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topplus Drama im Arnsberger Wald

Förster Arndt: "Die Eiche wird es schaffen!"

Im Revier von Förster Carsten Arndt, im Arnsberger Wald, sterben Eichenbestände ab. Schuld ist neben der Dürre der Eichenprachtkäfer. Die Strategie dagegen sind möglichst kühle Mischbestände.

Lesezeit: 5 Minuten

Wenn man wissen möchte, wie sich die Situation im Arnsberger Wald entwickelt hat, muss man Carsten Arndt sprechen. Der Förster (55) hat bereits mit dem 15. Lebensjahr seine forstliche Ausbildung begonnen und ist seit 1986 in der Region tätig.

Und er ist Förster in der dritten Generation. Teile seines heutigen Reviers Hirschberg, das zum Regionalforstamt Arnsberger Wald gehört, hat bereits sein Großvater betreut. Unser erstes Gespräch fand im Frühjahr 2020 statt.

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Das Staatswald-Revier liegt 200 bis 450 m über NN, die durchschnittliche Regenmenge beträgt 1.000 mm. Es handelt sich überwiegend um nährstoffarme Schieferböden mit unterschiedlicher, wechselnder Überdeckung. Die Holzbodenfläche beträgt 2.111 ha. Vor allem durch den Ankauf von 1.000 ha von der Adam Opel AG im Jahr 2002 wuchs der Fichtenanteil auf knapp 60 %. Im Frühjahr 2020 muss sich der Förster deshalb um 600 ha Fichtenschadflächen kümmern. Ein weiteres großes Problem in der Region ist die starke Sika-Wildpopulation.

Thema unseres Besuchs bei Carsten Arndt sind aber die aktuellen Schäden an Eichen. Denn neben 488 ha Buchen verfügt das Revier Hirschberg auch über 219 ha Eichen, oft in Reinbeständen. Neben forstlich begründeten Beständen stammen die Eichen aus Zeiten der Hudewirtschaft, teils kommen sie aus der historischen sauerländer Waldbauform Mittelwald. Hier gab es zwei Baumschichten: Das Oberholz, vor allem Eichen, die alt werden durften, und das Unterholz, das ca. alle 30 Jahre als Brennholz geerntet wurde. Viele der Eichen in Hirschberg sind 140 bis 150 Jahre alt. Und mittlerweile sterben hier ganze Bestände ab.

Besonders sind Eichen in Reinbeständen betroffen, hat der Förster festgestellt. Denn die Hauptursache für den Tod der Bäume ist der Eichenprachtkäfer, der Wärme liebt. In den vergangenen sehr warmen Jahren fand der Käfer in den lichteren Reinbeständen ideale Bedingungen. Eichen mit Buchen und anderen Arten im Mittel- und Unterstand waren weniger betroffen. Hier sorgten die Begleitbaumarten für ein kühleres Klima.

Carsten Arndt hat festgestellt, dass in betroffenen Beständen die Durchforstung als Hilfe für die gesunden Bäume genau der falsche Weg ist. Denn diese Maßnahme bringt noch mehr Licht und damit auch mehr Wärme in den Bestand. Deshalb beschränkt sich der Förster zunächst auf den Sanitärhieb und entnimmt gezielt nur absterbende Bäume. Da der Prachtkäfer nur eine Generation pro Jahr macht, reicht es, die befallenen Bäume bis März aus dem Wald zu holen.

Wir müssen künftig vor allem lichte Eichenbestände vermeiden.

Förster Arndt wartet bei Bäumen, die Schadsymptome zeigen, oft ab und beobachtet genau. Denn es kann durchaus sein, dass der Baum sich erfolgreich gegen Käfer wehrt. Jeder Überlebende ist wichtig. Stammtrockene Eichen müssen übrigens so schnell wie möglich raus. Denn ihr Holz reißt bis aufs Mark und man erhält kein einziges Brett mehr aus dem Baum.

Warum wirken sich die Schäden aktuell so stark aus? Die Eiche kann sich in normalen Jahren gut anpassen, z. B. an die bekannte Eichen-Fraßgesellschaft. Doch die Wetter- bzw. Klimaextreme der letzten Jahre, der Wechsel zwischen sehr nass, sehr trocken, sehr warm haben die Bäume geschwächt. Das ermöglicht dem Prachtkäfer, der ja eigentlich ein Sekundärschädling ist, sich so stark zu vermehren. Roteichen sind übrigens nicht betroffen.

Welche Maßnahmen kann der Förster ergreifen, um seine Eichen zu schützen? Aktuell fürchtet Carsten Arndt, dass die alten Reinbestände verloren sind. Er versucht zwar, so schnell wie möglich für mehr Schatten zu sorgen. Doch es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Wie bei den Borkenkäferflächen konzentriert er sich vor allem auf die jüngeren Bäume. Hier sind aktuell alle Begleitbaumarten willkommen. Hoffnungen setzt der Förster unter anderem auf Lärche, Eberesche oder Birke. Hauptsache, der Eichenstamm wird beschattet. Auch in den älteren, gemischten Beständen entnimmt er die begleitenden Baumarten nur sehr vorsichtig.

Die Eiche gilt als eine der Hoffnungsträger in zukünftigen Waldkonzepten. Ist das eine Fehleinschätzung? Carsten Arndt ist davon überzeugt, dass es genug heimische und bereits etablierte Baumarten gibt, um auf den Klimawandel zu reagieren. Er hält nur wenig davon, jetzt im großen Stil auf Exoten zu setzen. Für ihn sind vor allem Reinbestände das Problem: „Wenn hier die Fichte mit anderen Baumarten gemischt wäre, hätten wir auch größere Mengen Schadholz, würden aber heute nicht vor diesen riesigen Kahlflächen stehen.“

Bei den Kahlflächen versucht der Förster so weit wie möglich Naturverjüngung zu nutzen. Durch die traditionelle Odenwälder Mischung standen an den Rändern der Fichtenbestände oft Kiefern und Lärchen.

Er schätzt, dass es auf den Schadflächen im Schnitt Samenpotenzial von drei bis vier Arten gibt. Dazu kommen Pionierbaumarten wie die Birke. „Wir sehen uns dann die Flächen an und entscheiden, welche Arten wir dort zusätzlich einbringen möchten.“ Das Revier forstet gezielt auf, durch Pflanzung in Horsten oder auf Teilflächen.

Das Revier arbeitet heute mit reduzierten Pflanzenzahlen von 1.500 bis 1.700 Stück pro ha. Meistens handelt es sich um ein- bis zweijährige Sämlinge. Wegen des höheren Anwuchserfolgs setzt der Förster gerne Containerpflanzen ein und versucht, möglichst viele Pflanzen noch im Herbst in den Boden zu bringen.

Die Eiche spielt vor allem an südlichen Hängen eine wichtige Rolle. Dann aber mit Mischungspartnern. Generell gilt für Carsten Arndt die Strategie: „Wir fördern in der Eiche mit allen Mitteln umhüllende Baumarten, u.a. Lärche, Birke oder Linde.

Und wie geht es weiter mit den Eichen im Revier Hirschberg am Möhnesee? „In den abgestorbenen Flächen müssen wir komplett neu begründen, in den anderen Beständen erhalten wir den Unterstand und greifen nur vorsichtig ein. Die Eiche wird es bei uns schaffen. Ich bin Optimist – sonst sollte ich kein Förster sein.“

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