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Zukunftsfeste Baumwahl

Mehr Mut zu Experimenten bei der Aufforstung

Die Waldbesitzer setzen immer mehr auf Mischwälder. Allerdings dominieren die Nadelbäume, stellt die Baumschule Jungermann fest. Kombinationen Fichte-Lärche oder Fichte-Douglasie sind beliebt.

Lesezeit: 5 Minuten

Für die Wiederbewaldung brauchen die Waldbauern ausreichend Pflanzgut. Weil aber nicht alle Sortimente jederzeit verfügbar sind, plädiert Stefan Jungermann von der Forstbaumschule Jungermann für mehr Experimentierfreude bei der Baumartenwahl. Folgendes Interview erschien erstmals im Mai 2023.

Herr Jungermann, die Witterung hat in diesem Frühjahr (Anm. d. Red.: 2023) für gute Aufforstungsbedingungen gesorgt. Merken Sie das an der Nachfrage und können Sie die Waldbauern mit ausreichend Pflanzgut versorgen?

Jungermann: Grundsätzlich ja, wir haben ein breites Angebot. Aber auch wir können nicht jede Baumart jeder Herkunft in jedem Sortiment kontinuierlich anbieten. Wir brauchen für die Pflanzenproduktion zwei bis drei und teilweise vier Jahre. Deshalb ist das Angebot „neuer“ Baumarten sicherlich begrenzt.

Hinzu kommt: Beispielsweise die Eiche lässt sich nicht überlagern. Deshalb kann hier die Angebotsmenge schwanken. Insgesamt haben wir die Produktion schon vor der Kalamität schrittweise ausgeweitet. Personalmangel kennt aber auch unsere Branche.

Kann es sein, dass sich Waldbesitzer wegen der Pflanzgutpreise mit der Aufforstung zurückhalten?

Jungermann: Die Preise werden in unserer Branche maßgeblich durch das Saatgutangebot bestimmt. Wegen der geringeren Ernten sind die Saatgutpreise gestiegen. Das Kilogramm Douglasiensamen kostet inzwischen mehr als 1.300 €. Wo immer es möglich war, haben wir Saatgut voreingekauft – vor allem Baumarten, die lange lagerfähig sind wie Kiefer, Lärche und Tanne. Natürlich sind auch unsere Betriebskosten gestiegen – genau wie in anderen Branchen. Insgesamt sind Forstpflanzen aber nicht deutlich teurer geworden.

Der Flaschenhals für die Aufforstung sind meiner Meinung nach weniger die Pflanzgutpreise, sondern vielmehr die fehlende Manpower. Zudem werden die Zeitfenster zum Pflanzen immer enger.

Woher beziehen Sie das Saatgut?

Jungermann: Zumeist ziehen wir regionale Herkünfte an. Eiche und Buche ernten wir in umliegenden Forstämtern selbst. Wir haben keine eigenen Zapfenpflücker, weshalb wir Nadelbaumsamen komplett zukaufen. Zum Beispiel von der Staatsdarre Wolfgang in Hessen oder von speziellen Saatguthändlern. Wichtig ist für uns, dass es FFV-zertifiziert ist. Das beinhaltet umfangreiche Qualitätsmerkmale, aber auch Rückstellproben. Heißt: Wir können die Genetik des Pflanzmaterials auch Jahre später nachweisen.

Außerdem haben wir seit kurzer Zeit einen eigenen Nordmanntannen-Saatgutbestand in Georgien.

Auf welche Baumarten setzen die Waldbesitzer in der Praxis – was sind bisher die Bestseller?

Jungermann: Die Waldbesitzer setzen immer mehr auf Mischwälder. Das merken wir ganz deutlich. Allerdings dominieren die Nadelbäume. Kombinationen Fichte-Lärche oder Fichte-Douglasie sind beliebt. Oftmals blockweise gemischt mit Kiefer und Küstentanne aber auch Laubbäumen. Aus meiner Sicht ist das richtig. Denn wir müssen den Rohstoff Holz im eigenen Land produzieren. Hier kommt dem Privatwald eine besondere Rolle zu. Denn der Staat wird die Holzproduktion zugunsten anderer Waldfunktionen weiter runterfahren.

