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Ausschreibungen für Wind und Solar unterzeichnet

Trotz Anhebung der Höchstwerte für die Wind-Ausschreibung gab es zu wenig Gebote. Die Bundesnetzagentur sieht die Ursache in zu wenig Eignungsflächen und langen Genehmigungen.

Lesezeit: 8 Minuten

Die Bundesnetzagentur hat in der vergangenen Woche die Zuschläge der Ausschreibungen für Windenergieanlagen an Land und Solaranlagen auf Gebäuden und Lärmschutzwänden zum 1. Februar 2023 veröffentlicht. Beide Gebotsrunden waren unterzeichnet, wobei die Unterzeichnung bei Solaranlagen äußerst gering ausfiel. „Die Anhebung der Höchstwerte war wichtig. Es muss aber weiter an der Ausweitung der Eignungs- und Vorrangflächen und der Beschleunigung der Genehmigungen gearbeitet werden, um den dringend notwendigen Zubau zu erreichen“, sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.

Ausschreibungen für Windenergieanlagen an Land

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Die Ausschreibung für Windenergieanlagen an Land zum Gebotstermin 1. Februar war unterzeichnet. Die Gesamtausschreibungsmenge für Windenergieanlagen an Land liegt im Jahr 2023 nach dem EEG mit 12.840 MW um mehr als das doppelte höher als im Jahr 2022 mit 5.332 MW. 2023 sieht das Gesetz vier Ausschreibungen von je 3.210 MW vor, 2022 waren es vier Ausschreibungen von je 1.333 MW.

Bei einer ausgeschriebenen Menge von knapp 3.210 MW wurden 126 Gebote mit einer Gebotsmenge von insgesamt rund 1.502 MW (Vorrunde 203 MW, gesamtes Jahr 2022 3.279 MW) eingereicht. Die Bundesnetzagentur musste in dieser Runde sieben Gebote wegen Formfehlern vom Verfahren ausschließen und konnte 119 eingereichten Geboten einen Zuschlag erteilen.

Die Gebotswerte der erfolgreichen Gebote liegen in der knappen Bandbreite zwischen 7,24 ct/kWh und dem zulässigen Höchstwert von 7,35 ct/kWh. Mit 7,34 ct/kWh liegt der durchschnittliche, mengengewichtete Gebotswert nur ganz leicht unter dem neu festgelegten Höchstwert.

NRW und Niedersachsen gewinnen

Ähnlichkeiten zur vorangegangenen Ausschreibungsrunde bestehen erneut im Hinblick auf die regionale Verteilung der Zuschlagsmengen. Die größten Zuschlags-Volumina entfielen auf Gebote für Standorte in Nordrhein-Westfalen (40 Zuschläge, 387 MW Zuschlagsmenge) und Niedersachsen (16 Zuschläge, 354 MW Zuschlagsmenge).

Die Bundesnetzagentur hatte im Vorfeld das Ausschreibungsvolumen nicht reduziert. Im vergangenen Kalenderjahr haben viele registrierte Projekte auf die Teilnahme an der Ausschreibung verzichtet. Hintergrund sind lieferkettenbedingte Verzögerungen bei der Projektrealisierung und der starke Anstieg der Stromgestehungskosten. Durch den Verzicht auf die Anwendung der durch das EEG ermöglichten „endogenen Mengensteuerung“ sollte im Ausschreibungsvolumen Raum für diese Mengen erhalten bleiben.

Ausschreibung für Solaranlagen

Die Ausschreibungsrunde für Solaranlagen auf Gebäuden und Lärmschutzwänden (Solarausschreibung des zweiten Segments) zum Gebotstermin 1. Februar 2023 war ganz leicht unterzeichnet. Das Ausschreibungsvolumen belief sich in dieser Runde auf 217 MW. Es wurden 94 Gebote mit einem Volumen von 213 MW eingereicht.

87 Gebote mit einem Volumen von 195 MW konnten bezuschlagt werden. Die im Gebotspreisverfahren ermittelten Zuschlagswerte liegen zwischen 9,00 ct/kWh und dem Höchstwert in dieser Runde von 11,25 ct/kWh. Der mengengewichtete Durchschnittswert liegt bei 10,87 ct/kWh.

