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topplus Biomethan als Erdgasersatz

Handelsplattform für den europäischen Biomethanhandel

Die österreichische Grüngas-Plattform CEGH will den Biomethanhandel vereinfachen. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden Gottfried Steiner über die Funktion.

Lesezeit: 5 Minuten

Mit dem Plan RepowerEU soll in Europa Biomethan als Ersatz für Erdgas politisch mehr Rückenwind bekommen. Aber Biogasanlagen sind keine Gasfelder in Sibirien. Wie man Produzenten und Abnehmer zusammenbringen kann, wie der Handel praktisch abläuft und welche Chancen der Biokraftstoffmarkt bietet, schildert im top agrar-Interview Gottfried Steiner, Vorstandsvorsitzender (CEO) der österreichischen Grüngas-Plattform CEGH.

Was genau wird auf Ihrer Plattform wie gehandelt?

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Steiner: Die CEGH GreenGas Platform ist ein Marktplatz für Angebote und Nachfrage von Herkunftsnachweisen und Zertifikaten für Biomethan und physische Biomethanvolumen. Sobald grüner Wasserstoff am Markt zur Verfügung steht, wird auch grüner Wasserstoff als auch Herkunftsnachweise und Zertifikate für grünen Wasserstoff auf der Plattform handelbar sein.

Die Plattform ermöglicht somit den Kauf oder Verkauf von Biomethan-Herkunftsnachweisen (HKNs) oder Biomethan mit oder ohne HKNs. Neben einem „schwarzen Brett“ steht auch eine Auktion zur Verfügung. Damit wird Anbietern und Nachfragern erstmals ein gemeinsamer Marktplatz angeboten, über den die Abwicklung und Administration des Handels stark vereinfacht wird.

Was bedeutet Herkunftsnachweis?

Steiner: Biomethan wird zum Transport ins Erdgasnetz eingespeist. Wenn ein Kunde Biomethan als Ersatz für fossiles Erdgas einsetzen möchte, entnimmt er defacto aus dem Netz Erdgas. Mit dem Zukauf von Herkunftsnachweisen erhält er einen Nachweis, dass er eine bestimmte Menge Biomethan verwendet hat, die an anderer Stelle ins Erdgasnetz eingespeist wurde. In Deutschland werden die eingespeisten und verbrauchten Mengen beim Biogasregister der Deutschen Energieagentur (dena) genau festgehalten, damit es keine Doppelanrechnung gibt. Wir kooperieren beim Handel mit dem deutschen Biogasregister. Denn es war der Wunsch der Marktteilnehmer beim Aufbau der Plattform, dass Check eingebaut wird, um sicherzustellen, dass ein Übertrag in einer Registerstelle stattfinden kann.

Wofür wird ein Herkunftsnachweis verwendet?

Steiner: Herkunftsnachweise bzw. Biomethanzertifikate können für verschiedene Zwecke eingesetzt werden, wie z.B. für die Erfüllung von Herkunftsnachweisverpflichtungen, Erfüllung von Dekarbonisierungszielen und Zertifizierungsvorschriften für erneuerbare Energien oder für die Verwendung in Emissionshandelssystemen. Sie können auch als Instrumente für Unternehmen dienen, die ihre CO₂-Bilanz verbessern möchten, indem sie den Kauf von Biomethanzertifikaten als Teil ihrer Nachhaltigkeitsstrategie nutzen. 
Herkunftsnachweise und Biomethanzertifikate tragen daher dazu bei, den Markt für Biomethan und erneuerbare Energien zu fördern, indem sie Transparenz schaffen und den Handel mit erneuerbaren Energien unterstützen. Es ist auch möglich, über den Handel mit Biomethanzertifikate den “grünen” bzw. ökologischen Wert von Biomethan darzustellen.


Wie unterstützt Ihre Handelsplattform den Markt?

