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Eneuerbare Energien: Landwirt mit E-Ladesäule

Tobias Dreher ist Energie-, Land- und Gastwirt. Und ganz nebenbei noch Tankwart, beziehungsweise "Ladewart". Denn er betreibt drei Ladepunkte für E-Autos – mit dem hofeigen erzeugten Strom.

Lesezeit: 5 Minuten

Diese Reportage erschien zuerst beim Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben sowie bei HOFdirekt.

Tobias Dreher fährt seit sechs Jahren E-Auto, weil er Energiewirt ist: „Ich produziere selbst jährlich etwa 3,5 Mio. Kilowattstunden (kWh) Strom auf meinem Hof. Wie glaubwürdig wäre ich, wenn ich weiter fossile Brennstoffe für meine Mobilität nutzen würde?“ Der gelernte Landwirt aus Bad Saulgau im Kreis Sigmaringen in Oberschwaben in Baden-Württemberg hat vor 20 Jahren eine 420-kWel-Biogasanlage gebaut. Nach und nach kamen 435 kWp Photovoltaik(PV)-anlagen auf den Stall- und Scheunendächern hinzu.

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Auch in Speicherkapazitäten hat Tobias Dreher investiert. 200 kWh kann er nun speichern, um auch an bewölkten Tagen nicht auf den grünen Strom von seinen Dächern verzichten zu müssen. Und Strom braucht Dreher zur Genüge auf seinem Betrieb: 19 Ferienwohnungen und -häuser, die er vermietet, und 110 Milchkühe, die versorgt und gemolken werden wollen. „Soweit möglich setzen wir auf dem Hof auf E-Mobilität: Wir haben drei E-Quads und einen elektrisch angetriebenen Hoflader“, erläutert Dreher.

Lastspitzen „rasieren“

Mit den Speichern kann er Peak-Shaving betreiben – er kann also seine Lastspitzen kappen. „Wenn ich meine drei Rührwerke anschalte, laufe ich keine Gefahr mehr, über 30 kW in der Spitze zu kommen“, sagt er, „so spare ich im Jahr rund 3500 €.“ Dazu hat er ein Modul in den Speicher einbauen lassen, das genau dann auf Akkuleistung zugreift, wenn Dreher mehr Strom braucht, als er aus dem öffentlichen Netz beziehen kann, ohne mit Mehrkosten für Spitzen rechnen zu müssen.

Energieversorger für den Ort

2008 hat Tobias Dreher im Ortsteil Lampertsweiler, in dem sein Betrieb liegt, ein Nahwärmenetz gebaut. Rund 80 Haushalte des 300-Seelen-Dorfes sind angeschlossen und nutzen seitdem die Abwärme von der Biogasanlage. Zusätzlich wird das Netz im Winter noch durch ein Holzhackschnitzel-Heizwerk aus dem Ort gespeist. Den Strom aus seiner Biogasanlage speist Dreher ein und vermarktet ihn zusätzlich über „cells energy“, ein Projekt des Vereins renergie Allgäu.

„Stromtankstelle“

Die drei öffentlichen E-Ladepunkte auf dem Betrieb funktionieren unabhängig vom Speicher. Rund 70  000 € hat Dreher in die Anlagen und deren Installation/Inbetriebnahme investiert. Profitiert hat er dabei von einer rund 30%igen Förderung des Bundes. „Da wir im ländlichen Raum ansässig sind, konnten wir nicht wie der gewerbliche Betreiber mit verkehrsgünstiger Lage im Ort eine Quote von 50 % erhalten“, bedauert Dreher die Förderregularien.

Doch auch die niedrigere Förderquote hielt den 50-Jährigen nicht davon ab, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. 2019 eröffnete er seine Ladestation. Seitdem kann hier laden, wer über einen CCS-, einen ­CHAdeMO- oder einen Typ-2-Stecker verfügt. Je nach Anschlussart variiert die maximale Leistung zwischen 150, 66 und 22 kW.

