Eneuerbare-Energien-Richtlinie

Entscheidung in Brüssel: „Biomasse muss Teil der erneuerbaren Energien bleiben!“

Nach Ansicht der EU-Abgeordneten Alexander Bernhuber und Simone Schmiedtbauer droht Europas Waldbesitzern eine neue Gefahr bei der Abstimmung über die Richtlinie RED III.

Im Europaparlament werden diese Woche für die Forstwirtschaft Maßnahmen im Rahmen des Green Deals beschlossen. Im Zuge von Verhandlungen über die Erneuerbare Energien-Richtlinie (RED III) steht es auf EU-Ebene zur Debatte, Biomasse nicht mehr als erneuerbare Energieträger anzuerkennen.

Die österreichischen EU-Abgeordneten Alexander Bernhuber und Simone Schmiedtbauer beziehen dazu deutlich Stellung. „Während einerseits der Ausbau erneuerbarer Energien propagiert wird, will man andererseits einen den wichtigsten erneuerbaren Energieträger in der EU, die Biomasse, nicht mehr als erneuerbare Energie anerkennen. Damit werden die eigentlichen Ziele für mehr Klimaschutz eindeutig konterkariert“, sagen die beiden Abgeordneten.

"16 Mio. Waldbesitzer betroffen"



„Es geht beim Ausbau der Erneuerbaren sprichwörtlich ums Ganze. Wir können nicht auf der einen Seite noch ambitioniertere Ziele für Klima und grüne Energie beschließen und auf der anderen Seite zeitgleich die Wald- und Holznutzung im Übermaß reglementieren und beschränken, wie es durch die neue Erneuerbare-Energien-Richtlinie droht“, kritisiert Simone Schmiedtbauer, ÖVP-Forstsprecherin im Europäischen Parlament. 
Denn es gehe um eine von Autokraten unabhängige, grüne Energieversorgung, um mehr als zwei Millionen Menschen in der EU, die ihr Einkommen aus dem Wald erwirtschaften und um 16 Mio. Waldbesitzer. Wälder dürften nicht zu geschützten Kohlenstoffmuseen verkommen. „Es geht um die Zukunft der aktiven nachhaltigen Waldbewirtschaftung, wie wir sie seit Generationen leben. Unsere Wälder und Biomasse aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung sind der Schlüssel zu einer CO₂-neutralen Energieversorgung“, unterstreicht sie. Biomasse decke europaweit rund 60 % der Erneuerbaren ab, ohne Biomasse werde es keinen erfolgreichen EU-Green-Deal geben.

„Dann stirbt die Energiewende“

„Wenn Biomasse nicht mehr als erneuerbarer Energieträger gilt, stirbt damit auch die Energiewende“, führt Bernhuber, Umweltsprecher der ÖVP im Europaparlament, weiter aus. „Wir setzen uns gemeinsam für eine Lösung ein, die die Existenz der europäischen Waldbesitzer und die Versorgung aller Europäer mit erneuerbarer Energie sichern soll. Das wird aber nur mit Biomasse als Teil der erneuerbaren Energien funktionieren“, sagt er und warnt, dass bei Umsetzung der aktuellen EU-Pläne kein Interesse mehr an Biomasseankauf und der Förderung von neuen Biomasseanlagen bestünde. Dies würde sich unmittelbar auf die Biomasse-Produzenten, also die Waldbesitzer, auswirken.



Bei genauerer Betrachtung der Zahlen werde deutlich, wie negativ sich der Vorschlag auswirken könnte. So werde zum Beispiel derzeit für Österreich erwartet, dass sich bis 2030 der Anteil von erneuerbaren Energien von 34% auf zumindest 46% heben wird. Würde Biomasse nicht mehr als erneuerbare Energiequelle gelten, könnte der Anteil von erneuerbaren Energien bis 2030 aber nicht steigen, sondern würde in Österreich auf unter 25% fallen.
„Als Konsequenz müssten wir wieder vermehrt auf fossile Energieträger setzen. Diese Rückschritte haben in einer anbahnenden Energiekrise keinen Platz. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass das Potenzial der Biomasse EU-weit genutzt und gefördert wird“, sagen Bernhuber und Schmiedtbauer abschließend.

Weitere Entscheidungen in Brüssel

In dieser Woche stehen weitere Entscheidungen in Brüssel bezüglich Energie an:

  • Energieeffizienzrichtlinie EED: Debatte am Montag ab 17 Uhr, Abstimmung zwischen Dienstag und Donnerstag.
  • Erneuerbare Energien Richtlinie RED III:Debatte am Dienstag 13:00 bis 15:00 Uhr, Abstimmung am Mittwoch oder Donnerstag.
  • Debatte zum drastischen Anstieg der Energiepreise in Europa: Dienstag 15:00 bis 22:00 Uhr, Abstimmung im Oktober.
  • Debatte über den Klimawandel und die Reaktion der EU auf extreme Wetterphänomene am Dienstag 09:00 bis 10:30, Abstimmung am Donnerstag um 12:00 Uhr.
  • Rede zur Lage der Europäischen Union: Debatte mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: Kommissionspräsidentin von der Leyen wird auf das vergangene Jahr zurückblicken und ihre Pläne für die nächsten zwölf Monate vorstellen. Es ist zu erwarten, dass sie die nächsten Schritte zur Unterstützung der Ukraine, Pläne für weitere Sanktionen gegen Russland sowie Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung der EU und zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland. Auch die aktuellen Energiepreise werden Thema.


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