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Fachkräftemangel belastet Landwirtschaft

Steigende Kosten und ein Fachkräftemangel belasten die Wettbewerbsfähigkeit des grünen Bereichs. Die Branche muss sich den Herausforderungen stellen, meint die Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Lesezeit: 5 Minuten

Arbeitskräfte sind zu einem Mangelfaktor geworden – auch in der Landwirtschaft. Daher hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) ein Thesenpapier erarbeitet, mit dem sie sowohl die Arbeitnehmervertretung als auch die Unternehmer in der Kammerversammlung für die Thematik sensibilisieren möchte.

„Wir möchten mit unseren sechs Thesen zum Gespräch innerhalb der Branche und darüber hinaus anregen“, erklärt Dr. Matthias Heyder, bei der LWK Leiter des Fachbereichs Arbeitnehmerberatung, Weiterbildung, „schließlich sind nur über den Dialog tragfähige Lösungen möglich.

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1. These: Der Fachkräftemangel in den grünen Berufen wird weiter deutlich zunehmen.

Der grüne Arbeitsmarkt in Niedersachsen verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren einen Zuwachs von jährlich ca. 1.500 – 2.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Durch den demographischen Wandel ist gleichzeitig ein Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis 74 Jahre) festzustellen. Hieraus leitet sich eine zukünftig wachsende Arbeitskräftelücke ab.

2. These: Betriebe hängen in ihrer Arbeitserledigung künftig noch stärker von qualifizierten und motivierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ab.

Aufgrund der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird es schwieriger, Personal zu finden. Während einfache Tätigkeiten automatisiert werden, erfordern anspruchsvolle Tätigkeiten gut ausgebildete Fachkräfte. Gerade durch die weiter um sich greifende Digitalisierung werden daher Stellenbesetzungsprobleme bei Fachkräften weiter zunehmen.

Ein Ansatzpunkt ist es, die Bindung der Arbeitnehmenden zu erhöhen, die beispielsweise durch Wertschätzung, Lohn, und Berücksichtigung von Bedürfnissen der Beschäftigten (z.B. im Bereich Arbeitszeiten, Betriebsorganisation und betriebliche Umstrukturierung) verbessert werden kann.

3. These: Im Branchenvergleich konkurrenzfähige und für Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber auskömmliche Löhne sind neben anderen Gründen ein wichtiger Faktor, um Fachkräfte in den grünen Berufen zu finden und zu binden.

Selbstverständlich ist ein ausreichendes Lohnniveau sehr wichtig für nachhaltige Arbeitsverhältnisse. Je enger die finanzielle Situation bei Beschäftigten ist, desto intensiver blicken sie nach Alternativen. Der Arbeitsmarkt ist derzeit sehr aufnahmefähig und günstig für wechselbereite Arbeitnehmende. Die aktuelle Situation gibt Grund zur Sorge für alle Sektoren, die dem Niedriglohn zugeordnet werden.

In Niedersachsen betrug im Jahr 2021 das mittlere monatliche Vollzeit Bruttoentgelt (Median) für Fachkräfte in der Landwirtschaft 2.528 € und im Gartenbau 2.754 €. Der Medianlohn bei Helfertätigkeiten aller Branchen betrug zur gleichen Zeit ca. 2.400 €. Diese Diskrepanz wurde von den Sozialpartnern offensichtlich erkannt. Für die grüne Branche gab es in den vergangenen Monaten erhebliche tarifliche Lohnsteigerungen (im Bereich Landwirtschaft zwischen 20-25 %). Ob dies positive Auswirkungen auf die Attraktivität dieser Berufe oder eine Erleichterung im Finden von Arbeitnehmenden haben wird, bleibt indes abzuwarten.

4. These: Die grünen Berufe bieten Arbeitnehmern ein hohes Potenzial für erfüllende, gute Arbeit, zudem erfordert der künftige Arbeitsmarkt eine angemessene Flexibilität von allen Akteuren.

