Einloggen / Registrieren

Startseite

Schlagzeilen
Newsletter
Messen & Termine
Themen
Wir für Euch
Heftarchiv
Sonstiges

Ernte 2024 Vereinfachungen für 2025 Pauschalierung

topplus Wiederbewaldung

Wenn der Harvester sät statt erntet

Im Nordbayerischen Frankenwald sind durch den Borkenkäferfraß große Schadflächen entstanden. Bei der Wiederbewaldung erproben die Forstexperten ein neues Verfahren – die Saat mit dem Harvester.

Lesezeit: 5 Minuten

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im "Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben".

Vergraste Schadflächen bieten Mäusen ausreichenden Schutz für deren Vermehrung und Fraß. Sämlinge und gesetzte Pflanzen sind folglich oftmals chancenlos. Wie aber die großflächigen Borkenkäferschadflächen erfolgreich wieder zu Wald aufforsten? Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft hat sich etwas einfallen lassen und erprobt zusammen mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) vor Ort einen hochmechanisierten Ansatz der Freisaat. Das Ziel: Die natürlichen Entwicklungen zeitlich beschleunigt nachahmen.

Rasch zurück zum Wald

Das Wichtigste aus Agrarwirtschaft und -politik montags und donnerstags per Mail!

Mit Eintragung zum Newsletter stimme ich der Nutzung meiner E-Mail-Adresse im Rahmen des gewählten Newsletters und zugehörigen Angeboten gemäß der AGBs und den Datenschutzhinweisen zu.

Große Schadflächen schnell wiederbewalden – vor dieser Herausforderung stehen etliche Forstbetriebe im ganzen Bundesgebiet. Im Frankenwald im Norden Bayerns verfolgen die Förster ebenfalls dieses Ziel. Die Krux dabei: Neben der naturräumlichen Ungunst wie dem rauen Frankenwaldklima kombiniert mit steilen und exponierten Lagen, meist nährstoffarmen, flachgründigen Böden sowie artenarmer Altbestockung, erschwert besonders die rasch einsetzende Vergrasung die Wiederbewaldungsbemühungen erheblich.

Vor diesem Hintergrund hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) zusammen mit den Ämtern für ­Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg-Kulmbach sowie in Bayreuth-Münchberg einen neuartigen, hochmechanisierten Ansatz zur Begründung von Mischbeständen mithilfe üblicher Holzerntetechnik und neuentwickelter Bodenbearbeitungs- und Saattechnik großflächig im Gelände erprobt. Die Bayern nennen das Projekt kurz „BiMiSa“. Das steht für „Birkenmischsaaten mit hochmechanisierter Forsttechnik“.

Verfahren wiederentdeckt

Die Wiederbewaldung unter den erschwerten Ausgangsbedingungen erfordert die Renaissance zuletzt weniger gebräuchlicher Waldbauverfahren. In Anlehnung an natürliche Entwicklungen sollen auf den Schadflächen im Frankenwald durch Saat begründete Vorwälder mit Birken eine rasche Etablierung neuer Wälder ermöglichen. Gleichzeitig werden weitere Baumarten wie Weißtanne, Douglasie, Europäische Lärche und Winterlinde mit ausgesät. Sie sollen unter dem schützenden Birkenschirm aufwachsen und ergänzt durch Naturverjüngung vor allem aus Fichte sowie Kiefern, Vogelbeeren und vereinzelt Eichen bereits frühzeitig leistungsfähige, widerstandsfähige und robuste Mischbestände begründen.

Entgegen bisheriger Versuche mit Handsaaten oder Drohnensaaten hat die LWF im Rahmen des Projektes BiMiSa ein vor wenigen Jahren entwickeltes Anbaugerät für Harvester zum Einsatz gebracht. Es besteht aus einem Scheibenräumgerät sowie einer Aussaatvorrichtung für Samenmaterial zweier Größenklassen. Der Zweck: Einerseits eine große Flächenleistung erzielen und andererseits die Samen durch gezielte Öffnung der obersten Mineralbodenschichten effektiv und aussichtsreich ausbringen.

