Wind im Wald

0,5 Hektar pro Windrad

Jedes fünfte Windrad steht im Forst. Der Ausbau hat sich – wie bei der gesamten Windbranche – deutlich verlangsamt. Erstmals hat die FA Wind den Flächenverbrauch analysiert.

Ende 2019 waren in Deutschland über 2.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 5,5 Gigawatt auf Waldflächen in Betrieb. 88 Prozent dieser Anlagen wurden im letzten Jahrzehnt errichtet, wobei die Verteilung des Anlagenbestands auf die einzelnen Regionen sehr unterschiedlich ausfällt, zeigt eine Erhebung der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind). Während im Norden Deutschlands Waldstandorte für die Windenergienutzung überwiegend durch die Landesraumordnung ausgeschlossen sind, liegt im Süden und Westen die Zahl der Windturbinen in einzelnen Bundesländern meist im dreistelligen Bereich.

Rheinland-Pfalz ist führend

Insgesamt standen Ende letzten Jahres 2.020 Windenergieanlagen in deutschen Wäldern; die meisten davon in Rheinland-Pfalz (452) gefolgt von Hessen (434) und Baden-Württemberg mit 330 Windturbinen. In Ostdeutschland ist die Windenergie im Wald vor allem in Brandenburg und in geringem Umfang in Sachsen vertreten. 2017 gingen zudem zwei Windräder in Thüringen auf Waldflächen in Betrieb.

Der Ausbau ist im vergangenen Jahr deutlich langsamer geworden. Im vergangenen Jahr wurden in sieben Bundesländern 50 neue Windturbinen auf Forstflächen in Betrieb genommen – so wenig wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Am bundesweiten Gesamtzubau, der 2019 ebenfalls historisch niedrig lag, beträgt der Anteil der „Wald-Anlagen“ 18 Prozent. Diese Quote zeigt sich mittlerweile seit fünf Jahren sehr stabil.

Durchschnittlich 0,47 ha pro Windrad

Erstmals in dieser Ausgabe weist die FA Wind auch typische Flächengrößen aus, die durch Windturbinen beansprucht werden. Im Rahmen einer Betreiberumfrage und Recherchen weiterer Quellen konnte die Agentur Flächendaten für fast 900 Anlagen im Wald generieren. Daraus wird ersichtlich, dass im Mittel 0,47 Hektar (ha) über den gesamten Betriebszeitraum von Baumbewuchs freizuhalten sind. Die Spannbreite der Werte bewegt sich von 0,04 ha bis 1,28 ha pro WEA. Der Median liegt bei 0,45 ha. Eine zusätzliche Waldfläche von durchschnittlich 0,40 ha pro Anlage (Median 0,33 ha) wird während der Dauer der Bauphase temporär beansprucht.

Ende 2019 standen in bundesdeutschen Wäldern 2.020 Windenergieanlagen. Legt man diesen Anlagen den durchschnittlichen Flächenbedarf von 0,47 ha zugrunde, errechnet sich daraus eine Gesamtfläche von 953 ha Wald, die Ende 2019 von Windenergieanlagen beansprucht wurden. Die FA Wind macht darauf aufmerksam: Eine Fläche dieser Größe wurde in der Vergangenheit etwa alle 15 Monate im Zuge der Braunkohleförderung in Deutschland abbaggert.

Zudem wachse die Waldfläche in Deutschland wächst: Nach Datenlage des Umweltbundesamtes nahm im Zeitraum 2000 bis 2018 die als Waldfläche definierte Fläche um 1.231 km2 zu. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Flächenzuwachs von 6.839 ha.

Ziele und Vorgaben der Bundesländer

Die Analyse der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) gibt aber nicht nur einen Überblick über die Entwicklung und den aktuellen Ausbaustand der Windenergie auf Waldflächen in den ein- zelnen Bundesländern in Deutschland. Ergänzend werden auch politische Ziele und Vorgaben der jeweiligen Landesraumordnung sowie Empfehlungen der Bundesländer für Planungen an Waldstandorten aufgeführt. Vorgaben der Länder, in denen die Windenergienutzung auf Waldflächen derzeit nicht zulässig ist, werden ebenfalls kurz dargestellt.

Die FA Wind veröffentlicht mittlerweile zum fünften Mal eine jährliche Analyse der Situation der Windenergie im Wald. Sie können diese abrufen unter www.fachagentur-windenergie.de

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Die CDU in Niedersachsen war bislang gegen den Windradbau im Wald. Da in der Fläche aber kaum noch neue Genehmigungen realistisch sind, denkt die Partei um.

Thüringens Agrarminister ist gegen ein komplettes Verbot von Windrädern im Wald. Für Anlagen im Wald müsse es aber mindestens eine gleichwertige Ausgleichsaufforstung für die beanspruchte...

Der Bundesverband Windenergie hat ein Infopapier zur Windenergienutzung in intensiv genutzten Forstbeständen veröffentlicht. Darin gibt der Verband Hinweise, was bei der Planung zu beachten ist.


Diskussionen zum Artikel

von Andreas Gerner

@ Neumann: Bitteschön. Zu Ihrer Information:

Sie dürfen (und sollten) aber darauf hinweisen (ggfs gekennzeichnet), dass die Windkraftanlagen mitnichten nur Waldfläche beanspruchen, sondern auch neue schaffen (diese sogar oft mit besonders wünschenswerten Baumarten und mehr Fläche). Lassen Sie das Positive weg, unterschlagen Sie ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Windmühlen im Wald?

Für mich ein absolutes "No Go" und ich hoffe, das es im Westerzgebirge, meiner Heimat und dem Thüringer Wald dabei bleibt. Die Wälder im Erzgebirge haben sich nach den Rauchgasemmissionen vor 1989 aus der Tschechei gerade erholt. Im übrigen haben wir ausreichend "on shore" Anlagen, ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Detail unterschlagen:

In aller Regel müssen die WKA Betreiber als Ausgleich für die Waldrodung WESENTLICH mehr Wald in der Nähe neu anpflanzen, als abgeholzt wird. Somit ist jede WKA ein Zugewinn für die Waldfläche und kein Verlust. Die topagrar Recherche wird immer schlechter.

von Hinrich NEUMANN

Zu Ihrer Information

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung zu unserer Meldung. Zu Ihrer Information: Wir haben von der Analyse der Fachagentur Windenergie an Land berichtet. Es handelt sich nicht um eigene Recherchen. Demnach haben wir auch keine "Details unterschlagen". Dass über Ausgleichsflächen in der ... mehr anzeigen

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