Mitarbeitende in landwirtschaftlichen Betrieben spüren eine hohe Identifikation mit ‚ihrem‘ Betrieb und arbeiten sehr gerne in den landwirtschaftlichen Tätigkeitsfeldern. Viele Begriffe aus der modernen Arbeitswelt finden sich in landwirtschaftlichen Arbeiten wieder: Sinnstiftung, Flexibilität, Abwechslung, Nachhaltigkeit. Hier gibt es positive Ansatzpunkte bei den bisherigen Beschäftigten, aber auch bei potenziellen Beschäftigten in der Landwirtschaft.

5. These: Neben einem angemessenen Lohn sind Arbeitsorganisation, wertschätzende Führung und Entwicklungsmöglichkeiten entscheidende Faktoren für „gute“ Arbeit.

Befragungen zur Arbeitszufriedenheit zeigen, dass Arbeit einerseits auskömmlich sein muss, andererseits aber v.a. eine gut organisierte, wertschätzende Unternehmenskultur mit Verantwortungsübernahme und Entwicklungsmöglichkeiten einen sehr hohen Stellenwert haben. Zudem haben Betriebe durch Reduzierungen von Rüstzeiten und Verbesserung der Betriebsabläufe Ansatzpunkte die Effizienz der eingesetzten Stunde zu steigern. Hilfsmittel sind Organigramme, Arbeitspläne, Überdenken von Arbeitsabläufen etc.

Zunehmend wichtig zeigt sich, Arbeitszeiten flexibel und der jeweiligen Lebenssituation angepasst zu gestalten. Überstunden sollten möglichst vermieden werden und bei nicht vermeidbaren Überstunden muss der Ausgleich geregelt sein.

6. These: Der hohe qualitative Einarbeitungsanspruch erfordert die Notwendigkeit und bietet die Möglichkeit langfristiger Arbeitsverhältnisse.

Arbeitsplatzsicherheit ist für viele Arbeitnehmende ein maßgeblicher Aspekt zur Lebensgestaltung. Dieser Anspruch trägt sowohl den Interessen der Unternehmen als auch der Interessen der Beschäftigten Rechnung.

Qualifizierung und lebenslanges Lernen sind Grundvoraussetzungen für zukünftige und nachhaltige Arbeitsverhältnisse. Der Qualifizierungsanspruch nimmt in der grünen Branche durch weitergehende Automatisierung und Digitalisierung erheblich zu.

Schlussfolgerungen

Angesichts des Zwiespalts steigender Kosten der Betriebe einerseits und steigender Kosten der Haushalte der Arbeitnehmenden andererseits sorgt sich die LWK um die Wettbewerbsfähigkeit des grünen Bereichs im Vergleich zu anderen Branchen im Hinblick auf nachhaltige Beschäftigungsverhältnisse mit konkurrenzfähigen Lohnniveaus. Es muss zukünftig darum gehen, die grüne Branche ökonomisch so aufzustellen, dass betriebliche Löhne ein ausreichendes Familieneinkommen sowohl für die Mitarbeitenden als auch für die Unternehmerfamilien erwirtschaften lassen.

Verlässliche politische Rahmenbedingungen sind indes unverzichtbare Voraussetzungen für nachhaltige, sichere Wertschöpfung im ländlichen Raum.

Mit der gemeinsamen Erarbeitung von sechs Thesen zum aktuellen Arbeitsmarkt ist die grüne Branche proaktiv und fortschrittlich, schreibt die Kammer dazu weiter. In Zusammenarbeit von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden in der Kammerversammlung wurden Aussagen getroffen, die für die Entwicklung des Arbeitsmarktes in der grünen Branche existenziell sind und Lösungsansätze aufzeigen.

Die Landwirtschaft hat aufgrund ihrer kleinbetrieblichen Struktur und häufig engen Beziehungen zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden einen strukturellen Vorteil: Alle Beteiligten können sehr schnell in verbindliche, direkte Gespräche kommen. Wichtig ist es, unmittelbar Lösungen für den eigenen Betrieb und das jeweilige Arbeitsverhältnis zu erzielen, heißt es.

Grundsätzlich sollte sich die grüne Branche rechtzeitig darauf einstellen, dass durch den Wandel der Arbeitswelt in Zukunft Wechseloptionen zunehmen werden. Es gilt also, sich in diesem Bereich zukunftsfähig aufzustellen, so die LWK.

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