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Wie wirtschaftlich sind Kleegras und Luzerne?

Lässt sich mit Kleegras oder Luzerne günstigeres Futter erzeugen als mit Grassilage und Silomais? Das bundesweite KleeLuzPlus-Projekt liefert dazu interessante Ergebnisse.

Lesezeit: 6 Minuten

Unsere Autoren: Gerlinde Toews-Mayr, Mohamad Allaf, ­Bayerische Landesanstalt für Land­wirtschaft, Institut für Agrarökonomie

Klee und Luzerne gehören zu den Leguminosen und werden vor allem für die Fütterung und die Biogaserzeugung angebaut. Da sie auf Ackerflächen wachsen, stehen sie in Konkurrenz zu anderen Futterbaukulturen wie Silomais, Ackergras und Getreide-Ganzpflanzensilage sowie zu Marktfrüchten wie z. B. Getreide und Raps. Es stellt sich deshalb die Frage, wie Kleegras und Luzerne aus wirtschaftlicher Sicht zu bewerten sind?

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Viele Vorteile

Der Anbau von kleinkörnigen Leguminosen hat viele Vorteile:

  • Sie liefern hochwertiges, eiweißreiches Futter,
  • sie binden Luftstickstoff und sparen damit Mineraldünger ein,
  • sie verbessern die Bodenfruchtbarkeit und fördern die Durchwurzelung,
  • sie benötigen kaum Pflanzenschutzmittel,
  • sie lockern die Fruchtfolge auf und
  • halten Wetterextremen besser stand.

Im Ökolandbau ist der Anbau von Kleegras eine wichtige Voraussetzung, um die nachfolgenden Kulturen mit Stickstoff zu versorgen. Es bildet damit die Grundlage, dass dieses Bewirtschaftungssystem langjährig funktioniert.

Kleegras und Luzerne können auch gut in der Biogasanlage verwertet werden. Das Eiweiß reichert sich dabei im Gärrest an, sodass ein hochwertiger Wirtschaftsdünger entsteht, der auch als stickstoffreicher Kopfdünger eingesetzt werden kann.

Der Anbau von kleinkörnigen Leguminosen nimmt in Deutschland zwar zu, aber nicht in dem Ausmaß wie gewünscht. Mehr zur Entwicklung und regionalen Verteilung der Anbauflächen finden Sie unter:

Um den Anbau zu fördern, wur­de deshalb 2019 im Rahmen der ­Eiweißpflanzenstrategie das bun­desweite Demonstrations-Netzwerk KleeLuzPlus eingerichtet.

In Bayern wird überwiegend Kleegras angebaut, das eine gleichmäßige, ausreichende Wasserversorgung benötigt, um hohe Erträge zu bringen.

Die Luzerne braucht zwar auch relativ viel Wasser, kann aber durch ihr tief reichendes Wurzelsystem Wasservorräte des Bodens besser nutzen. Damit kann sie Trockenheit sehr gut überstehen und ist daher für Standorte in niederschlagsärmeren Gebieten besonders geeignet. Zudem eignet sich Luzerne auch für die Trocknung zur Herstellung von Cobs sehr gut.

Wie hoch sind die Erträge?

Die Erträge sind maßgeblich für die Wirtschaftlichkeit der Futterbauverfahren. Im Ansaatjahr kann je nach Aussaatzeitpunkt kein oder nur ein niedrigerer Ertrag als in den Folgejahren erzielt werden. In Übersicht 1 sind die Erträge im ersten Folgejahr nach dem Ansaatjahr zusammengestellt. In den weiteren Jahren sinken die Erträge wieder, sodass sich die optimale Nutzungsdauer bei den kleinkörnigen Leguminosen auf zwei bis drei Jahre beschränkt.

Da es sich bei Kleegras und Luzerne wie auch im Grünland nicht um Verkaufsfrüchte handelt, werden die Erntemengen in den landwirtschaftlichen Betrieben in der Regel nicht gewogen. Genaue Durchschnittserträge liegen daher nicht vor. Die Ertragswerte für die folgenden Berechnungen basieren daher auf Angaben des Instituts für Agrarökologie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) für einen günstigen Standort in Bayern.

Generell gilt: Je höher der Leguminosenanteil umso besser ist die N-Fixierung und umso geringer der Düngebedarf. Der TM-Ertrag nimmt aber bei steigendem Leguminosenanteil ab.

Im Vergleich zu einer intensiven Dauergrünlandwiese lassen sich bei der Grünfuttererzeugung auf dem Acker leicht höhere Erträge erzielen, weil die Pflanzen nach der Neuansaat schnell in ihre Hochertragsphase kommen und sich die besonders ertragreichen Sorten über die kürzere Nutzungsdauer nicht herausselektieren.

Für die Erträge im Ökolandbau wurde bei Kleegrassilage und Luzernesilage in Übersicht 1 kein Abschlag vorgenommen. Da sie einen hohen Leguminosen-Anteil haben und sich nicht im Höchstertragsniveau befinden, ist davon auszugehen, dass die N-Fixierung aus der Luft und gegebenenfalls etwas Wirtschaftsdünger ausreicht.

