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Paulownia-Bäume: Holz mit Wahnsinns-Wachstum

Paulownia-Bäume haben besondere Eigenschaften. Im Rheinland werden die schnell wachsenden Bäume gezüchtet, vermehrt und von einem Landwirt auf eigenen Flächen angebaut. Eine Einkommensalternative?

Lesezeit: 6 Minuten

In einem laborähnlichen Raum sitzen 16 Frauen an der Wand zugewandten Tischen. Sie tragen weiße Kittel, eine Haube über dem Haar und dünne Einweghandschuhe. Sie arbeiten schnell und konzentriert, teilen kleine Pflanzen in mehrere, vielleicht 2 bis 3 cm lange Teile und stecken sie in eine Nährlösung, vereinzeln etwas größere, bewurzelte Pflänzchen und pflanzen sie ein.

Kaum zu glauben, dass aus diesen kleinen Pflanzenstücken im Labor der Firma WeGrow in Tönisvorst, Kreis Viersen, bereits in einem Jahr 5 bis 6 m hohe Baumschösslinge werden und nach acht bis zwölf Jahren 14 bis 15 m hohe Bäume mit einem Stammdurchmesser von 35 bis 40 cm. Zum Vergleich: Junge Eichen sind nach vier bis fünf Jahren gerade einmal 2 m hoch, der Stamm ist dann nur mehrere Zentimeter dick. Bis zu einem Stammdurchmesser von 40 cm vergehen rund 50 bis 60 Jahre.

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Besonderes Holz

Paulownia heißt der schnell wachsende, aus Ostasien stammende Baum. Er wird auch Kiri-, Kaiser- oder wegen seiner Blütenpracht im Frühjahr Blauglockenbaum genannt.

Doch der Baum sticht nicht nur durch sein Wachstum und seine Blütenpracht hervor. Gefeiert wird er als Klimabaum – er speichert in relativ kurzer Zeit viel CO2 – und wegen seiner Holzeigenschaften, die Fichtenholz ähnlich und doch anders sind.

  • Das Holz ist mit einem Gewicht von rund 270 kg/m3 relativ leicht. Zum Vergleich: Eiche wiegt etwa 770 kg/m3, Buche 720 kg/m3, Fichte und Pappel 450 kg/m3.

  • Aufgrund seiner wabenförmigen Zellstruktur ist Paulownia-Holz relativ fest und stabil. Allerdings sind die Stämme aufgrund einer Markröhre innen hohl.

  • Die Zündtemperatur liegt bei 400 °C und damit höher als bei anderen Holzarten (270 bis 340 °C).

  • Der Dämmwert ist mit 0,09 W/m2K besser als bei Eiche (0,2 W/m2K) oder bei Fichte und Kiefer (0,13 W/m2K).

  • Das Holz findet Verwendung für den Bau von Musikinstrumenten, Möbeln und Wandverkleidungen, von Sportgeräten wie Skiern, aber auch als Konstruktions- und Bauholz.

Jungpflanzen für die ganze Welt

Im Winter laufen in Tönisvorst die Vorbereitungen für die nächste Saison. „Wir legen einen Vorrat an Jungpflanzen an, die wir ab dem Frühjahr ausliefern“, sagt Manuel de Sousa, Sales Manager und Consultant bei WeGrow. Die Firma baut an zwei Standorten in Deutschland (Tönisvorst und Güstrow), insbesondere aber in Spanien insgesamt rund 500 ha ­Kiribäume an. Zudem züchtet und vermehrt sie Paulownia-Hybriden.

Die Jungpflanzen gehen nach Deutschland und in andere europäische Länder, aber unter anderem auch nach Armenien, Chile und Costa Rica, nach Indien, Namibia und in die USA.

Bäume an die Sonne gewöhnen

Vermehrt werden die Bäume wie oben beschrieben vegetativ. „Die kleinen Pflanzen lassen sich für zwei bis drei Monate kühl stellen. Sie halten dann quasi Winterschlaf und entwickeln sich erst weiter, wenn wir die Temperatur wieder erhöhen“, sagt de Sousa.

Wenn es draußen wärmer wird, durchlaufen die Setzlinge mehrere Abhärtungsschritte in Gewächshaus, Folientunnel und anschließend im Freiland: So bilden sie eine Wachsschicht und gewöhnen sich an die Sonne. „Würden wir die Pflanzen ohne Abhärtung rausstellen, würden sie an sonnigen Tagen verbrennen“, sagt er.

Der Standort muss stimmen

Da die Jungpflanzen sehr frostempfindlich sind, erfolgt das Auspflanzen in Deutschland ab Mitte Mai. „Gepflanzt werden rund 600 bis 700 Bäume je Hektar“, sagt de Sousa. Auf Ackerflächen wohlgemerkt.