Steiner: Eine Handelsplattform für Biomethan und Herkunftsnachweise / Zertifikate kann den Markt für diesen erneuerbaren Energieträger auf verschiedene Weise unterstützen: Durch den Handel auf der Plattform können Marktteilnehmer sehen, welche Preise für Biomethan bzw. für Herkunftsnachweise aktuell am Markt erzielt werden können und so ihre eigenen Preisvorstellungen besser entwickeln. Gleichzeitig haben Biogaserzeuger einen Zugang zu einer größeren Anzahl von Käufern.

Eine Handelsplattform ermöglicht es den Marktteilnehmern aber auch, flexibel auf Änderungen am Markt zu reagieren. So können Biogaserzeuger z.B. ihre Biomethan-Produktion erhöhen, wenn die Nachfrage steigt, oder ihre Produktion reduzieren, wenn die Nachfrage zurückgeht. Auch für Käufer ist eine Handelsplattform flexibler als der direkte und bilaterale Kauf von Biomethan von einem einzigen Biogaserzeuger, da sie auf der Plattform aus einer Vielzahl von Angeboten wählen können. Der Handel auf einer liquiden Plattform ist daher für Erzeuger und Abnehmer vorteilhaft und schafft Preistransparenz und auch Planungssicherheit. Zudem können durch den automatisierten Handel und die Standardisierung von Vertragsbedingungen Transaktionskosten reduziert werden. Dies kann dazu beitragen, dass Biomethan für Käufer attraktiver wird, da sie es zu einem Marktpreis erwerben können. 


Wer sind die Abnehmer des Gases, also Ihre Kunden?

Steiner: Abnehmer ist jeder, der Bedarf an Biomethan und/oder Herkunftsnachweisen/Zertifikaten hat. Kunden der CEGH GreenGas Platform sind Produzenten, Händler und auch Konsumenten die entweder Biomethan und/oder Herkunftsnachweisen/Zertifikaten zur Verfügung oder Bedarf haben.

Wird auf der Plattform auch Gas aus dem Ausland gehandelt?

Steiner: Die CEGH GreenGas Platform wird schrittweise auf den Handel mit „Grünen Gasen“ und Herkunftsnachweisen / Zertifikaten in anderen zentral- und osteuropäischen Ländern ausgeweitet werden, so dass ein internationaler und grenzüberschreitender Handel entstehen kann. 
Zum Erreichen der europäischen Klimaziele ist langfristig eine liquide europäische Handelsstruktur für Grüne Gase und Herkunftsnachweise notwendig. 


Wie schätzen Sie den aktuellen Biomethanmarkt an: Wird die Nachfrage zunehmen? Und lohnt es sich für Biogaserzeuger, die bisher Strom und Wärme erzeugen, in den Biomethanmarkt einzusteigen? 


Steiner: Biomethan wird als erneuerbarer Energieträger in der EU und insbesondere in Deutschland eine wichtige Rolle zum Erreichen der Klimaziele spielen. Die Nachfrage nach Biomethan hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Verfügbarkeit und Qualität des Rohmaterials, der Marktpreise, der politischen Unterstützung und der Akzeptanz bei den Endverbrauchern. 
Ob es sich für Biogaserzeuger lohnt, in den Biomethanmarkt einzusteigen, hängt von vielen Faktoren ab, wie z.B. der eigenen Produktion und Kapazität, den Kosten für die Aufbereitung des Biogases zu Biomethan, den aktuellen Marktpreisen und der Konkurrenz auf dem Markt.


Welches Biomethan aus welchen Rohstoffen ist dabei besonders gefragt?

Steiner: Da wir gerade am Anfang der CEGH GreenGas Platform stehen, können wir diese Frage noch nicht wirklich beantworten. Wir gehen aber davon aus, dass die Nachfrage nach jenem Biomethan, das die Voraussetzungen der Erneuerbaren-Energie-Richtlinie der EU (RED II und auch bald RED III) entspricht, am meisten gehandelt werden wird. Die Einsatzstoffe spielen dabei eine große Rolle, da sie die jeweilige CO₂-Einsparung bestimmen, die sich mit dem Gas erzielen lässt.

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