Der Stickstoff ist damit im Gegensatz zu den anderen Verfahren des Ökolandbaus kein ertragslimitierender Faktor. Beim Grünland mit Düngung unter Bedarf und vor allem beim Silomais ist der Ertrag im Ökolandbau geringer.

Im Vergleich der Produktionsverfahren wird deutlich, dass der Anbau von Kleegras und Luzerne hohe Erträge liefert, die im ersten Folgejahr über dem intensiv genutzten Grünland liegen. Hinsichtlich Trockenmasseertrag und Energiekonzentration ist der Silomais nach wie vor weit überlegen. Die Eiweißkonzentration ist bei Kleegras und Luzerne rund doppelt so hoch wie beim Silomais und auch der gesamte Eiweißertrag in Kilogramm Rohprotein pro Hektar übertrifft den Silomais deutlich.

Erträge in Projektbetrieben

In Übersicht 2 sind Ergebnisse aus KleeLuzPlus aus dem Nutzungsjahr 2021 dargestellt. Dabei wurden die Erträge von verschiedenen Schlägen auf unterschiedlichen Standorten in ganz Deutschland ermittelt. Dies begründet die relativ große Bandbreite der Ergebnisse. Sowohl beim Kleegras als auch bei Luzerne und Luzerne-Kleegras-Gemisch unterscheiden sich die Erträge deutlich, und zwar hinsichtlich Masse-, Energie- und Rohproteinertrag.

Und die Wirtschaftlichkeit …

Um die Wirtschaftlichkeit beurteilen zu können, müssen bei mehrjährigen Kulturen die Durchschnittserträge über die gesamte Nutzungsdauer angesetzt werden. Den Leistungen des Klee- und Luzerne-Anbaus muss dann noch die Kostenseite gegenübergestellt werden.

In Übersicht 3 haben wir dazu die Deckungsbeiträge von Kleegras und Luzerne für die Silage-Nutzung im Vergleich zur Grassilage und Silomais kalkuliert. Da alle Kulturen wegen der innerbetrieblichen Verwendung keine Marktleistung erzielen, sind die Deckungsbeiträge in Futterbauverfahren negativ und entsprechen der Summe der variablen Kosten.

Die Düngerkosten sind dabei der größte Kostenblock. Dafür wurde die Nährstoffabfuhr ermittelt und die ­N-Fixierungsleistung der Leguminosen gegengerechnet. Der Saldo des Nährstoffbedarfs wurde dann mit den Reinnährstoffkosten zu Düngerpreisen aus dem Jahr 2022 bewertet

N-Fixierung spart Dünger

Die N-Fixierung von Kleegras ist mit 1,65 kg/dt TM angesetzt. Auf ökologisch bewirtschafteten Flächen ist sie jedoch höher. Sie hängt außerdem vom Kleeanteil am Gesamtbestand ab. Je mehr Leguminosen im Pflanzenbestand, umso höher ist die N-Fixierungsleistung.

Dies zeigt sich bei der Luzerne, die in obigem Beispiel in Reinkultur angebaut wurde. Hier lassen sich bei intensiver Wirtschaftsweise 3,25 kg N/dt TM erreichen, was auch bei Klee in Reinkultur in ähnlichem Umfang möglich ist. Für Leguminosen in Reinkultur ist kein Bedarf an Stickstoffdünger vorhanden, Nährstoffe sind nur in Form von Phosphor und Kali zu ergänzen.

Beim Vergleich der Deckungsbeiträge je Hektar liegt die Luzerne vorne, gefolgt vom Kleegras. Aufgrund seines hohen Energieertrages hat der Silomais mit 22 ct/10 MJ NEL allerdings die niedrigsten Kosten je Energieeinheit.

Dies gilt jedoch nicht für die Kosten je kg Rohprotein. Hier liegen die kleinkörnigen Leguminosen vorne, vor allem, wenn sie in Reinsaat angebaut werden wie die Luzerne im obigen Beispiel. Sie sind dabei auch kostengünstiger zu produzieren als die Grassilage vom Grünland.

Schlussfolgerungen

Die kleinkörnigen Leguminosen Klee und Luzerne liefern hohe Masse-Erträge, die über denen des Dauergrünlands liegen, allerdings vom Silomais deutlich übertroffen werden. Hinsichtlich der Eiweißerträge sind sie die Spitzenreiter im Feldfutterbau.

Sie brauchen zudem weniger Dünger. Im Vergleich zu Grassilage und Silomais kann der Kostenvorteil 400 bis 700 € pro ha betragen.

Kleegras und Luzerne sind attraktive Eiweißfuttermittel, die Zukaufsfutter teilweise ersetzen können. Im Ökolandbau sind die kleinkörnigen Leguminosen unverzichtbar, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten.

Weitere Infos zu KleeLuzPlus

Um den Anbau von kleinkörnigen Leguminosen zu fördern, wurde 2019 im Rahmen der Eiweiß­pflanzenstrategie das bundesweite Demonstrations-Netzwerk ­KleeLuzPlus aufgebaut, an dem 72 Praxisbetriebe mitwirken. Grund­legende Informationen dazu sowie Hinweise zu Anbau, Nutzung und Öko­systemleistungen von Klee und ­Luzerne sind auf der Internetseite des Projektes zu finden unter www.demonet-kleeluzplus.de .

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