Klimaschutz

IPCC-Bericht: „Menschengemachter Klimawandel ist Tatsache“

Im ersten Teil seines neuen Berichts präsentiert der Weltklimarat neue naturwissenschaftliche Fakten zum Klimawandel. Die Verbände haben eine lange Liste an Forderungen für die nächste Bundesregierung.

234 Klimawissenschaftler aus 65 Ländern haben in den letzten drei Jahren über 14.000 wissenschaftliche Arbeiten zum Klimawandel ausgewertet und die Ergebnisse in mehreren Stufen durch Fachleute und Regierungen begutachten lassen. Herausgekommen ist der 6. Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe I des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), im Deutschen als Weltklimarat bezeichnet. „Wir haben im Vergleich zum letzten Bericht aus dem Jahr 2013 eine bessere Datengrundlage, neuere Klimamodelle sowie modernere Methoden zur Analyse“, erklärte Prof. Veronika Eyring vom Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. und der Universität Bremen gestern bei der Vorstellung des Berichts. Damit hätten die Wissenschaftler jetzt ein genaueres Bild vom Klimawandel und könnten ihn besser verstehen und vorhersagen. Zentrales Ergebnis: Die jüngsten Klimaveränderungen sind weit verbreitet, verstärken sich und sind seit Jahrtausenden beispiellos. „Die Klimaveränderung ist eindeutig auf die Aktivitäten des Menschen zurückzuführen, das ist jetzt eine Tatsache. Viele neue Beweise dafür geben uns Sicherheit“, sagte sie.

Die Autoren haben festgestellt, dass die globalen Oberflächentemperatur bereits auf 1,1 Grad über das Niveau des vorindustriellen Zeitraums angestiegen ist. Neben dem Temperaturanstieg nehmen extreme Klimaereignisse wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen zu, werden häufiger und intensiver. „Mit jeder weiteren Erwärmung nehmen die Geschwindigkeit des Klimawandels und die Veränderungen, die wir erleben werden, zu“, warnt sie.

Darum muss die Weltgemeinschaft die CO2-Emissionen noch in diesem Jahrzehnt herunterfahren und bis Mitte der 2050er Jahre netto kein Kohlendioxid mehr ausstoßen, fordert Mitautor Prof. Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. „Nur dann haben wir eine Chance, die Temperaturerhöhung nach den Pariser Klimazielen auf 1,5 Grad zu begrenzen.“

Stimmen der Bundesregierung

  • Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Wir alle haben es jetzt in der Hand, die 2020er Jahre zu einem Klimaschutzjahrzehnt zu machen und die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Noch ist es nicht zu spät dafür. Wie wir den Treibhausgasausstoß senken können, wissen wir: mit einer raschen Abkehr von Kohle, Öl und Gas, mit dem Ausbau der Sonnen- und Windkraft und der Produktion von grünem Wasserstoff als klimafreundlichem Energieträger. Das Pariser Abkommen gibt uns den Weg vor, der UN-Klimagipfel in Glasgow in drei Monaten ist der entscheidende Moment, in dem die Weltgemeinschaft liefern muss.“
  • Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: „Dank verbesserter Beobachtungen, Messungen und Klimamodelle gibt es heute nicht mehr den geringsten Zweifel daran, dass wir Menschen es sind, die das Klima weltweit verändern. Damit stehen wir...


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