Regional verteilen sich die Zuschläge auch in dieser Runde ausgewogen. Projekten in 13 Bundesländern konnten Zuschläge erteilt werden. Die meisten Zuschläge gingen an Projekte in Nordrhein-Westfalen (16 Zuschläge/ 36 MW Zuschlagsmenge), gefolgt von Brandenburg (11 Zuschläge/ 20 MW Zuschlagsmenge), Baden-Württemberg (9 Zuschläge/ 19 MW Zuschlagsmenge), Bayern (8 Zuschläge/ 19 MW) und Niedersachen (8 Zuschläge / 15 MW Zuschlagsmenge).

Es mussten sieben Gebote aufgrund von Formfehlern vom Verfahren ausgeschlossen werden.

BWE: Nachwehen von 2022

Der Bundesverband Windenergie (BWE) sieht die Gründe für die Unterzeichnung primär in Lieferschwierigkeiten einzelner Komponenten sowie Unsicherheiten des vergangenen Jahres.

BWE-Präsident Hermann Albers: „In dieser Ausschreibungsrunde waren solche Projekte zugelassen, die bis zum 4. Januar dieses Jahres eine Genehmigung erhalten hatten. In diesem Sinne ist die Unterzeichnung ein Symptom der Verunsicherung des Vorjahres.“ Zentrale Komponenten für den Betrieb von neuen Anlagen, zum Beispiel Umspannwerke, Transformatoren und Verkabelung haben laut Albers aktuell Lieferzeiten von mehr als 36 Monaten. Damit lägen die Projekte über der Frist, ab der eine Pönalenzahlung fällig wird. Projektierer befinden sich also in einer wirtschaftlich schwierigen Situation.

Neben Schwierigkeiten bei Lieferketten trugen auch andere Faktoren zu diesem Gefühl der Verunsicherung bei. Gestiegene Kosten für Rohstoffe und Produktion, gestiegene Zinsen für die Finanzierung, Engpässe bei Fachkräften sowie die Inflation tragen einen entscheidenden Anteil an der Unterzeichnung. Zudem hat die Diskussion über die genaue Ausgestaltung der Abschöpfung im Rahmen des Strompreisbremsengesetzes spürbar dazu geführt, dass Unternehmen sich mit Investitionsentscheidungen zurückgehalten haben.

Zu wenig Genehmigungen

„Für die Ausschreibungsrunde zum 1. Februar stand ein Volumen von 3.210 MW zur Verfügung. Demgegenüber stand jedoch nur ein Genehmigungsvolumen von rund 2.700 MW. Damit wäre es rein rechnerisch gar nicht möglich gewesen, das ausgeschriebene Volumen zu füllen. Die Länder haben es im vergangenen Jahr versäumt, Projekte in einem ausreichenden Umfang neu zu genehmigen. Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass diese Ausschreibungsrunde geprägt war von den Nachwehen des Vorjahres“, sagt Albers.

Es sei nun wichtig, dass die nächste Ausschreibungsrunde zum 1. Mai gefüllt wird. Hierfür seienh dringend weitere Genehmigungen nötig. „Die Bundesländer müssen nun die Beschleunigungsmöglichkeiten der EU-Notfallverordnung nutzen und alle Anstrengungen unternehmen, um das notwendige Volumen zu mobilisieren“, fordert Albers.

LEE NRW fordert mehr Engagement

Als „absolut ernüchternd“ bewertet der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) die Ergebnisse der jüngsten Ausschreibung für den weiteren Windkraftausbau an Land. „Obgleich die Bundesnetzagentur kurz nach Weihnachten den Höchstwert für Gebote um 25 % angehoben hat, ist auch diese Bieterrunde unerwartet stark unterzeichnet geblieben“, zeigt sich der LEE NRW-Vorsitzende Reiner Priggen besorgt: „Wenn Politik, Verwaltung und Gesellschaft es nicht in Bälde schafften, die Genehmigungsprozesse für neue Windenergieanlagen und alle Ausbaufesseln zu beseitigen, heißt das, dass Kohle- und Gaskraftwerke länger als geplant am Netz bleiben werden müssen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.“ Von dieser Entwicklung wäre auch Nordrhein-Westfalen in dem von der Landesregierung angekündigten Umbau der Energieversorgung massiv betroffen.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die im aktuellen Jahr bezuschlagte Windenergieleistung die Basis des Brutto-Zubaus in zwei Jahren bildet. „Bleibt es bei dieser geringen Beteiligung an den noch ausstehenden drei Ausschreibungen in diesem Jahr, dürfte das Ziel der Landesregierung, mindestens 1.000 zusätzliche Windenergieanlagen in dieser Legislaturperiode zu errichten, immer schwerer zu erreichen sein“, betont der LEE NRW-Vorsitzende.

