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Grethe: Runter mit dem Fleischkonsum und raus aus den Biokraftstoffen

Der Agrarökonom geht davon aus, dass die globale Versorgungslage mit landwirtschaftlichen Produkten knapp bleibt. Dies erfordere eine Änderung beim Konsum, ob bei Lebensmitteln oder Biokraftstoffen.

Lesezeit: 4 Minuten

Ob Energiepreisexplosion, Düngermangel oder Klimawandel: Die Landwirtschaft muss sich gleichzeitig mit einer Vielzahl akuter Krisen auseinandersetzen, soll nach Auffassung von Politik, Gesellschaft und NGOs aber auch Klima- und Artenschutz oder Ernährungssicherheit adressieren. Das führt automatisch zu Zielkonflikten, die sich nicht einfach so auflösen lassen, so eine Momentaufnahme bei einer Euractiv-Veranstaltung zur Ernährungssicherung mit einer „Landwirtschaft in der Multi-Krise“ heute in Berlin.

Globales Verteilungsproblem

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Der Berliner Agrarökonom Prof. Harald Grethe macht hier drei große Baustellen aus. Nach seiner Auffassung gibt es global eigentlich genug Lebensmittel, auch für eine wachsende Weltbevölkerung. Vor allem bestehe hier ein Verteilungsproblem, was international mehr solidarisches Handeln erfordere. Auf europäischer Ebene fehlt es Grethe zufolge zudem an einen konsistenten Politik, die die vielen landwirtschaftlichen Aufgaben von der Nahrungsmittelerzeugung bis zum Natur- und Artenschutz unter einen Hut bringt. Die althergebrachte „pauschale Flächen- und Subventionspolitik“ sei hier jedenfalls nicht mehr der richtige Weg.

Wenig Verständnis hat der Agrarökonom auch für das Festhalten von Politik und Gesellschaft an anderen alten Gewohnheiten. Er gibt zu bedenken, dass die weltweite Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten knapp bleiben werde. Deshalb sei es wichtig, auf den Konsum zu schauen. Vor diesem Hintergrund müsse der Verzehr tierischer Proteine wegen des höheren Flächenverbrauchs dieser Produkte deutlich runter, forderte Grethe. Einen regelrechten Totalausstieg will er zudem bei Biokraftstoffen, denn deren Erzeugung und Verbrennung sei „ein großer Unsinn, schon vor 15 Jahren“.

Spallek: Chemischer Pflanzenschutz „Gift“ für die Artenvielfalt

Die Grünen-Bundestagspolitikerin Dr. Anne-Monika Spallek geht sogar noch weiter. Sie verlangt von allen Menschen, sich so zu ernähren, dass die planetaren Grenzen bei den natürlichen Ressourcen nicht überschritten werden. Derzeit gehe die europäische Ernährungssicherheit allerdings auf Kosten anderer Staaten, denen die EU über Agrarimporte quasi Flächen wegnehme, konstatierte Spallek. Sie wünscht sich in dieser Hinsicht international mehr „Ernährungsgerechtigkeit“, da dies automatisch überall zu mehr Ernährungssicherheit führe.

Die Grünen-Politikerin verteidigte zudem den europäischen Green Deal und die Farm-to-Fork-Strategie sowie die damit verbundenen Reduktionsziele für den chemischen Pflanzenschutz. Dessen Wirkstoffen „sind Gift für die Biodiversität“, betonte Spallek. Minimierung sollte daher stets das Ziel sein.

Grethe: Synthetischen Pflanzenschutz nicht verteufeln

Grethe brach hier jedoch eine Lanze für die synthetischen Pflanzenschutzmittel. Auch er hält es für unstrittig, dass deren Einsatz minimiert werden muss. Die Frage sei aber, „wie macht man das“. Der Berliner Agrarwissenschaftler warnt deshalb, den chemischen Pflanzenschutz zu verteufeln. Man müsse es den Landwirten aber ermöglichen, mit weniger klarzukommen und dabei unternehmerisch tragfähige Lösungen zu entwickeln. Pauschale Vorgaben oder gar Verbote seien für die Bauern aber schwer zu verdauen, so Grethe. Er plädiert stattdessen für eine Pflanzenschutzsteuer oder eine Zertifikateregelung. In Naturschutzgebieten müsse auch über Entschädigungen nachgedacht werden.

Bar-Tal: Bäuerlichen Betrieben eine Chance geben

Die Landwirtin und AbL-Vertreterin Julia Bar-Tal ist Ernährungssicherung auch eine soziale und strukturelle Frage. Sie beklagte den ständigen Wachstums- und Intensivierungsdruck in der Landwirtschaft. Dieser zwinge jedes Jahr tausende deutsche Betriebe zur Aufgabe und fördere auf der anderen Seite Konzentrationsprozesse mit entsprechenden Folgen für die Umwelt. Bar Tal sprach sich für eine solidarische Agrarwende aus, die kleineren Betrieben wieder eine Chance gebe. Ein Anfang wäre für sie mit einer Gemeinwohlverpachtung getan, bei der solche Höfe bevorzugt würden.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft hat heute bundesweit mit rund 30 Aktionen und Treckerdemos für eine solche gemeinwohlorientierte Verpachtung öffentlicher Flächen geworben. Der Verband fordert ein transparentes Vergabeverfahren für kommunales Pachtland und kritisiert die bisherige Vergabepraxis nach Höchstgebot und Gewohnheitsrecht. Bei den Kundgebungen überreichten die Landwirte einen Kriterienkatalog, der die Kommunalpolitik bei der zielgerichteten Auswahl von bäuerlichen, zukunftsorientiert wirtschaftenden Pächter unterstützen soll.

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