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Windenergie: Nettozubau mit 135 Anlagen im 1. Halbjahr enttäuschend

In den ersten sechs Monaten sind in Deutschland 238 neue Windkraftanlagen installiert worden, 82 wurden stillgelegt.

Lesezeit: 5 Minuten

Von Januar bis Juni 2022 wurden in Deutschland 238 neue Windenergieanlagen (WEA) an Land mit einer Leistung von zusammen 977 Megawatt (MW) installiert. Der Zubau bewegt sich damit auf einem fast identischen Niveau wie im Vergleichszeitraum 2021. Eine neue Analyse der Deutschen WindGuard, durchgeführt im Auftrag des Bundesverbandes Windenergie (BWE) und des Verbandes VDMA Power Systems beleuchtet die aktuelle Entwicklung. Zum Erreichen der Ziele ist nach Ansicht der Verbände aber das fünffache Volumen nötig.

Schleswig-Holstein bleibt Spitzenreiter

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Spitzenreiter bei der regionalen Verteilung des Zubaus im ersten Halbjahr 2022 ist Schleswig- Holstein. Mit einem Anteil von 29% am Brutto- Zubau und einem Zubau von über 17 kW/km2 der Landesfläche stellt das Land im Norden alle anderen Bundesländer in den Schatten. Auf den Plätzen zwei bis vier folgen die Länder Nordrhein- Westfalen, Brandenburg und Niedersachsen, in denen ebenfalls relevante Anteile installiert wurden. Insgesamt wurde in den vier zubaustärksten Ländern 80% des gesamten Zubaus des ersten Halbjahres 2022 erzielt. Entsprechend gering sind die Anteile aller weiteren Bundesländer. Bayern, Hessen, Sachsen und Baden- Württemberg fallen mit einem Zubau von weniger als 1 kW/km2 bezogen auf die jeweilige Landesfläche auf. In den Stadtstaaten wurde im ersten Halbjahr 2022 keine neue Anlage in Betrieb genommen.

Hindernisse bleiben bestehen

Die Bundesregierung hat mit den in der vergangenen Woche verabschiedeten Gesetzen das ambitionierteste Paket zur Klimagesetzgebung vorgelegt, das es in Deutschland je gab. Die Ausbauziele für die Erneuerbaren sind ebenso ehrgeizig wie notwendig und bieten der Branche nach Ansicht der Verbände Orientierung und Planungssicherheit. Einige der neuen Regelungen seien in der Tat bahnbrechend. So gibt es zum ersten Mal ein gesetzlich verankertes Ziel zur Bereitstellung von Flächen. Um den Ausbau auf das notwendige Niveau anzuheben, käme es darauf an, dass die beschlossenen Maßnahmen möglichst schnell ihre Wirkung entfalten können

„Die altbekannten Hindernisse bestehen jedoch weiterhin fort. Die durchschnittliche Dauer der Genehmigungsverfahren hat sich in den vergangenen fünf Jahren um fast 60 % erhöht. Zudem muss die Rechtssicherheit nach Genehmigungserteilung weiter verbessert werden“, fordert Hermann Albers, Präsident des Branchenverbands BWE. Die Bereitstellung von Flächen für den Ausbau der Windenergie laufe noch immer nicht mit der gebotenen Dringlichkeit. Das Flächenziel von mindestens 2 % habe nun zwar eine gesetzliche Grundlage, sei jedoch in der Erreichung auf die nächste Legislaturperiode vertagt. Dabei hat der BWE in seiner aktuellen Studie zu Flächenpotenzialen deutlich gemacht, dass es in allen Bundesländern verfügbare Flächen gibt. Auch bestehe das deutliche Nord-Süd-Gefälle weiterhin.

Wirtschaftlicher Druck

„Die europäischen Hersteller von Windenergieanlagen und ihre Zulieferer stehen durch Kostensteigerungen und unzureichende Marktdynamik unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Bei zu geringem Marktvolumen besteht die Gefahr des Verlusts von Know-how, Wertschöpfung und Beschäftigung“, warnt Dr. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems.

Dies wiederum gefährde die Energiesouveränität Deutschlands und Europas – ein Aspekt, der im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt eine neue Dringlichkeit bekommen habe. Daher müssten Hürden schnellstmöglich aus dem Weg geräumt und eine langfristige industriepolitische Strategie für die europäische Windindustrie geschaffen werden. Ansätze dafür hat der VDMA Power Systems aus Sicht der Hersteller und Zulieferer kürzlich in einem Positionspapier zur Wertschöpfung in der Windindustrie veröffentlich.“

Mehr Repowering nötig

Beim zwei-Prozent-Flächenziel ist der Gesetzgeber nach Ansicht der Verbände deutlich hinter den gestalterischen Möglichkeiten zurückgeblieben. Das Erreichen des Ziels muss vor dem Jahr 2032 festgelegt werden, schnellstmögliche Flächenverfügbarkeit sei erforderlich. Hier bleibe das Flächenbedarfsgesetz hinter seinen Anforderungen zurück. Wie die noch immer bestehenden Konflikte bei Arten- und Naturschutz aufgelöst werden könnten, haben BWE und VDMA gemeinsam mit den Verbänden BEE, BDEW, BNE und VKU in einem Branchenappell dargelegt. Auch hier seien zwar noch Ansätze wie etwa beim Repowering eingeflossen, eine Entfesslung bedarf jedoch weiterer Änderungen. Die Genehmigungen der Projekte müssen dringend vereinfacht werden. Auch die im Koalitionsvertrag angekündigten Erleichterungen für das Repowering älterer durch moderne Anlagen gelte es schnellstmöglich durch weitere Maßnahmen umzusetzen.

10.000 MW im Genehmigungsverfahren

Derzeit befinden sich noch Windenergieprojekte mit einer Gesamtleistung von rund 10.000 Megawatt im Genehmigungsverfahren, rund 2.250 MW daraus aus dem ersten Halbjahr 2022. Dies stellt das Potenzial für die hohen Ausschreibungsvolumen des kommenden Jahres dar. Zuschläge in einem Volumen von 6,6 Gigawatt (GW) warten auf die Umsetzung.

Gleichzeitig werden bis zum Jahr 2025 voraussichtlich Windenergieanlagen mit einer kumulierten Leistung von rund 15 GW aus der EEG-Förderung fallen. Repowering bietet hier laut BWE und VDMA Power Systems die Chance, kurz- bis mittelfristig einen Zubau von bis zu 45 GW zu erreichen. Repowering könne damit als wichtige Brücke dienen, bis andere gesetzliche Regelungen aus Osterpaket und ergänzenden Gesetzen ihre Wirkung voll entfalten können.

Als Folge der politischen Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre seien in der Branche über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg bis zum Jahr 2020 rund 50.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Jetzt stellen die Unternehmen wieder ein. Neue Beschäftigungsmöglichkeiten könnten bei tatsächlicher Umsetzung der politischen Ziele dauerhaft entstehen und zu einem nachhaltigen Wertschöpfungseffekt führen.

Prognose für das Gesamtjahr 2022

Im Januar 2022 hatten die Verbände auf Basis bezuschlagter Projekte einen Ausbau der Windenergiekapazitäten an Land von 2,3 bis 2,7 GW für das Jahr 2022 prognostiziert. Die aktuelle Prognose der WindGuard ergibt bei gleichbleibender durchschnittlicher Realisierungsgeschwindigkeit ein leicht angehobenes Ergebnis von 2,4 bis 3 GW für 2022. In der Vergangenheit gewann der Zubau in der zweiten Jahreshälfte oftmals an Fahrt.

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