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Bentkämper fordert Frauenquote für Gremien des Bauernverbandes

LandFrauen-Präsidentin Petra Bentkämper bekräftigt die Forderung nach einer Frauenquote in Bauernverbandsgremien. Der neue Unternehmerinnenausschuss müsse voll eingebunden werden.

Keinen Anlass zur Euphorie sieht die Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv), Petra Bentkämper, bei der aus ihrer Sicht dringend notwendigen Einbindung von Frauen in die landwirtschaftliche Interessenvertretung. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, sagt Bentkämper im Interview mit AGRA-EUROPE. Sie warnt davor, „jetzt die Hände in den Schoß zu legen und zu meinen, der Bauernverband ist in puncto Frauenbeteiligung schon da, wo er sein sollte.“ Nach der Entscheidung, eine Vizepräsidentin im Deutschen Bauernverband (DBV) zu berufen, komme es nun darauf an, den neuen Unternehmerinnenausschuss einzubinden. Dessen Mitglieder seien hochqualifizierte Unternehmerinnen. Das bedeute, „dass die gesamte Bandbreite der agrarpolitischen Themen auf den Tisch des Unternehmerinnenausschusses gehört.“ Die dlv-Präsidentin hält an ihrer Forderung fest, in Bauernverbandsgremien 30 % mit Frauen zu besetzen. Gleichzeitig bekräftigt sie den Anspruch des LandFrauenverbandes, „weiter stimmgewaltig für die Belange der Landwirtinnen unter unseren Mitgliedern einzutreten.“ Bentkämper betont zugleich ihre Kooperationsbereitschaft: „Vielleicht ergeben sich in Zukunft Vernetzungsmöglichkeiten mit dem Unternehmerinnenausschuss des DBV.“

Unvermindert aktuell ist nach Auffassung von Bentkämper der Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL). Die dort beschriebenen Krisen hätten weiter Bestand, auch wenn mit dem Ukraine-Krieg inzwischen Fragen der Nahrungsmittelversorgung und Ernährungssicherung stärker in den Mittelpunkt rückten. Enttäuscht ist die LandFrauen-Präsidentin, dass sich der Bericht bislang nicht in konkreter Politik niederschlage: „Hier muss unbedingt mehr Dampf gegeben werden.“ Eine wichtige Aufgabe für Landfrauen in der gegenwärtigen Krise sieht Bentkämper darin, Verbraucher über die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft aufzuklären: Sie müssten erkennen, „was für Konsequenzen es hat, wenn die Erzeugung hier den Bach runtergeht.“ Mehr denn je müsse eine möglichst hohe heimische Lebensmittelversorgung das Ziel sein. „Lebensmittel brauchen einen angemessenen Preis, wenn sie Standards erfüllen sollen, die alle zu Recht haben“, so die dlv-Präsidentin.

Interview-Navigator:

Frau Bentkämper, „Das Wir im Blick” lautete das Motto des diesjährigen LandFrauentages. Muss man sich Sorgen machen um den Zusammenhalt im dlv?

Bentkämper: Für uns war klar, dass wir sowohl unsere Mitglieder als auch unsere Ehrenamtlichen nach Corona wieder aktivieren und motivieren wollen. Vom LandFrauentag sollte das Signal ausgehen, dass wir die Mitglieder sehen und hören und dass wir sie schätzen. Dazu passt auch die Auszeichnung der Landfrauen des Jahres. Ich denke, die Botschaft ist angekommen.

Also war der LandFrauentag in erster Linie nach innen, in die eigenen Reihen gerichtet?

