allem bei der Bekämpfung von Problemungräsern wie Ackerfuchsschwanz.

Allerdings ist eine ertragreiche Rapsernte alles andere als selbstverständlich. So können Restriktionen in der Düngung das Ertragspotenzial begrenzen oder schlechte Feldaufgänge, bedingt durch lang anhaltende Trockenheiten während und nach der Saat, für einen ungünstigen Start sorgen. Den kann aber auch der Rapserdfloh verursachen, der zuletzt in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern für extreme Schäden sorgte.

Um dennoch erfolgreich Raps anzubauen, gilt es, die Herausforderungen klar zu ­definieren und individuelle Lösungen zu erarbeiten. Wie das bei der Düngung, der Unkrautkontrolle und der Schädlingsbekämpfung aussehen kann, ist im Folgenden beispielhaft erläutert.

Wie mit weniger Stickstoff zurechtkommen?

Die massive Ausweitung der Roten Gebiete in rapsintensiven Regionen, wie z. B. Mecklenburg-Vorpommern, ist eine große Gefahr für die deutsche Rapsproduktion. Denn laut Gerrit Hogrefe vom Beratungsunternehmen N.U. Agrar kann der Raps aufgrund des sehr frühen N-Bedarfs kaum von der spät einsetzenden Stickstoffmineralisation aus dem Bodenhumus profitieren. Damit ist er wie keine andere Kultur abhängig von der Mineraldüngung. Pauschale Abschläge treffen den Raps damit hart und können zu einer Abwärtsspirale der Erträge führen.

Die Probleme verschärfen sich in Beständen mit schwacher Herbstentwicklung. Der nicht aufgenommene Herbst-N wird in niederschlagsreichen Wintern verlagert und aus dem System gespült. Zurück bleibt eine Versorgungslücke von 50 bis 70 kg/ha N je nach Boden. Hogrefe empfiehlt gerade in Roten Gebieten noch mehr darauf zu achten, die Rapsbestände sicher zu etablieren und eine optimale Herbstentwicklung zu erreichen.

Einen anderen Ansatz hat die LWK ­Niedersachsen überprüft: Die Beisaat mit Leguminosen. Caroline Benecke weist darauf hin, dass die eingesetzten Hülsenfrüchte zuverlässig abfrieren sollten. „Es eignen sich z. B. Erbsen und Bohnen, aber auch die Sommerwicke oder abfrierende Kleearten“, so Benecke. Bei hohen Nmin-Werten im Herbst, z. B. durch hohe hinterlassene N-Mengen nach schlechten Getreideernten oder durch eine lang anhaltende Herbstmineralisierung, ist die tatsächliche Nährstofffixierung der Leguminosen aber geringer.

Erste Versuche der LWK NDS machten deutlich, dass die gesamte oberirdische Biomasse in den Varianten mit Beisaaten sowohl im Herbst als auch im Frühjahr höher war als in denen ohne Beisaaten. Ein Mineraldüngereinsatz zeigte größere Effekte auf die Biomasse – eine 1:1 Substitution dieser leisten die Beisaaten also nicht.

Bezüglich eines zusätzlichen N-Angebotes kann man aus den Versuchen folgenden Schluss ziehen: Auch wenn die Nmin-Untersuchungen im Frühjahr keine Unterschiede erkennen ließen, kann dennoch mehr Stickstoff für den Raps verfügbar sein. Dieser stammt dann aus den abgefrorenen Beisaaten, die erst im Laufe des Frühjahrs mineralisieren. Es gilt also in weiteren Versuchen zu prüfen, wie hoch der Beitrag der Beisaaten zur Erhöhung des Nährstoffangebotes im Frühjahr genau sein kann.

Herbizideinsätze immer herausfordernder

Für Probleme beim Herbizideinsatz sorgen neben dem kurzen Anwendungsfenster dieser Maßnahme (von Ende August bis Anfang September) immer öfter lang anhaltende Trockenheiten und hohe Temperaturen. Oft müssen Bodenherbizide im Vorauflauf auf trockene Böden ausgebracht werden, sodass die gewünschten Wirkungsgrade ausbleiben.

Aufgrund der umfangreichen Anwendungsbestimmungen Clomazone-haltiger Herbizide ist der Einsatz dieser Mittel in den letzten Jahren zurückgegangen. Dadurch nahm der Einsatz des Wirkstoffes Metazachlor (z. B. enthalten in Butisan Gold oder Fuego) zu.

Mittlerweile werden Metazachlor und dessen Metaboliten aber vermehrt in Oberflächengewässern nachgewiesen. Aus diesen Gründen empfiehlt es sich, die Möglichkeiten der Nachauflaufanwendungen stärker zu nutzen. Hierfür sind Produkte, wie z. B. Runway oder Effigo, verfügbar. Mit dem relativ jungen Belkar-System, bestehend aus Belkar + Synero 30 SL, kann man nun die Unkrautbekämpfung vollständig auf den Nachauflauf verschieben.

