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So pflegen Sie junge Forstbestände

In vielen Jungbeständen herrscht Pflegerückstand. Wir zeigen zusammen mit Forstwirtschaftsmeister Martin Nolte, wie und womit sich diese Jungbestände zukunftsfit machen lassen.

Lesezeit: 6 Minuten

Schnell gelesen

In vielen Sturmholzflächenherrscht ein starker Pflegerückstand.

Die Jungbestandspflege dient vor ­allem zur Z-Baum- und Bedränger­auswahl.

Eine zusätzliche Wertästung der Z-Bäume erhöht den Wert des Bestands.

Der Arbeitsaufwand je Hektarbeträgt etwa 15 bis 20 Stunden.

Die Erfahrung zeigt, dass qualitativ gute Bäume gegenüber wüchsigeren, aber minderwertigeren Bäumen zurückfallen“, sagt Forstwirtschaftsmeister und Waldarbeitslehrer Martin Nolte. In der Praxis betrifft das meist die gepflanzten Bäume. Hingegen zeichnen sich Pionierbaumarten wie die Birke durch ein schnelles Jugendwachstum aus. Auch die Fichte startet sehr schnell. Beide können deshalb rasch zu Konkurrenten für Douglasie, Eiche und Co. werden. Mit der Jungbestandspflege lässt sich nachsteuern.

Pflegepfade anlegen

Sturm- und Käferschäden haben in den letzten Jahren viel Arbeit verursacht. In vielen Betrieben ist deshalb die wichtige Jungwuchspflege komplett ausgefallen. Nolte empfiehlt, zuerst Pflegepfade ­anzulegen, damit sich die jungen Bestände überhaupt bewirtschaften lassen. Hierzu am besten in einem festen Winkel zur Waldstraße oder Rücke­gasse – je nach Flächengröße – Pflegepfade im Abstand von 20 m zueinander anlegen. Dafür schneidet Nolte mit der Motorsäge 1 m breite Pfade in den Jungbestand. Mithilfe derer verschafft der Forstwirtschaftsmeister sich einen Überblick über den Bestand.

Zukunftsbäume finden

Wer seine Schadflächen wiederaufforstet, hat in der Regel seine Baumartenwahl getroffen. Zusätzlich haben sich häufig Eichen oder Lärchen naturverjüngt, die es lohnt herauszupflegen.

Der Aufwand, diese Zukunftsbäume zu finden, ist in rein naturverjüngten Beständen erheblich größer und erfordert Artenkenntnis. Denn anders als in gepflanzten Beständen können Waldbesitzer sich nicht an Pflanzreihen oder eingebrachten Baumarten orientieren.

In unserem Beispiel hat der Wald­besitzer in einen Fichtenvorbestand blockweise Eiche und Douglasie gepflanzt. Fichte, Birke und einige Lärchen haben sich natürlich angesamt. Im Zuge einer Mischwuchsregulierung wurden bereits Pflegepfade angelegt.

Mit geschultem Auge macht sich Martin Nolte auf den Weg durch den Jungbestand. Er hält Ausschau nach vitalen und hochwertigen Zielbaumarten, berücksichtigt dabei aber auch vielversprechende „Raritäten“. Kurzum: Nolte geht auf Z-Baum-Suche.

Als Faustregel empfiehlt er, 50 bis 70 dieser stabilen und gut bekronten Bäume je Hektar zu finden. Sie markiert der Forstwirtschaftsmeister mit Sprühfarbe, mögliche Bedränger in einer anderen Farbe. Der Eingriff ist somit nicht flächig. Stattdessen findet eine gezielte Z-Baum-Förderung statt. Das schafft Struktur und spart Kosten.

Schere statt Säge

Neben der Z-Baum-Auswahl und dem Markieren von Bedrängern empfiehlt Martin Nolte eine zusätzliche Wertästung in Reichhöhe. Z-Bäume ab Maßkrugstärke ästet der Experte für die Jungbestandspflege auf. Dieser Arbeitsschritt ist vor allem bei Totasterhaltern wie der Douglasie sinnvoll. Auch der eine oder andere unerwünschte Eichen- oder Lärchenast lässt sich in diesem Arbeitsschritt entfernen.

Als Werkzeug nutzt Nolte seit einiger Zeit eine Akkuschere. Diese sind aus dem Obst- und Weinbau bekannt, aber inzwischen auch im forstlichen Einsatz weit verbreitet. Möglich wären auch spezielle Handsägen, die für die Wertästung geeignet sind.

Vorteil der Akkuschere ist aber ein glatter Schnitt und damit eine bessere Wundheilung des Baumes. Zudem ist die Arbeit schneller und ermüdungsfreier. Für dickere Äste über 4 cm Stärke ist die Schere aber nicht mehr geeignet. Darum trägt Nolte eine Handsäge am Werkzeuggurt mit sich.

