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Landwirtschaft

Fachkräftemangel in der Realität deutlich höher als in der Statistik

Laut der Bundesregierung gibt es mittelfristig keinen Fachkräftemangel in der Landwirtschaft. Wir haben bei Experten nachgefragt: Diese sehen die Sache etwas differenzierter.

Lesezeit: 3 Minuten

In einer aktuellen Prognose erläuterte die Bundesregierung Anfang Dezember, dass sie bei landwirtschaftlichen Fachkräften bis 2027 keine Engpässe erwartet und beruft sich dabei auf das Fachkräftemonitoring der Bundesagentur für Arbeit.

Hört man sich in der landwirtschaftlichen Praxis um, entsteht jedoch ein anderer Eindruck: Schon seit geraumer Zeit werde es immer schwerer, Fachkräfte zu finden. Und es ist keine Entspannung in Sicht.

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Auch Experten aus der Verbänden, Beratung und Wissenschaft sehen keine Entwarnung beim Thema Fachkräfte in der Landwirtschaft. So betont der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Bernhard Krüsken: „Die Einschätzung der Bundesregierung teilen wir nicht. Wie in vielen anderen Branchen ist es auch in der Land- und Agrarwirtschaft sehr schwer geworden, Fachkräfte und Mitarbeiter zu finden. Zudem wird es immer schwerer, Erntehelfer und Saisonarbeitskräfte zu finden.“

Fachkräftemangel größer als Statistik dies hergibt

Auch die Kammern spüren einen Fachkräftemangel in der Landwirtschaft. Dr. Matthias Heyder, Leiter des Fachbereiches Arbeitnehmerberatung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, betont: „Nach unserer Wahrnehmung und Schlussfolgerung aus der Statistik wird sich die jetzt schon sehr angespannte Situation in den nächsten Jahre nicht wesentlich verändern“.

Derzeit schon liege die Arbeitslosen-Stellenrelation für landwirtschaftliche Fachkräfte bei 1,4, d.h. auf eine offen gemeldete Stelle kommen nur 1,4 arbeitssuchende Personen - ein ähnlich kritischer Wert wie in der Gastronomie. Hinzu komme, dass erfahrungsgemäß ein großer Teil der zu besetzenden Stellen in der Landwirtschaft nicht bei der Agentur für Arbeit gemeldet werden.

Oftmals passten die Bewerber nicht zu den offenen Stellen, z.B. weil sie nicht im gesamten Bundesgebiet mobil sind. Ein weiterer Faktor: im Zuge des Strukturwandels gehe die Anzahl an Familienarbeitskräften zurück, wodurch die Branche insgesamt mehr Arbeitnehmer beschäftigen müsse.

"Gute Arbeitsbedingungen mit einem wettbewerbsfähigem Lohnniveau sind essentiell" - Heyder

„Der Fachkräftemangel ist deshalb in der Realität deutlich höher, als die Statistik dies hergibt, das wird sich auch bis 2027 nicht wesentlich ändern“, resümiert Dr. Heyder. Insbesondere vor dem Hintergrund des Arbeitskräftemangels auch in anderen Branchen sei es für landwirtschaftliche Arbeitgeber von essenzieller Bedeutung, zu schaffen. Mehr dazu lesen Siehier:

Zunehmender Wettbewerb um Mitarbeiter

Wie kommt dann die Bundesregierung auf ihr Ergebnis in der Analyse? Bernhard Forstner vom Thünen-Institut in Braunschweig weist darauf hin, dass die mittelfristige Fachkräfteprognose der Bundesregierung fachlich zwar nachvollziehbar, aber dennoch auf Grund der notwendigen Annahmen hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und weiterer Einflussfaktoren wie zum Beispiel der Integration von Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt mit einigen Unsicherheiten verbunden und deshalb mit Vorsicht zu behandeln sei.

Außerdem seien die Fachkräfte möglicherweise zwar grundsätzlich verfügbar, aber nicht ausreichend mobil, um den Bedarf in Regionen größerer Nachfrage zu decken (regionaler "mismatch"). Hinzu komme, dass die Entwicklung in Richtung Digitalisierung und Automatisierung der Arbeitsprozesse zu veränderten Anforderungsprofilen an die Fachkräfte führe. Angepasste Ausbildungs- und Weiterbildungs- sowie Beratungsinhalte seien dann ein wesentlicher Schlüssel zur Bewältigung möglicher künftiger Fachkräfteengpässe.

"Betriebe müssen sich anpassen" - Forstner

Was die konkrete Verfügbarkeit von Fachkräften in der Landwirtschaft betrifft, sei vielfach belegt, dass bei der Verschiedenheit der betrieblichen Strukturen und Einkommen nicht alle landwirtschaftlichen Betriebe in der Lage sind, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen bzw. die gewünschten Fachkräfte zu bezahlen. Die in Frage kommenden Fachkräfte bevorzugten dann womöglich lukrativere Beschäftigungen innerhalb oder außerhalb der Landwirtschaft.

„An diese Veränderungen müssen sich die Betriebe anpassen, um im Wettbewerb um die Fachkräfte bestehen zu können“, so Bernhard Forstner.

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