Die Planungsarbeiten für das Projekt BiMiSa begannen im Oktober 2022. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, die auch Empfehlungen für die Forstpraxis ermöglichen, wurde das Projekt großflächig auf 20 ha vollgeräumter Schadflächen angelegt. Es handelt sich ausschließlich um Privatwald. Das Birkensaatgut wurde über das Bayerische Amt für Waldgenetik, Tanne und Lärche über den Pflanzengartenstützpunkt Bindlach der Bayerischen Staatsforsten sowie Douglasie und Winterlinde von einem Saatguthändler zur Verfügung gestellt. Die Aussaat erfolgte mit witterungsbedingten Unterbrechungen zwischen März und Mai 2023 durch einen entsprechend spezialisierten Unternehmer.

Säen mit langem Arm

Ein wichtiges Ziel der Saatversuche war es, eine flächige Befahrung des Waldbodens zu vermeiden. Dafür wurden vor Aussaat auf den Kahlflächen Fahrtrassen mit einem Abstand von 25 m eingemessen und markiert. Über den 14 m langen Greifarm des Harvesters wurden die Zwischenfelder maschinell besät.

Die Kosten des Saatgutes bzw. der Saat übernahm die Bayerische Forstverwaltung. Die Waldbesitzer tragen die Kosten der Zäunung und sind zur Pflege verpflichtet.

Um die Wahrscheinlichkeit für die Begründung von Mischbeständen unter einem entsprechenden Vorwaldschirm möglichst hoch zu halten, wurden für das Projekt vergleichsweise hohe Saatgutmengen angewendet, beispielsweise Weißtanne 5,5 kg/ha und Lärche 0,2 kg/ha. Die Saatgutkosten betragen in Summe 2500 €/ha.

Auf den Saatflächen wurde aus Praktikabilitätsgründen jeweils dieselbe Mischung der fünf Baumarten gesät. Lediglich beim Birkensaatgut wurde zwischen unbehandeltem und pilliertem Saatgut ­variiert. Pro Hektar Saatfläche wurden etwa 1800 m Saatrinnen angelegt.

Erfolgreich, oder?

Bereits Anfang Mai 2023 keimten zahlreiche gesäte Tannen, gefolgt von Douglasien und einigen Lärchen. Erste Birken kamen im Sommer dazu. Die Linde keimte in diesem Frühjahr. Die mehrfache Auszählung der Saatrinnen zeigte im Sommer 2023 etwa zehn Keimlinge pro Meter. Dies entspricht mit rechnerisch 18  000 Stck./ha gut dem Zehnfachen einer Pflanzkultur und liegt weit über den Zahlen in erwarteten Altbeständen.

Im Sinne des Zieles der Begründung von strukturierten Mischbeständen ist die teilweise geclusterte Verteilung der Sämlinge in den Saatrinnen nach derzeitiger Einschätzung als positiv zu sehen. Den damit verbundenen zu erwartenden Pflegeaufwand wird die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in den Folgejahren untersuchen und entsprechende Empfehlungen für die Forstpraxis aussprechen.

Die Saat mit der integrierten Bodenbearbeitung durch den Harvester, inkl. abschließender Flächenräumung von störendem Astmaterial, haben im Projekt knapp 5000 €/ha gekostet. Das angewendete Saatgut zur Begründung von Mischbeständen hat rund 2500 €/ha verursacht. Für die notwendige Zäunung zahlten die Waldbesitzer 12 €/m rotwildsicheren Zaun.

Wichtig für eine marktgebundene Reduzierung der Saat- und Bodenbearbeitungskosten pro Hektar ist die Bereitstellung größerer, möglichst zusammenhängender Waldflächen. Sie ermöglichen einen ­flächeneffizienten Einsatz ohne mehrfache Umsetzvorgänge der Maschine. Weiterhin kann mitunter eine Reduktion der Saatgutmenge und eine rechtzeitige Versorgung mit einer höheren Saat­gutmenge zur Senkung der Gesamtkosten beitragen. Bei an­gepassten Wildbeständen kann ­außerdem auf einen Zaunschutz verzichtet werden. 

Wichtig ist eine Bewertung des zu erwartenden Pflegeaufwands sowie eine Verfahrensoptimierung der Pflege der Saatflächen in den ersten Jahren nach der Aussaat.

Mehr zu dem Thema

top + Ernte 2024: Alle aktuellen Infos und Praxistipps

Wetter, Technik, Getreidemärkte - Das müssen Sie jetzt wissen

Wie zufrieden sind Sie mit topagrar.com?

Was können wir noch verbessern?

Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Vielen Dank für Ihr Feedback!

Wir arbeiten stetig daran, Ihre Erfahrung mit topagrar.com zu verbessern. Dazu ist Ihre Meinung für uns unverzichtbar.