Um eine attraktive Ladestation für E-Mobilisten zu sein, hat Tobias Dreher sich für einen Roaming-Anbieter entschieden, der es Inhabern aller Ladekarten erlaubt, bei ihm zu tanken. „So sind wir nicht auf eine einzelne Karte festgelegt, wenngleich Inhaber der MER Connect me-App von unserem besonders günstigen Preis von 34 Cent pro kWh profitieren“, erklärt Dreher. Andere Kunden zahlen bis zu 60 Cent/kWh für die Nutzung der Schnellladesäule.

Bau und Förderung

Rund 66  000 € investierte Dreher in seine Ladesäulen. Dabei war es mit der Anschaffung der Hardware nicht getan. Damit die entsprechende Leistung an der Zapfsäule ankommt, musste Dreher auch in das hofinterne Netz investieren. Dazu waren nicht nur eine neue Trafostation, sondern auch viele Meter Kabel notwendig. 18  000 € kostete ihn das. Ganz zu schweigen von den Kosten für die Planung, für die er extra ein Ingenieurbüro beauftragte, nachdem sein örtlicher Elektriker aufgrund der Komplexität die Segel gestrichen hatte.

Zertifikat für den Strom

Dreher erhält für die verkaufte kWh, egal in welchem Tarif die Kunden tanken, 28 Cent und damit 8 Cent mehr als er durch das herkömmliche Einspeisen ins öffentliche Stromnetz erhalten würde. Zusätzlich erhält er Zahlungen aufgrund der THG-Quote. „Aktuell erhalte ich zusätzlich 17 Cent pro kWh“, sagt er.

Diesen Betrag würde der Energiewirt gerne steigern (siehe Kasten „Strom auf die Straße“), doch aktuell stehen ihm die Gesetze und Richtlinien im Weg, die Strom aus Biogasanlagen als sogenannten Graustrom bzw. „Deutschen Strommix“ bewerten. „Wäre der Strom als ,erneuerbare Energie‘ zertifiziert und würde ich den Gülleanteil erhöhen, erhoffe ich mir, bis zu 50 Cent je kWh aus der THG-Quote zu erhalten“, rechnet Dreher vor.

Strom auf die Straße – Geld aus der THG-Quote

Inhaber einer öffentlichen Ladesäule (gemäß Ladesäulenverordnung) können von der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) profitieren. Das politische Instrument fördert den Umstieg auf Elektromobilität und soll damit einen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen leisten.

Die über den Ladestrom eingesparten und zertifizierten CO2-Emissionen werden gebündelt als THG-Quote an Produzenten fossiler Kraftstoffe und Mineralölunternehmen verkauft.



Wer kann von der THG-Quote (§ 5 Abs. 4 der 38. BImSchV) profitieren? Betreiber

- öffentlich zugänglicher Ladepunkte, die ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien einsetzen und

- deren Strom nicht aus dem Netz entnommen, sondern direkt von einer Stromerzeugungsanlage bezogen wird.



Je nachdem, aus welcher Quelle der Strom stammt, sind derzeit Auszahlungen zwischen 15 und 30 Cent je kWh möglich. Perspektivisch schätzen Experten, dass die Nachfrage der Mineralölkonzerne nach „Verschmutzungsrechten“, also der THG-Quote, weiter steigt und die Einsparungen wertvoller werden. Hintergrund: Derzeit müssen Mineralölkonzerne ihren CO2-Ausstoß um 7 % reduzieren. Bis 2030 müssen sie sogar 25 % einsparen.

Denn trotz Förderung hat sich die Anschaffung der Ladesäulen bislang noch nicht rentiert. „In der Vergangenheit haben wir jährlich etwa 20  000 kWh über die Ladesäulen verkauft – Tendenz steigend“, sagt Dreher, „das entspricht einem Mehrerlös von 4800 € im Jahr im Vergleich zum Verkauf des Stroms an das öffentliche Netz.“

Dennoch ist Dreher zufrieden mit seiner Investition in die Ladesäulen: „Meine Tankkunden nutzen die Zeit während des Ladevorgangs, um in unserem Milchhäusle einzukaufen oder auch mal unsere Kühe zu streicheln.“

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