Abgesehen davon sollten die Waldbesitzer bei der Baumartenwahl mehr experimentieren.

Was heißt das konkret?

Jungermann: Wir brauchen Baumarten, die weniger Wasser benötigen und bestenfalls genauso zuwachsstark sind, wie Fichten. Versuche mit fremdländischen Baumarten und Herkünften sind nötig. Damit meine ich zum Beispiel die Nordmanntanne. Aber auch Korsische Schwarzkiefer, Zedernarten, den Lebensbaum oder Esskastanie im Laubholzbereich.

Wobei die Waldbesitzer bei mediterranen Baumarten vorsichtig sein sollten. Denn starkem Forst oder Spätfrost sind die Arten nicht gewachsen – besonders im jungen Alter. Für mich zählt jeder Baum, der gepflanzt wird. Und das meine ich nicht als Pflanzenproduzent. Darum dürfen wir bei der Baumartenwahl nicht nur heimische Arten bevorzugen.

Sie empfehlen also, wieder Nadelholz anzupflanzen?

Jungermann: Ganz eindeutig. Holz ist der einzige heimische Rohstoff, der nachwächst und im Wert steigen wird – vor allem das Nadelholz. Es darf aber keine Komplettausfälle ganzer Wälder mehr geben. Insofern sind Mischwälder dringend nötig. Auch mit Laubholz.

Inwieweit sind Sie als Produzent vom Klimawandel betroffen – gibt es eine Trendwende zum Beispiel hin zu anderen Sortimenten oder gegebenenfalls Containerware?

Jungermann: Containerware kann eine Alternative bei Küstentanne oder Hemlocktanne auf schwierigen Standorten sein. Bei allen anderen Baumarten sehen wir die Vorteile gegenüber gut versorgten, wurzelnackten Pflanzen nicht. Der Trend geht eher zu kleineren Sortimenten wie 30/50 cm oder 50/80 cm. Großpflanzen werden aufgrund der extremen Sommer weniger nachgefragt.

2022 sind landesweit nur 540 ha mithilfe der Fördermittel Extremwetterfolgen wiederbewaldet worden. Warum verzichten Ihre Kunden auf das Geld?

Jungermann: Das sollte das Ministerium einmal hinterfragen. Aus meiner Sicht sind die Förderbeträge hoch genug. Und dass es für die Vergabe öffentlicher Gelder Vorgaben gibt, ist auch richtig. Die Vorgaben sind aber viel zu eng. Das Ziel aller ist ein Wald aus mehr klimaresistenten Baumarten.

Das Förderkonzept ist aber praxisfern. Das Erreichen eines Förderzieles darf nicht an 121 Pflanzen/ha scheitern, nur weil sie am Reißbrett mehr oder weniger auf die Fläche gemusst hätten. Die Angst der Waldbesitzer vor Rückzahlungen ist sehr groß – auch wegen schlechter Erfahrungen nach dem Sturm Kyrill. Unter diesen Umständen wird die Fichte eine Renaissance erleben.

Förderung sollte Mut machen. Deshalb: Bedingungen lockern, mehr Spielraum erlauben und weniger penibel sein.

Sie sind bereits einige Jahre im Geschäft. Was unterscheidet diese Wiederaufforstungsphase von jener nach Kyrill? Was läuft Ihrer Meinung nach besser oder schlechter?

Jungermann: Die Stimmung der Waldbesitzer war damals nach Kyrill insgesamt besser. Der Sturm Friederike war ein massiverer Schlag, die meisten Waldbesitzer sind mindestens mit Teilflächen betroffen. Diese Kalamität ist ein flächendeckendes Problem. Viele Waldbesitzer haben alles verloren. Der Holzpreis war sehr viel schlechter als damals. Hinzu kommt der Borkenkäfer, der sich nicht aufhalten lässt.

Ich sehe aber: Die Stimmung wird besser. Der Aufforstungswille ist da. Und aufgeben und Wald verkaufen möchte auch niemand – stelle ich immer wieder fest. In den meisten Gesprächen spüre ich die Chance für einen Neuanfang.

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