Beim Paulownia-Anbau gilt es einiges zu beachten. Zum Beispiel:

  • Paulownia-Ursprungsarten sind nur bedingt frosthart. Ab Temperaturen unter –10 °C drohen Frostschäden. Bestimmte Hybriden halten aber auch tieferen Temperaturen bis –20 °C stand. Die absolute Grenze liegt bei –25 °C.

  • Der Baum ist gut hitzeverträglich. Er mag Temperaturen um die 30 bis 35 °C.

  • Die Wasserversorgung muss stimmen. Gegebenenfalls bedarf es insbesondere bei jungen Beständen einer Beregnung.

  • Paulownia wurzelt herzförmig. Oberflächennah gehen die Wurzeln zunächst breit auseinander.

  • Der Baum benötigt einen gut durchlüfteten Boden (höchstens 50 % Tongehalt) und verträgt keine Verdichtungen. Der pH-Wert sollte idealerweise zwischen 6 und 7 liegen.

  • Paulownia mag keine Stau­nässe.

Empfindliche Bäume

Vor dem Pflanzen ist eine bodenabhängige Feldvorbereitung (zum Beispiel Kalken) wichtig. In der Anfangsentwicklung sollte der Boden etwa durch Fräsen unkrautfrei gehalten werden. Ein Einsatz von Herbiziden ist nicht möglich: Die Bäume reagieren hierauf sehr empfindlich.

Gepflanzt werden können junge Bäume etwa ab Mai bis August. Im Februar/März des kommenden Jahres, noch bevor die Bäume beginnen auszutreiben, sollte ein technischer Rückschnitt erfolgen. Dazu wird der gesamte Austrieb des ersten Jahres möglichst bodennah auf den Stock gesetzt.

Einige Pflegemaßnahmen nötig

Die Bäume treiben wieder aus. Der kräftigste Trieb bildet den neuen Hauptstamm, alle anderen Triebe müssen entfernt werden. Diese Pflegemaßnahme sowie das Entasten, das regelmäßig erfolgen muss, bis der Stamm eine gewünschte Endhöhe von 5 bis 7 m erreicht hat, bilden die Hauptarbeit. Nach Ende des Astens öffnet sich die Baumkrone.

Ernte nach rund zehn Jahren

Die Ernte der Baumstämme erfolgt in der Regel nach acht bis zwölf Jahren. „Die Preise für Paulownia-Holz sind relativ stabil. Im ver-gangenen Jahr lagen sie – je nachQualität – bei etwa 140 €/m3 Rohmaterial ab Feld“, sagt de Sousa. Geht man von einem Ertrag von 0,75 m3 Rohholz (6-m-Stämme mit einem Durchmesser von 40 cm) und 660 Bäumen je Hektar aus, liegen die erwarteten Einnahmen bei knapp 70  000 € pro Hektar.

Handarbeit

Die Ernte erfolgt in der Regel per Hand, da der Schnitt möglichst bodennah erfolgen muss. Das Kronenholz (die Krone ist etwa noch einmal so hoch wie der Stamm) verbleibt meist gehäckselt auf dem Feld. Es gibt Überlegungen, auch dieses Holz zu nutzen – etwa als Dämmmaterial oder für die Papierherstellung.

Nach der Ernte schlagen die Bäume wieder aus. Der Kreislauf startet von Neuem.

Die Besichtigungen fanden im Rahmen einer Exkursion des NaRoTec e.V. statt.

Eine invasive Art?

„Nicht alle Menschen sehen den Paulownia-Anbau positiv“, sagt Georg Völkering von der Uni Bonn. Der Anbau auf Forstflächen ist schwer umstritten. Die Ursprungsart Paulownia tomentosa wird in Deutschland als potenziell invasive Art gelistet und steht damit unter Beobachtung.

Ihre Samen können sich durch Wind und Wasser ausbreiten. Da die Bäume sommerliche Trockenperioden gut vertragen, könnte der zunehmende Klimawandel ihre Ausbreitung ­fördern. Doch die Bäume benötigen viel Licht. „Darin sind sie anderen Waldbaumarten stark unterlegen“, sagte Völkering.

Für den Plantagenanbau auf Ackerflächen wird keine Ursprungsart, sondern werden Baum-Hybriden, also Kreuzungen aus zwei Baumarten, verwandt. Diese sind zum Beispiel unempfindlicher gegen Kälte, bilden in der Regel aber keine keimfähigen Samen. „Eine Ausbreitung der Hybride halten wir für sehr, sehr unwahrscheinlich“, sagt er, und weiter: „Es bedarf noch viel Aufklärungsarbeit. Viele winken beim Namen Paulownia ab, ohne sich mit den wissenschaftlichen Fakten zu beschäftigen.“

Und was ist mit dem Acker, wenn die Pflanzen beseitigt werden sollen? „Der Baum reagiert sehr empfindlich auf Totalherbizide. Die mechanische Bearbeitung etwa mit einer Forstfräse dauert länger, sollte aber nach ein bis zwei Jahren zum Erfolg führen“, sagt Völkering.

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