Bentkämper: Ja, aber nicht nur. Angesprochen war auch unsere Gesellschaft, die wir in diesen Krisenzeiten besonders im Blick haben. Landfrauen sind engagiert, sei es die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr oder gegenwärtig die Fürsorge für Geflüchtete aus der Ukraine. Im Blick haben wir auch unser Schwerpunktthema Demokratie stärken – Demokratie fördern. Ein Thema, das uns seit langem umtreibt, ist die Gleichstellung von Frauen, nicht zuletzt in der Landwirtschaft. Alle drei Unternehmerinnen des Jahres, die wir in Fulda ausgezeichnet haben, kommen aus der Landwirtschaft. Auch das ist eine Botschaft, die vom LandFrauentag ausgegangen ist. Die Zustimmung der 3000 Landfrauen in der Halle zeigt, dass wir richtig lagen.

3000 Teilnehmerinnen am Landfrauentag, und die Bundesfrauenministerin schickt eine Videobotschaft. Waren Sie enttäuscht?

Bentkämper: Nein. Frau Paus hatte zugesagt, konnte aber wegen einer Sitzung ihrer Fraktion nicht kommen. Eine Liveschaltung ließ sich zeitlich nicht machen. Schade. Aber ihre Aussagen per Video waren sehr wertschätzend. Das haben wir gern gehört.

Wer Forderungen durchsetzen will, braucht politische Mehrheiten. Wie steht es um das Engagement von Frauen auf dem Land, speziell in der Kommunalpolitik?

Bentkämper: Leider haben wir an der Stelle immer noch viel zu wenige Frauen. Mit unserem neuen Projekt „Aktionsprogramm Kommune – mehr Frauen in die Politik“ werden wir in zehn ausgewählten Regionen Frauen gezielt dabei unterstützen, sich kommunalpolitisch einzubringen und Anliegen von Frauen offensiv zu vertreten. Es geht auch darum zu erkennen, dass Frauen besonders Frauen unterstützen müssen, wenn sie gemeinsam etwas erreichen wollen. Daran gilt es noch zu arbeiten.

Diskutieren Sie darüber, bei Kommunalwahlen mit Frauenlisten anzutreten?

Bentkämper: Auch das ist ein Punkt, mit dem wir uns ernsthaft befassen.

Von der kommunalen zur Bundesebene: Wird der Deutsche LandFrauenverband als politischer Faktor in Berlin wahrgenommen?

Bentkämper: Ja, und das sage ich mit einem gewissen Stolz.

Woran machen Sie das fest?

Bentkämper: Das reicht von der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL), an der wir beteiligt waren, über die Bundesstiftung für Engagement und Ehrenamt, bei der wir einen Sitz im Stiftungsrat haben, bis zum Beirat der Bundesstiftung für Gleichstellung, in dem der dlv gesetzt ist. Erst in der vorletzten Woche habe ich meine Berufung in den Sachverständigenrat Ländliche Entwicklung des Bundeslandwirtschaftsministeriums erhalten.

Die ländliche Entwicklung ist traditionell ein Schwerpunktthema des LandFrauenverbandes. Finden Sie das Thema in der neuen Bundesregierung angemessen berücksichtigt?

Bentkämper: Ich werte die Wiedereinsetzung des Sachverständigenrats als Zeichen, dass auch der neuen Bundesregierung der Stellenwert der ländlichen Räume bewusst ist. Ich erwarte aber, dass man sehr genau hinschaut und nicht pauschalisiert, wie es Politik gern tut. Wer immer von abgehängten Regionen spricht, wird der Realität ebenso wenig gerecht wie jemand, der sagt, es ist alles in Ordnung.

Wer ist für Sie innerhalb der Bundesregierung der Ansprechpartner in der ländlichen Entwicklung?

Bentkämper: In der Hauptsache das Bundeslandwirtschaftsministerium. Wir reden aber auch mit dem Gesundheitsministerium, wenn es um die Gesundheitsvorsorge im ländlichen Raum geht, oder mit dem Wirtschaftsministerium in Fragen, die die Energiepolitik betreffen. Unser Ende letzten Jahres abgeschlossenes Projekt „LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf‘s Land gebracht“ wurde gefördert...

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