Smart Meter

Wechsel auf digitale Stromzähler: Was Sie jetzt wissen sollten

Ein frühzeitiger Wechsel auf ein konventionelles Messsystem könnte günstiger werden als der Umstieg auf den „Smart Meter“, meint der Energiedienstleister Wattline aus Ruderting.

Die Einführung von intelligenten Messsystemen („Smart Meter“) steht kurz bevor. Schon warnen Verbände vor steigenden Kosten. Von bis zu 200 € statt wie bisher 20 € pro Jahr ist die Rede. „Und es gibt kaum Chancen, die Kosten in den nächsten Jahren auf dem bisherigen Niveau zu halten. Aber es gibt Möglichkeiten, sie zu begrenzen oder einen deutlichen Mehrwert für das Geld zu erhalten“, sagt Manuel Frohnholzer, Leiter Messstellenbetrieb bei der Wattline GmbH aus dem bayerischen Ruderting.

Um die schwankende Produktion von Energie aus Sonne, Wind und Wasser intelligent zu steuern, benötigt der Netzbetreiber digitale Stromzähler. Denn nur so hat er die Auslastung seines Stromnetzes jederzeit im Blick und kann bei Bedarf eingreifen. Entsprechend legte die Bundesregierung bereits 2016 gesetzlich einen Zeit- und Maßnahmenplan fest, um analoge Stromzähler durch digitale zu ersetzen. „Das birgt vor allem für den Netzbetreiber Vorteile – kann aber für den Letztverbraucher zu erheblichen Mehrkosten führen. Denn Einbau und Betrieb der neuen Geräte zahlt der Kunde“, sagt Frohnholzer. Betroffen sind erst einmal nur Kunden, die mehr als 6.000 kWh pro Jahr verbrauchen, ein verringertes Netzentgelt beispielsweise wegen einer eigenen Wärmepumpe zahlen oder ihren Strom mit einer PV-Anlage zwischen 7 und 100 kW Leistung selber erzeugen.

Neue Zähler ersetzen Ferraris-Modelle

In Zukunft sind moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme Pflicht und ersetzen die bekannten Ferraris-Zähler. Bereits seit 2017 wird daher die elektronische Version, die sogenannte moderne Messeinrichtung, verbaut. Auf ihrem Display kann jederzeit der aktuelle Verbrauch digital abgelesen werden. Für solche modernen Geräte hat der Gesetzgeber die Kosten auf die Ist-Situation von 20 € pro Jahr gedeckelt. Anders bei den neuen intelligenten Messsystemen, die ab 6.000 kWh jetzt zur Pflicht werden. Diese bestehen aus zwei Einheiten: Dem digitalen Zähler (moderne Messeinrichtung) und einer Kommunikationseinheit, dem sogenannten Smart-Meter-Gateway, welcher als Kommunikationsschnittstelle zwischen Zähler und Netz dient. „Für dieses System fallen jedoch erhebliche Mehrkosten an. Sie starten bei 100 € pro Jahr bei einem Verbrauch von 6.000 bis 10.000 kWh und erhöhen sich bis zu 200 € bei einem Verbrauch von 50.000 bis 100.000 kWh. Ab 100.000 kWh Bezug oder 100 kW Einspeiseleistung gibt der Gesetzgeber keine Obergrenze mehr vor“, erklärt Frohnholzer. Seiner Meinung nach sind die Vorteile jedoch gering: lediglich die Verbrauchswerte können, wie auch bei den elektronischen Ferraris-Zählern, auf einem Display abgelesen werden. Manche Messstellenbetreiber ermöglichen zudem die Einsicht der Verbrauchsdaten über ein Onlineportal. Gezielte Rückschlüsse auf das Verbrauchsverhalten wie etwa hochauflösende Werte, die es ermöglichen Lastspitzen zu finden und die Energienutzung zu optimieren, können mit diesen Geräten nur in geringem Ausmaß gezogen werden. Auch die Beantragung einer verminderten Konzessionsabgabe durch die Erfassung der Leistungsspitzen ist mit der ersten Generation der intelligenten Messsysteme nicht möglich.

Bestehende Systeme und Anbieter können schon heute mehr

In der bereits existierenden Kategorie der RLM-Messungen (registrierende Leistungsmessung) ab einem Verbrauch von 100.000 kWh würden bereits heute schon neben dem Lastgang auch Daten zu den Leistungsspitzen und Netzqualitätsdaten gesammelt und dem Nutzer bereitgestellt so Frohnholzer: „Es gibt also bereits effizientere Lösungen, die nun von leistungsschwächeren teuer abgelöst werden sollen.“

Ähnlich sieht es für Unternehmen mit geringerem Verbrauch aus. Durch die Öffnung des Marktes für Privatanbieter haben sie schon seit einiger Zeit die Wahl zwischen dem örtlichen Netzbetreiber, der bisher die Messung mit dem herkömmlichen Ferraris-Zähler übernommen hat oder einem beliebigen, privaten Anbieter. Die im Wettbewerb stehenden Messstellenbetreiber bieten dem Kunden häufig zusätzliche Leistungen, wirtschaftlichere Preise oder den Einbau von konventioneller Messtechnik zur Leistungsmessung an. Während sich bisher vor allem Filialisten, Funknetzbetreiber und Großkunden für die Vorteile eines wettbewerblichen Messstellenbetreibers entschieden haben, ist durch den anstehenden Roll out und die damit verbundenen Mehrkosten auch ein Wechsel für kleinere Unternehmen lohnenswert.

Der richtige Wechselzeitpunkt

Bis 2025 müssen alle analogen Zähler durch digitale ausgetauscht sein. „Um noch mit der konventionellen Messtechnik zu sparen oder sich zum gleichen Entgelt anstatt eines intelligenten Messsystems eine hochwertige RLM-Messung einbauen zu lassen, sollten Unternehmen mit dem Umtausch nicht mehr lange warten. Denn das genießt bei Vertragsabschluss mit einem wettbewerblichen Messstellenbetreiber einen Bestandsschutz von acht Jahren“, rät der Experte.

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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