Kommentar

Voll im Erntestress? - Geben Sie auf sich acht!

20-Stunden-Tage in der Ernte? "Das macht mir nichts aus", ist mancher Landwirt überzeugt. Wenn er sich da mal nicht täuscht... Hilfreich ist es, ein paar Grundregeln zu kennen - und zu leben.

Ein Kommentar von Ursula Wulfekotte, Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Stress ist eigentlich etwas Gutes. Er treibt die Menschen an und sorgt dafür, dass sie sich weiterentwickeln. Höchstleistungen im Sport wären ohne Stress undenkbar. Problematisch wird es, wenn der Stress nicht aufhört. Kein Sportler kann jeden Tag einen Marathon laufen.

Erntezeit ist ein Marathon

Mit einem Marathon lässt sich auch die Erntezeit vergleichen. Innerhalb einer relativ kurzen Zeit sind Landwirt, Lohnunternehmer und alle Beteiligten in besonderer Weise gefordert. 20-Stunden-Tage sind dann keine Seltenheit. Viele Landwirte sind davon überzeugt, dass ihnen solche langen Arbeitstage nichts ausmachen. Gegen die Müdigkeit hilft notfalls Kaffee oder ein Energie-Drink. Hauptsache, die Ernte wird rechtzeitig eingefahren...!

Diese Einstellung ist verständlich, schließlich geht es um viel. Hohe Pachtpreise verlangen gute Erträge auf der Fläche. Das setzt den Landwirt auch wirtschaftlich unter Druck. Hinzu kommt Zeitdruck, wenn der Lohnunternehmer nicht zur gewünschten Zeit kommt, der Mähdrescher nach zwei Runden defekt ist oder sich ein Gewitter zusammenbraut.

Keine Hektik!

Trotz alledem sollten Landwirte versuchen, besonnen zu handeln und nicht in Hektik zu verfallen. Niemand kann 20 Stunden durchgehend konzentriert bei der Arbeit sein. Fehler passieren, wenn die Konzentration nachlässt. Im schlimmsten Fall kommt es dann zu Unfällen. Weniger dramatisch, aber extrem ärgerlich ist es, wenn eine Maschine im Stress falsch bedient wird und deshalb kaputt geht. Fällt der Häcksler aus, steht der gesamte Betrieb.

Gut planen

Um zumindest den absehbaren Stress zu mildern, ist eine gute Planung wichtig. Landwirte sollten frühzeitig sicherstellen, dass zur Ernte genügend Helfer und Maschinen zur Verfügung stehen. Sinnvoll ist ein Notfallplan für den Fall, dass zum Beispiel eine Maschine ausfällt. Gleichzeitig muss die Arbeit auf dem Hof weiterlaufen. Sich selbst sollte der Landwirt möglichst nicht einplanen. Er hat genug damit zu tun, die Abläufe zu koordinieren und als Springer auszuhelfen.

Pausen machen

Ebenso wichtig wie eine gute Organisation sind Pausen zwischendurch. Kleine Arbeitsunterbrechungen helfen, die Konzentration aufrechtzuerhalten, Fehler zu vermeiden und lange arbeitsfähig zu bleiben. Hören Sie auf Ihren Körper, er signalisiert Ihnen, wann es Zeit für eine Pause ist. Oft reichen schon fünf Minuten, um die steifen Glieder zu recken und den Kopf frei zu bekommen. Dazu sollten Sie auch die Mitarbeiter und Helfer motivieren.

Irgendwann muss aber Feierabend sein. Der Körper braucht Schlaf, und wenn es nur ein paar Stunden sind. Nehmen Sie sich vorher ein wenig Zeit, um auf den Tag zurückzublicken, und freuen sie sich, was Sie alles geschafft haben. Mit diesem guten Gefühl schläft es sich viel besser.


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