Europaparlament verlangt Verzicht auf vorbeugenden Antibiotikaeinsatz

Das Europaparlament will den vorbeugenden Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung verbieten. Aufgrund der Gesundheitsgefahren durch die Entwicklung resistenter Bakterienstämme fordern die Abgeordneten die stufenweise Einstellung der prophylaktischen Anwendung an Nutztieren.

Das Europaparlament will den vorbeugenden Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung verbieten. Aufgrund der Gesundheitsgefahren durch die Entwicklung resistenter Bakterienstämme fordern die Abgeordneten die stufenweise Einstellung der prophylaktischen Anwendung an Nutztieren. Krankheiten sollten stattdessen durch eine gute Hygiene, die Unterbringung und die Haltungspraxis sowie strenge Biosicherheitsvorkehrungen vermieden werden - insbesondere bei der Zusammenführung von Jungtieren.

Verlangt wird ferner eine möglichst weitgehende Trennung der bei human- und tiermedizinischen Arzneimitteln eingesetzten Wirkstoffe und Wirkungsweisen, um die Gefahr des Übergangs antibiotikaresistenter Bakterien vom Tier auf den Menschen zu verringern.

In der Landwirtschaft dürften Antibiotika, die bei problematischen, auch den Menschen befallenden Krankheitserregern als „letztes Mittel“ gelten, nur unter klar definierten Bedingungen erfolgen. Gleichzeitig müsse die Entstehung von Resistenzen überwacht werde - vorzugsweise in jedem einzelnen Fall. Insgesamt soll der Einsatz von Antibiotika sowohl bei Tieren als auch beim Menschen auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Die EU-Bauernverbände COPA/COGECA erklärten, man trete für eine verantwortungsbewusste Verwendung antimikrobieller Medikamente auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ein.

Stimmen aus dem Parlament

Bei den Agrarpolitikern des Parlaments traf die Entschließung auf unterschiedlichen Widerhall. Die CDU-Abgeordnete Elisabeth Jeggle betonte, man müsse auch an die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere denken. Sie plädierte ausdrücklich dafür, Antibiotika auch vorbeugend einsetzen zu können, beispielsweise zur Vermeidung von Euterentzündungen. Ihre Parteikollegin Christa Klaß warnte vor einer pauschalen Verurteilung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung.


Die FDP-Agrarexpertin Britta Reimers verlangte eine verantwortungsvolle Verwendung von Antibiotika sowohl in der Tier- als auch in der Humanmedizin. Wenn eine Behandlung aus gesetzlichen Gründen nicht erfolgen könne, müsse das Tier im schlimmsten Fall leiden oder getötet werden.

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Martin Häusling, bezeichnete ein Verbot für den vorbeugenden Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung als sehr positiv für die öffentliche Gesundheit in Europa. Wie Reimers steht er auf dem Standpunkt, dass antimikrobielle Wirkstoffe bei Tieren und Menschen nur im Fall von akuten Erkrankungen angewendet werden sollten. (AgE)

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