Mechanische Maßnahmen

Insgesamt wird für Landwirte auch die mechanische Unkrautbekämpfung immer interessanter. Umfangreiche Erfahrungen mit der mechanischen Unkrautbekämpfung im Winterraps hat Katrin Ewert vom TLLLR gesammelt. Sie ist der Meinung, dass man mit dem mechanischen Ansatz Herbizide einsparen oder ganz auf sie verzichten kann. Denn mit der Hacke lassen sich z. B. Ausfallraps bzw. Ausfallgetreide sowie Ungräser zwischen den Reihen gut bekämpfen.

Allerdings ist der optimale Einsatzzeitpunkt witterungs- und bodenbedingt eingeschränkt. Jeder mechanische Eingriff in den Boden fördert zudem den Humusabbau und die Erosion. Hinzu kommen ein höherer Arbeitszeitbedarf und Kraftstoffverbrauch. Des Weiteren besteht bei der mechanischen Unkrautregulierung auch die Gefahr, dass die Werkzeuge die Kulturpflanzen verletzen oder herausreißen. Deshalb ist es im Vorfeld wichtig, die Reihenweiten bei der Aussaat exakt auf das Hackgerät abzustimmen.

In zahlreichen Versuchen haben Ewert und Ihre Kollegen folgende Kernaussagen herausgearbeitet:

  • Gerade bei starker Trockenheit kann der Hackeinsatz überzeugen. Die Maschinen arbeiten dann störungsfrei, während die Leistungen der Bodenherbizide unter den Bedingungen weiter abfallen.

  • Mit der Hacke lässt sich die erste Welle von Ausfallgetreide, Unkräutern und Ungräser gut kontrollieren.

  • Durch Hacken lässt sich auch der zwischen den Reihen auflaufende Ausfallraps gut reduzieren.

  • Entwickelt sich der Raps gut und ist der Unkrautdruck gemäßigt, muss anschließend kein Herbizid mehr folgen.

  • Bei starkem Unkrautdruck kann man die Nachlage am Leitunkraut ausrichten.

Zwischenfazit

Versuche aus Thüringen aus den Jahren 2019 und 2020 zeigten, dass die kombinierten Varianten kein schlechteres Ergebnis hervorbringen als die rein chemischen Verfahren aus Spritze und Hacke – teilweise wiesen sie sogar ­bessere Wirkungsgrade auf. Begünstigt wurden die Ergebnisse durch die trockenen Witterungsverhältnisse im Herbst dieser beiden Jahre. Die Wirkung der Vorauflaufherbizide blieb hierbei oftmals aus, die Hackmaßnahmen konnte man dagegen zum optimalen Zeitpunkt durchführen.

Eine interessante Möglichkeit, das Hacken und Spritzen in einem Arbeitsgang zu kombinieren, besteht mit einer Hacke-Band­spritze. Diese Technik konnte man am ­Versuchsstandort Bösleben mit einer 18-reihigen, kameragesteuerten Hacke-Bandkombination der Firma Schmotzer ­testen.

In einem Arbeitsgang hat man zu BBCH 12 bis 14 gleichzeitig zwischen den Reihen gehackt und 0,2 l/ha Runway + 0,5 l/ha Fox im Band in der Reihe ausgebracht. Dieses Vorgehen zeigte im Versuch eine sehr gute Wirkung. Sowohl zwischen als auch in den Reihen konnte man so die Unkräuter zu­verlässig bekämpfen. Beim Einsatz der Bandspritze mit 50 cm Reihenabstand wurden effektiv nur ca. 20 cm benetzt. Das Herbizideinsparpotenzial je ha beläuft sich bei diesem Verfahren somit auf ca. 60 %.

Wird der Erdfloh zum Rapsschädling Nr. 1?

Neben den Herausforderungen bei der Unkrautbekämpfung wird auch eine erfolgreiche Schädlingskontrolle im Rapsanbau immer schwieriger: Neben nur noch wenigen zugelassenen Wirkstoffen und zunehmenden Resistenzen tummeln sich von der Aussaat bis zur Ernte zahlreiche Schädlinge im Bestand, die in Kombination mit Wettereinflüssen unterschiedlichen Populationsdynamiken unterliegen.

Laut Manja Landschreiber von der LWK Schleswig-Holstein ist es – neben der Kleinen Kohlfliege und dem Schwarzen Kohltriebrüssler – vor allem der Rapserdfloh, der im Herbst und zunehmend im Frühjahr eine immer wichtigere Rolle spielt.

„Das A und O einer guten Bekämpfungsstrategie ist die regelmäßige Bestands- und Gelbschalenkontrolle ab dem Auflaufen der Bestände“, sagt Landschreiber. Zu bedenken sei, dass die Monate November bis Februar keine Gewähr mehr für eine ausgeprägte Vegetationsruhe sind. Späte Eiablagen durch überlebende Weibchen sind mittlerweile keine Seltenheit mehr.

Generell wird der Raps, je nach Wetterlage, ab Mitte August bei ca. 16 bis 20 °C angeflogen (das ist das Temperaturoptimum für die Käfer). Steht dann die Gelbschale auf dem Acker, hüpfen die Erdflöhe eher zufällig in die Schale – die gelbe ­Farbe ist weniger entscheidend. Ein Eingraben der Schalen erhöht die Fängigkeit. Bei mehr als 50 Käfern pro Schale innerhalb von drei Wochen ist die Bekämpfungsschwelle erreicht. Laut Manja Landschreiber ist es wichtig, dass man Flächen, die in der Nähe zu Altrapsflächen liegen, besonders überwacht.