Zeitstudien zufolge benötigt ein geübter Forstwirt für die Z-Baumsuche, die Wertästung und das Markieren der Bedränger im Schnitt um die sechs Minuten. Im ungünstigsten Fall bis zu einer Viertelstunde. „Der Arbeitsschritt lohnt sich, weil wir eine astfreie Stammwalze erziehen“, motiviert Nolte.

In einem zweiten, separaten Arbeitsschritt entfernt Martin Nolte die Z-Baum-Bedränger – durchschnittlich zwei bis vier Bäume je Z-Baum. Während für die Suche der Z-Bäume viel Fachkenntnis nötig ist, können diesen Arbeitsschritt ungeübte Waldbesitzer selbst erledigen – sofern sie sicher im Umgang mit der Motorsäge sind.

In unserem Beispielbestand fällt Nolte die Bedränger mit einer Akku-Motorsäge. Das erzeugt weniger Lärm und schädliche Abgase. Weil er nur wenige Schnitte vornimmt und nicht dauerhaft sägt, genügt eine Akkuladung etwa für eine Arbeitsstunde. Grundsätzlich ist für diese Tätigkeit jede leichte Motorsäge geeignet.

Schnitt in ein Meter Höhe

Entscheidend ist bei diesem Verfahren die richtige Schnitttechnik. Nolte entfernt die Bäume nicht bodennah, sondern in etwa 1 m Höhe. Das ist ergonomischer und bietet den Vorteil, die Bäume kraftsparender zu Fall bringen zu können. Denn in dichten Beständen greifen die Kronen ineinander. Durch den erhöhten Schnitt sackt der Baum aus den Nachbarkronen und befreit sich sozusagen selbst. Hierzu stockt Nolte die Bedränger mit einem Schrägschnitt ab.

15 bis 20 Stunden pro Hektar

Bei etwas stärkeren Bäumen nutzt er den sogenannten Einknickschnitt. Hierbei wird der Bedränger in zwei verschiedenen ­Höhen auf gegenüberliegenden Stammseiten soweit eingeschnitten, bis nur noch wenige Zentimeter des Stammdurchmessers übrig sind. Dadurch entstehen zwei Scharniere. „Der Zeitbedarf für die Gesamtmaßnahme beträgt 15 bis 20 Stunden je Hektar“, sagt Nolte. Im Unternehmereinsatz würden sich die Kosten auf 600 bis 800 €/ha beziffern.

Üblicherweise findet die Jungbestandspflege in den Sommermonaten statt. Neben praktischen Fertigkeiten ist für sie vor allem waldbauliches Wissen nötig. Hierzu zählt neben der Baumartenkenntnis auch Sachverstand über die ­unterschiedlichen Wuchs- und Lichtbedürfnisse. Denn die Konkurrenzsituation sollte richtig beurteilt werden. Kevin Schlotmann

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Geld für Pflege

So fördern die Länder die Jungbestandspflege

Baden-Württemberg fördert die Jungbestandspflege bei Nadelbäumen bis zu einer Oberhöhe von 10 m, bei Laubbäumen bis zu einer Oberhöhe von 13 m. Förderfähig sind die Standraum- und die Mischwuchsregulierung sowie die Anlage von Pflegepfaden. Die Kostenpauschalen liegen bei 250 € je ha bei unter 40 % Laubholzanteil. Bei höherem Anteil sind es 400 € je ha. Je Fläche sind zwei Pflegedurchgänge zuwendungsfähig.

Bayern bezuschusst in Beständen mit maximal 15 m Höhe die Entnahme von Bedrängern zugunsten von klimastabilen Baumarten sowie das Anlegen von Pflegepfaden. Die Förderung beträgt 500 € je ha, bei mehreren Baumarten und unterschiedlichen Wuchshöhen 700 €/ha. Zusätzlich gibt es 100 €/ha für das Auszeichnen der Bäume durch eine forstlich ausgebildete Person und 300 € je ha für das Anlegen von Pflegepfaden für die Bestandserschließung.

Jungwuchs oder Jungbestand

Aus waldbaulicher Sicht unter­scheiden sich Jungwuchs und ­Jungbestand vor allem durch seine ­Bestandeshöhe. Als Jungwuchs ­bezeichnen Förster einen natürlichen oder gepflanzten jungen Bestand bis zum Bestandesschluss – etwa in 2 m Höhe. Ein Jungbestand ist für ­Förster eine Dickung bis zum ­Stangenholzalter über 2 m Höhe bis zu einem Brusthöhendurchmesser von 15 bis 20 cm.

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