Kettenreaktion durch Krise

Stromkrise in GB: Weniger Dünger, weniger Betäubungsgas

Die Energiepreiskrise trifft GB besonders hart. Düngemittelhersteller schließen ihre Werke aus Strommangel bzw. zu hohen Kosten. Der resultierende Mangel an CO2 wiederum hat Folgen für die Schlachter

Die Energiepreise in Europa steigen seit einiger Zeit deutlich. Besonders betroffen ist derzeit Großbritannien, weil die Windkraftanlagen zu wenig Strom liefern und ein Brand bei einem französischen Stromversorger auf der Insel weitere Ausfälle brachte, die nun die Gaskraftwerke auffangen müssen. Doch Gas ist teuer, weil Asien Europas Lager leergekauft hat und der Verbrauch im letzten Winter bei uns sehr hoch war.

Das hat inzwischen Folgen für die Düngemittelindustrie, berichten verschiedene Medien wie www.ntg24.de oder die ZEIT. So habe der amerikanische Düngerhersteller CF Industries die Produktion in seinen zwei Werken in Großbritannien komplett schließen müssen. Die Agrarbranche warnt nun vor weiteren Preissteigerungen für Dünger, die zuvor ohnehin schon um 50 % im Jahresvergleich als Folge des Brexits gestiegen waren. Mancher Farmer sehe schon die Ernte 2022 in Gefahr, ist zu hören.

Auch der norwegische Hersteller Yara International habe auf die Energiekrise reagiert. Die Gesellschaft produziert unter anderem in Großbritannien in einem energieintensiven Prozess Düngemittel aus Ammoniumnitrat, das mit Hilfe von Erdgas gewonnen wird. Die Gesellschaft hat Berichten zufolge angekündigt, die Produktion in GB und einigen Produktionsstätten der EU zu reduzieren oder ganz einzustellen.

Kettenreaktion nimmt ihren Lauf

Der Wegfall der Düngemittelproduktion und die hohen Energiepreise führten nun wiederum zu einer Drosselung der Produktion von Kohlenstoffdioxid, einem Nebenprodukt der Düngerherstellung. Insgesamt werde derzeit nur noch 40 % der sonst üblichen Mengen produziert, heißt es. Große Abnehmer von Kohlenstoffdioxid sind die heimischen Atomkraftwerke und die fleischverarbeitende Industrie, die wiederum vor Ausfällen warnen.

So könnte die Herstellung von Fleischprodukten eingeschränkt werden, weil Kohlenstoffdioxid zum Betäuben der Tiere in den Schlachthäusern eingesetzt wird, sowie bei Lebensmittel-Verpackungen. Da durch den Brexit ein Arbeitnehmermangel in der Schlachtindustrie herrscht, hatte sich schon vor den jetzigen Ereignissen ein Stau von rund 100.000 Schlachttieren auf den Betrieben ergeben. Sollte der Kohlenstoffdioxid-Mangel die Produktion zum Erliegen bringen, stünde eine Notkeulung der Tiere an, warnen Experten.

Auch in Deutschland hätte die Energiekrise inzwischen Auswirkungen. So sollen die Aktien von BASF und E.ON unter Abgabedruck stehen.


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