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Waldzustandserhebung 2021: Klimawandel im Wald angekommen

Klimawandel, Trockenheit, Borkenkäfer: Dem deutschen Wald geht es nach wie vor nicht gut und er erholt sich nur langsam – die Waldzustandserhebung 2021 im Detail.

Lesezeit: 5 Minuten

Wie geht es dem deutschen Wald? Seit den 1980er Jahren gibt die Waldzustandserhebung der Bundesregierung Antworten auf die Frage, wie es dem deutschen Wald geht. Hauptindikator für die Bewertung ist dabei der sogenannte Belaubungszustand: Die Kronenverlichtung – das ist die Abweichung der begutachteten Bäume von einem voll benadelten bzw. voll belaubten gesunden Baum – schätzen die Inventurteams der Bundesländer in 5-%-Stufen. Die Ergebnisse werden für die Bewertung zusammengefasst in „ohne“, schwache und deutliche Kronenverlichtungen. Ab 25 % spricht man von deutlicher Kronenverlichtung.

Nach Angaben des bei der Waldzustandserhebung federführenden Thünen-Instituts haben die drei Rekordtrocken- und Hitzejahre 2018-2020 gezeigt, dass der Klimawandel endgültig und für alle sichtbar im deutschen Wald angekommen ist. Dies habe im Jahr 2020 auch zu bisherigen Höchstständen bei der Kronenverlichtung und Baummortalität geführt.

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35 % der Bäume mit deutlichen Kronenverlichtungen

Für das Jahr 2021 ist der Anteil der Bäume mit deutlichen Kronenverlichtungen gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen, aber immer noch hoch: 35 % zeigten deutliche Verlichtungen (2020: 37 %). Auch die über 60 Jahre alten Bäume, bei denen Schäden besonders deutlich werden, weisen eine leichte Verbesserung auf: 42 % haben deutliche Verlichtungen gegenüber 45 % im Jahr 2020. Auch die mittlere Kronenverlichtung aller Bäume hatte 2019 nach dem ersten Trockenjahr einen deutlichen Sprung auf 25,1 % gemacht (nach 22,0 % in 2018) und verbleibt auch 2021 mit 25,7 % auf gleichem Niveau.

Laub- und Nadelbäume unterschiedlich betroffen

Bei den Laubbäumen nimmt die mittlere Kronenverlichtung laut Thünen-Institut bereits seit Jahren zu. Dies war in früheren Jahren vor allem auf den Zustand der Eiche zurückzuführen. Seit 2019 ist aber auch die Buche stark betroffen. Nach dem Rekordjahr 2020 nahm die mittlere Kronenverlichtung 2021 wieder ab (45 % nach 55 % in 2020). Allerdings kam es 2021 nur geringfügig zu Fruchtbildung. Normalerweise führt eine geringe Fruchtbildung zu einer deutlichen Verbesserung des Kronenzustands. Dies war 2021 nicht der Fall. Vermutlich benötigt die Buche länger zur Erholung nach den Hitze- und Trockenjahren.

Auch die Nadelbäume zeigen, anders als bisher, seit 2018 einen deutlichen Anstieg der mittleren Kronenverlichtung. Insbesondere die Fichte erreichte 2021 ein Maximum von 29,8 % und somit den höchsten Wert seit Beginn des Monitorings 1984. Aber auch die Kiefer legte deutlich zu und erreichte mit 22,9 % einen unrühmlichen Rekordwert.

Neben der Kronenverlichtung ist auch die Mortalitätsrate weiterhin hoch. Insgesamt ist sie nach dem Rekordwert von 1,7 % im Jahr 2020 zwar wieder auf 1,2 % gesunken, stieg aber für Buche und Eiche weiter an.

Fichten reagieren deutlich auf den durch die drei Trockenjahre 2018-2020 hervorgerufenen Wassermangel im Boden. Im Jahr 2019 sind erstmals flächenhaft Bestände abgestorben. Der Borkenkäfer hat die vorgeschädigten Fichtenbestände besonders stark befallen. Aber auch die Buche, die bisher weniger auffällig war, ist von Hitze- und Trockenstress gezeichnet. Bei der Eiche nimmt der Schädlingsbefall wieder zu. Sogar die Kiefer weist seit 2019 einen zunehmend höheren Anteil an Schäden auf.

Thünen-Institut: Mehr Klimaschutz und weniger Stickstoffeinträge nötig

Einfache technische Lösungen zur Verbesserung des Waldzustands, wie sie in den 1980iger Jahren etwa durch Luftfiltertechnik und Waldkalkung praktiziert wurden, werden dem Thünen-Institut zufolge nicht möglich sein. Klimaschutz und die Minderung von Stickstoffeinträgen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft seien ebenso notwendig wie Waldanpassung durch Umgestaltung.

„Trotz günstiger Witterung in 2021 ist die Entwicklung des Waldzustands im Jahr 2022 ungewiss“, erklärte Dr. Nicole Wellbrock, Koordinatorin der Waldzustandserhebung am Thünen-Institut für Waldökosysteme. „Der Bodenwasserspeicher hat sich auch 2021 in einigen Regionen Deutschlands nicht vollständig aufgefüllt.“ Insbesondere durch weitere Schadholzmengen infolge der Winterstürme im Februar 2022 sei zu vermuten, dass keine Verbesserung beim Schaderregerbefall, besonders durch Borkenkäfer, zu erwarten ist. Durch die großen Schadflächen werden die Ökosystemfunktionen des Waldes nachhaltig gemindert.

Özdemir: Waldumbau braucht vollen Einsatz aller Verantwortlichen

„Der Wald vergisst nicht so einfach und schon gar nicht schnell. Die Schäden durch Dürre und Borkenkäfer werden noch lange spürbar und sichtbar sein. An den Waldschäden wird uns vor Augen geführt, was die Klimakrise für uns bedeutet“, kommentiert der zuständige Bundeslandwirtschaftsminister, Cem Özdemir, die Waldzustandserhebung. Das Hauptaugenmerk seiner Waldpolitik werde auf dem standortgerechten Umbau zu artenreichen und klimaresilienten Mischwäldern mit überwiegend heimischen Baumarten liegen. Für diese Generationenaufgabe des Waldumbaus brauche es den vollen Einsatz aller, die für den Wald Verantwortung tragen.

Waldbesitzer fordern erneut Honorierung der Wald-Ökosystemleistungen

„Wir können in keinem Fall Entwarnung geben, unsere Wälder sind nach wie vor in einer Krise“, sagte Dr. Irene Seling, Hauptgeschäftsführerin der AGDW – Die Waldeigentümer. „Angesichts des Klimawandels haben die Waldbesitzenden einen Mammutaufgabe vor sich“, so Seling. Viele Waldbesitzende seien mit der Aufarbeitung von Schadholz und mit der Wiederbewaldung der zerstörten und beschädigten Waldflächen beschäftigt.

In diesem Zusammenhang fordert der Verband erneut eine Honorierung der Ökosystemleistungen des Waldes. Schließlich sei der Wald Teil der Lösung etwa beim Klimaschutz: Rund 127 Millionen Tonnen CO2 speichere der Wald pro Jahr, das seien etwa 14 % des CO2-Ausstoßes der deutschen Volkswirtschaft. Diese Leistung müsse honoriert werden, damit die Wälder dauerhaft stabilisiert und mit standortgerechten Baumarten an den Klimawandel angepasst werden können. „Es handelt sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, unsere Wälder zu klimaresilienten Mischwäldern umzubauen“, so Seling. „Dazu bedarf es einer verlässlichen und kontinuierlichen Finanzierung für die vielen engagierten Waldbesitzenden.“

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