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Windenergie in Süddeutschland

Windenergie: Echte Bürgerbeteiligung bringt mehr als starre Abstandsregeln

In Bayern geht der Ausbau der Windkraft schleppend voran. Das soll sich ändern. Ostwind-Geschäftsführer Stefan Bachmaier bewertet die angestrebten Maßnahmen der Landesregierung.

Lesezeit: 4 Minuten

Das Unternehmen Ostwind aus Regensburg plant und baut seit über 30 Jahren Windenergieanlagen und Solarprojekte und bietet auch Betriebsführung sowie das Repowering von Altanlagen an. Seit 2022 gehört Ostwind zum dänischen Ørsted-Konzern, einem weltweit agierenden Energieunternehmen. Am 28. September wird Ostwind zur Orsted Onshore Deutschland GmbH. Wir sprachen mit Stefan Bachmaier über die Perspektiven der Windenergie in Bayern.

Kürzlich gab es einen Bürgermeisterappell für mehr Windenergie in Bayern. Können Sie die Forderungen nachvollziehen?

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Bachmaier: Ich finde das klare Bekenntnis der bayerischen Bürgermeister zum Ausbau der Erneuerbaren und explizit auch zur Windenergie sehr ermutigend. Es bestätigt, was wir selbst an vielen Standorten in Bayern derzeit wahrnehmen: Die Kommunen, die Unternehmen und die Menschen vor Ort ziehen wieder an einem Strang und wollen gemeinsam mit uns in eine erneuerbare Energiezukunft gehen. Der Appell benennt dafür die wesentlichen Argumente: Erneuerbare Energien aus heimischen Quellen machen Bayerns Gemeinden fit für die Zukunft.

Wenn sich ein Fünftel der Bürgermeister in Bayern pro Windenergie positioniert, liegt das Problem offensichtlich nicht auf kommunaler Ebene. Ist die landesweite 10-H-Regelung die größte Hürde?

Bachmaier: 10H war die größte Hürde, die aber inzwischen vor allem durch die Wind-an-Land-Gesetzgebung des Bundes nicht mehr unüberwindbar ist. Selbst die Staatsregierung, die sich fast zehn Jahre lang sperrte, hat diese absurde Abstandsregelung zumindest aufgeweicht – allerdings viel zu spät.

Wo sehen Sie als Projektierer noch weitere Hemmnisse für den Ausbau in Bayern?

Bachmaier: Bisher ist es eher bei Ankündigungen für Verbesserungen geblieben. Jetzt muss sich aber auch praktisch etwas verändern. Wir müssen in die Umsetzung kommen, sonst bleibt es bei einer guten Absicht. Das zeigt sich beispielsweise in den äußerst niedrigen Genehmigungs- und Zubauzahlen. Daher fordern wir kürzere Planungs- und Genehmigungsverfahren, um den bislang extrem langwierigen Prozess von der grünen Wiese hin zum fertigen Windpark zu beschleunigen. Weiteren Handlungsbedarf sehen wir bei der Flächenausweisung für Windenergie. Wir halten ein Vorziehen des Zwei-Prozent-Flächenziels auf 2025 auch in Bayern für unausweichlich. Die Zeitspanne über den Zwischenschritt 2027 bis zum Jahr 2032 ist zu lange.

In Baden-Württemberg hat eine TaskForce das Genehmigungsverfahren entschlackt. Mit welchen Mitteln wäre so etwas auch in Bayern möglich und würde das die Zahl an Genehmigungen erhöhen?

Bachmaier: Wir nehmen die TaskForce als ein hilfreiches Instrument wahr, um bei den unterschiedlichen Akteuren mehr Verständnis füreinander zu schaffen und um Probleme beim Ausbau der Windenergie schnell zu identifizieren. Ob die TaskForce allein wirklich zu einer Verkürzung der Genehmigungsverfahren und einem verstärkten Zubau beitragen kann, glaube ich nicht. Alle Ebenen der Politik und Verwaltung und alle Beteiligten vor Ort sind aufgefordert, den Ausbau der erneuerbaren Energien und der dafür notwendigen Infrastruktur zu forcieren. Gerade in Bayern brauchen wir jetzt eine Kultur zum Ermöglichen der dezentralen Energiewende und nicht der Verhinderung, wie bisher.

10-H wurde ja offiziell eingeführt, um die Akzeptanz bei den Bürgern zu erhöhen. Welche besseren Konzepte für mehr Akzeptanz gibt es aus Ihrer Sicht?

Bachmaier: 10H war darauf ausgerichtet, die Windkraft zu verhindern, und hat die Akzeptanz der Bürger geschwächt, nicht gestärkt. Besser ist es, die Menschen auf dem Weg in eine neue und sicherere Energiezukunft mitzunehmen, Kommunen am Erfolg der Erneuerbaren Teil haben zu lassen und heimische Wertschöpfung zu ermöglichen. Ein erfolgversprechendes Beispiel dafür ist die Winob, die Windkraftwerke Nordostbayern GmbH, eine Kooperation mit der ZENOB, der Zukunftsenergie Nordostbayern. OSTWIND identifiziert dort geeignete Windstandorte, plant und baut die Anlagen und betreibt gemeinsam mit der Winob die Windparks, an denen die Kommunen aus der Region mit ihren Anteilen an der ZENOB oder auch direkt beteiligt sind.

Die meisten Windräder werden auf landwirtschaftlichen Flächen errichtet. Welche Möglichkeiten gibt es aus Ihrer Sicht, Landwirte bei den Windparks über die Pacht hinaus zu beteiligen und so die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu erhöhen?

Bachmaier: Für uns sind die Land- und Forstwirte als Flächeneigentümer die ersten Ansprechpartner, wenn es um ein neues Wind- oder Solarprojekt geht. Ihr großer Vorteil ist es, dass sie dabei auf lange Sicht mit stabilen Einnahmen rechnen können – ohne auf die bisherige Bewirtschaftung ihrer Acker- oder Forstflächen verzichten zu müssen. Und wir stehen den Land- und Forstwirten über 30 Jahre lang als verlässlicher Partner zur Verfügung – eine Win-win-Situation für beide Seiten. Der ländliche Raum ist der große Gewinner des Ausbaus einer erneuerbaren Energiewende, sei es aufgrund damit einhergehender Investitionen, einer verbesserten Infrastruktur, einer finanziellen Teilhabe der Kommunen oder eines langfristig günstigen Tarifs für den Wind- oder Solarstrom „von nebenan“.

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