Priggen erinnert an die Ankündigung von Bundeskanzler Olaf Scholz von Anfang Februar, wonach täglich „vier bis fünf Windräder“ errichtet werden sollen, um die Energiewende- und Klimaschutzziele zu erreichen. „Die Ankündigung haben wir mit Wohlwollen vernommen. Der vom Bundeskanzler versprochenen Fahrplan für einen generalstabsmäßigen Ausbau der Windenergie, ohne den die Klimaziele bis 2030 nicht zu schaffen ist, liegt aber bis heute noch nicht einmal in Ansätzen vor.“

„Zeit der Ankündigungen ist vorbei“

Dass mit den bislang geltenden Rahmenbedingungen das Ziel der Bundesregierung eines mindestens 80-prozentigen Ökostromanteils am Bruttostromstromverbrauch im Jahr 2030 nicht zu schaffen ist, hat vor wenigen Tagen auch Jürgen Zeschky beklagt. Der Geschäftsführer der Enercon GmbH, hierzulande einer der führenden Produzenten von Windenergieanlagen, hatte in einem Interview dafür nicht nur die Verzögerungen beim Netzausbau verantwortlich gemacht: „Aus unserer Sicht sind […] die größten Hürden für einen beschleunigten Onshore-Ausbau langwierige Genehmigungsverfahren, Preissteigerungen aufgrund von externen Effekten sowie Zurückhaltung bei Investitionen wegen Inflationssorgen.“

Der LEE NRW setzt darauf – ganz im Sinne der Ankündigung von Kanzler Scholz, dass das Genehmigungsprozedere für neue Windenergieanlagen ganz schnell vereinfacht und überarbeitet wird. Bis zur letzten Februarwoche wurden nach Erkenntnissen der Fachagentur Windenergie an Land erst 74 neu genehmigte Windenergieanlagen mit 443 MW Leistung in diesem Jahr registriert. „Die Zeit für reine Ankündigungen ist vorbei. Was jetzt zählt, ist einzig und allein die konkrete Umsetzung. Ein Weiter-So kann es nicht mehr geben, weil uns die Zeit davonläuft. Das stärkt allein die Gegner der Energiewende“, so Priggen.

NRW: Rückwind für mehr Windparks

Um das bundesweite Ausbauziel von 115 Gigawatt installierter Windenergieleistung bis zum Jahr 2030 zu erreichen, bedarf es einer massiven Beschleunigung des Windenergie-Ausbaus. Nordrhein-Westfalen hat sich daher das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2027 die Voraussetzungen für die Errichtung von zusätzlichen 1.000 Windenergieanlagen zu schaffen. Die Landesregierung hat dafür bereits konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht: Mit einem Soforterlass zum Landesentwicklungsplan wurde der Ausbau der Windenergie auf Kalamitätsflächen und Nadelwaldflächen ermöglicht. Aktuell wird zudem der 1.000-Meter-Mindestabstand für Repowering-Vorhaben abgeschafft. Zudem hat das Land den Kommunen eine Planungshilfe für die Ausweisung von Windenergie-Flächen zur Verfügung gestellt.

Schon im Jahr 2022 hat die Zahl der genehmigten Windkraftanlagen in Nordrhein-Westfalen, die nun an den bundesweiten Ausschreibungen teilnehmen können, deutlich zugenommen. Während in 2022 insgesamt 98 Anlagen mit 420 Megawatt installierter Leistung in Betrieb genommen wurden, wurden im gleichen Zeitraum 185 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 866 Megawatt in Nordrhein-Westfalen neu genehmigt. Die genehmigten 866 Megawatt im Jahr 2022 liegen sogar über dem hohen Durchschnittswert der bisher ausbau- und genehmigungsstärksten Jahre 2014-2016 mit damals 794 Megawatt.

Aiwanger sieht Trendwende in Bayern

Bayern kann bei der jüngsten Ausschreibung der Bundesnetzagentur drei Zuschläge für insgesamt sieben Windenergieanlagen (WEA) für sich verbuchen. „Die Trendwende in der Windenergie setzt sich fort: Mit diesen Projekten erzielen wir mehr als doppelt so viel Leistung wie 2022 insgesamt bezuschlagt wurde“, erklärte Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger. Die neuen Windräder der modernsten 5 bis 6 MW-Klasse werden zusammen rund 41,5 MW erbringen. Die Zuschläge gingen mit drei WEA an Oberbayern und vier WEA an Mittelfranken.

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