Neben den Gelbschalenkontrollen muss vom Auflaufen bis ca. zum 4-Blatt-Stadium auch der Blattfraß beachtet werden. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei 10 % zerstörter Blattfläche. Blattfraß wird immer dann kritisch, wenn viele Käfer auf einen schlecht entwickelten, kleinen Raps treffen. Somit ist eine gute Bestandesentwicklung ein absolutes Muss. Es gilt deshalb, noch mehr den Fokus auf die Fruchtfolge (ALS-Rückstände), ein feinkrümliges Saatbett (Erdflöhe nutzen jeden Kluten, um sich zu verstecken), wüchsige Sorten und den korrekten Einsatz von Bodenherbiziden (Wuchsverzögerung durch Metazachlor) zu legen.

Ist eine Maßnahme notwendig, ist zu beachten, dass die Käfer anfänglich lichtempfindlich sind. Behandeln Sie daher in der Dämmerung oder nachts. Ab Anfang Oktober schreiten die Weibchen zur Eiablage. Dann schwächt sich die Lichtempfindlichkeit ab oder verschwindet ganz. Sinnvoll ist es, dann notwendige Maßnahmen vor der Eiablage durchzuführen. Dabei ist die Bekämpfungsschwelle von 50 Käfern pro Gelbschale in drei Wochen nicht als absolut fixe Größe zu sehen. Ein Beispiel: Ist die Schwelle zwar überschritten, aber es kündigt sich das Ende einer warmen Phase an, kann man – wenn es der Rapsbestand erlaubt – weiteren Zuflug zulassen und erst danach behandeln.

Empfehlung

Unter den Pyrethroiden gibt es Wirkunterschiede. Lambda-Cyhalothrin wirkt am stärksten gegen Rapserdflöhe. Innerhalb der Lambda-Cyhalothrine gibt es Abstufungen basierend auf der Formulierung des Mittels. Die Unterschiede äußern sich in Wirkungsschnelligkeit und Dauer. Da die Resistenzentwicklung bei den Pyrethroiden voranschreitet, ist es besonders wichtig, die Anzahl an Maßnahmen zu begrenzen und alternative Wirkstoffe zu nutzen. In den letzten beiden Herbsten war es möglich, die Produkte Minecto Gold und Exirel, beide mit dem Wirkstoff Cyantraniliprole, per Notfallzulassung zu nutzen. Beide Produkte wirken teilsystemisch, sodass der Einsatzschwerpunkt auf der beginnenden Larvenentwicklung liegt. Für eventuelle Blattfraßspritzungen liegt der Schwerpunkt nach wie vor auf den Pyrethroiden. Allerdings wird das aufgrund der zunehmenden Resistenz immer schwieriger.

Alternative Ansätze

Das französische Forschungsinstitut Terres inovia berichtet, dass gut entwickelte Leguminosen-Beisaaten (Dichte über 0,2 kg/² Frischmasse) den Besatz mit Rapserdflohlarven im Vergleich zu Flächen ohne Bei- bzw. Untersaaten reduzieren können. Ähnliche Tendenzen zeigen Ergebnisse des Rothamsted Research Institut in Großbritannien und des Julius-Kühn-Instituts in Deutschland. Vielversprechend soll insbesondere Bockshornklee sein, der durch seinen intensiven Geruch eine ablenkende Wirkung zeigt.

Inwieweit sich der Rapserdfloh tatsächlich durch Beisaaten ablenken lässt, wurde ebenfalls in Versuchen der LWK Niedersachsen geprüft. In einer Streifenanlage säte man abwechselnd Raps mit und ohne Untersaat und bestimmte die Larvenzahl pro Pflanze. Hier zeigten sich nahezu keine ­Unterschiede. Vergrößerte man jedoch das Untersuchungsareal, ließ sich sehr deutlich eine Reduktion des Rapserdflohlarvenbesatzes durch die Beisaat aufzeigen. Und das sowohl bei den Bonituren im Herbst als auch im Frühjahr. Daraus lässt sich schließen, dass der Rapserdfloh, wenn er die Wahl hat, Bestände ohne Untersaaten vorzieht. Liegt also eine Fläche mit Beisaat in einer Region, in der sonst nur Rapsflächen ohne Beisaat zu finden sind, ist hier von einem geringeren Erdflohbesatz auszugehen.

Einschränkend muss man jedoch sagen, dass die Reduktionsleistung nicht mit einem gezielten Insektizideinsatz vergleichbar ist. Im konventionellen Anbau können Bei­saaten demnach unterstützend wirken, bei starkem Schädlingsdruck den Einsatz eines Insektizids aber nicht mit gleichem Wirkungserfolg ersetzen. Wie der Einfluss auf andere Rapsschädlinge, wie z. B. dem Kohltriebrüssler zu bewerten ist, wurde bisher nur wenig untersucht.

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