Agri-PV

Thüringen: Mehr Solarenergie in benachteiligten Gebieten

Thüringens Energieministerium und Bauernverband sprechen sich für mehr Photovoltaikanlagen auf ertragsschwachen Flächen aus – ohne die Lebens- und Futtermittelproduktion zu beeinträchtigen.

In Thüringen sollten landwirtschaftliche Flächen mit geringen Erträgen für Solarstrom nutzbar sein – dafür will das Energieministerium eine dafür vorgesehene Möglichkeit innerhalb des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) nutzen. Dies ermögliche Photovoltaikanlagen in sogenannten benachteiligten Gebieten, also auf bereits festgelegten ertragsschwachen landwirtschaftlichen Standorten.

Insbesondere auf Grünlandflächen sei es dem Ministerium zufolge so möglich, die Flächen gleichzeitig für Landwirtschaft, z.B. durch Beweidung, und für die Energieproduktion mit Photovoltaikanlagen zu nutzen. Erhalten die Betreiber, beispielsweise Landwirte zusammen mit einer lokalen Bürgerenergie-Genossenschaft, einen Zuschlag, würden sie zusätzlich zur landwirtschaftlichen Nutzung für den generierten Ökostrom eine Einspeisevergütung bekommen. Gleichzeitig gelte es aber, wertvolles Ackerland für die Lebensmittelproduktion zu erhalten.

Energieministerin Siegesmund: Saubere Energie plus lokale Wertschöpfung

„Die Energiewende braucht viele Partner. Ich werbe in Thüringen darum, gemeinsam für die Energiesicherheit mehr zu tun. Solarmodule auf die Flächen zu stellen, die wenig landwirtschaftlichen Ertrag bringen, schafft einen finanziellen Mehrwert für die Landwirte und schützt gleichzeitig unsere Lebensgrundlagen durch saubere Energie“, erklärte Thüringens Energieministerin Siegesmund dazu. Angesichts der hohen Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland sei es von großem öffentlichen Interesse, sich so schnell wie möglich von fossilen Importen unabhängig zu machen. Dazu wolle sie die regionale Wertschöpfung erhöhen und den Landwirten Ertrag ermöglichen.

TBV-Präsident Wagner: Keine Konkurrenz zwischen Energie- und Lebensmittelproduktion

Der Präsident des Thüringer Bauernverbands, Dr. Klaus Wagner, sieht im Photovoltaik-Ausbau viele Potentiale für landwirtschaftliche Betriebe, PV-Anlagen könnten eine Einkommensalternative sein. Dabei dürfe es aber keine Konkurrenz zwischen Energie- und Lebensmittelproduktion geben.

„Der Ausbau muss in geordneten Bahnen realisiert werden, sodass die Flächennutzung sinnvoll ist und die landwirtschaftliche Nutzung, aber auch Natur und Landschaft bestmöglich Berücksichtigung finden. Bei jeder Investition müssen die Belange der betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe, aber auch die der Anwohner berücksichtigt werden“, so der TBV-Präsident.

Gros der PV-Anlagen auf Dächern, versiegelten und Bracheflächen

Sowohl Energieministerium als auch Bauernverband betonen, dass es viele geeignete Flächen für den PV-Ausbau gebe. Die benachteiligten landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere das Grünland, könnten einen Beitrag leisten. Das Gros der Anlagen solle jedoch auf Dächern, versiegelten Flächen, auf Brache- und Konversionsflächen errichtet werden.

Die Futter- oder Lebensmittelerzeugung soll von PV-Anlagen auf benachteiligten Flächen nicht berührt werden. Landwirtschaft und Kommunen vor Ort gelte es an der Wertschöpfung zu beteiligen. Ebenso gelte es Projekte voranzutreiben, bei denen gleichzeitig Landwirtschaft und Energie-Ernte möglich seien – sprich Agri-PV-Anlagen. Nur auf diesem Weg könne eine Akzeptanz für PV-Anlagen bei Landwirtinnen und Landwirten, aber auch bei den Anwohnern vor Ort erzielt werden.


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