Grüne Bauern wollen mehr gehört werden

Die Landwirte unter den Grünen sind mit dem Tonfall ihrer Partei gegenüber der Landwirtschaft unzufrieden. Sie wollen weg von den „guten Ratschlägen“ und den „Kampf gegen das Höfesterben“ zum Thema im Parteiprogramm machen.

Die beiden Biobauern Norwich Rüße (MdL NRW) und Friedrich Ostendorff (MdB) wollen den Blick ihrer Partei, Bündnis'90/Die Grünen, auf die Landwirtschaft verändern. (Bildquelle: Grüne)

Die Landwirte unter den Grünen sind mit dem Tonfall ihrer Partei gegenüber der Landwirtschaft unzufrieden. Sie wollen weg von den „guten Ratschlägen“ und den „Kampf gegen das Höfesterben“ zum Thema im Parteiprogramm machen.

Die beiden agrarpolitischen Sprecher der Grünen aus dem Bundestag und dem nordrhein-westfälischen Landtag Friedrich Ostendorff und Norwich Rüße wollen den Blick ihrer Partei auf die Landwirtschaft verändern. „Wenn wir die Existenzbedrohung der bäuerlichen Landwirtschaft selbst zum Thema machen, wenn wir uns den Kampf gegen das Höfesterben als einzige Partei ins Programm schreiben würden, könnte im besten und nachhaltigsten Sinne eine neue Partnerschaft zwischen Bäuerinnen und Bauern und uns Grünen beginnen“, schreiben sie in einem Debattenbeitrag an ihre Partei, der top agrar vorliegt.

Mäßige Zustimmungswerte für Grüne unter Landwirten

Sie schielen damit auch auf mehr Zustimmungswerte von Landwirten bei den anstehenden Wahlen. „Warum haben wir bei den Landwirten immer nur mäßige Zustimmungswerte, obwohl wir bei jeder Regierungsbeteiligung für mehr attraktive Förderprogramme sorgen, als es die CDU jemals tun würde?“, fragen Ostendorff und Rüße, die beide in Nordrhein-Westfalen einen Biobetrieb bewirtschaften, ihre Parteikollegen. Aus ihrer Sicht vernachlässigten die Grünen bisher „die bäuerliche Eigenverantwortung“.

Forderungen haben es bei Existenzbedrohung schwer

Von der Betonung des „Kampfes gegen das Höfesterben“ versprechen sich Ostendorff und Rüße mehr Gehör unter den Landwirten. „Die Not der Bäuerinnen und Bauern besteht nicht im Mangel an guten Ratschlägen“, schreiben sie. Die kleinen und mittleren Betriebe stünden in einer ständigen Existenzbedrohung, aus der heraus jede weitere gesellschaftliche oder politische Anforderung als Bedrohung erscheine, so ihre Argumentation. „Solange diese besteht, werden wir es mit allen anderen Forderungen und Wünschen an die Landwirtschaft – so berechtigt diese auch sein mögen - sehr schwer haben“, appellieren sie weiter.

Klimaschutz, Tierschutz und Artenschutz gehen nicht ohne die Landwirtschaft

Initialzündung für den Aufruf der beiden ist der Dürresommer 2018 und die aufgeheizte Debatte um die politischen Konsequenzen. Der NRW-Agrarsprecher Norwich Rüße hatte bereits Ende August in einem internen Brief seine Parteikollegen davor gewarnt, „die Dürre mit der Agrarwende zu vermischen“. Als Landwirte fühlten sie sich in der internen Debatte der Grünen über den Klimawandel und dessen Folgen für die Landwirtschaft „unwohl“, schreiben sie. „Wir wollen weder Opfer, noch Täter sein. Ebenso wenig wollen wir Manövriermasse politischer Ziele sein“, schreiben sie. Stattdessen hätten sie lieber eine Diskussion darüber, welche Lösungen die Landwirtschaft anbieten könne. „Natürlich gehen Klimaschutz, Tierschutz und Artenschutz nicht ohne die Landwirtschaft“, so Ostendorff und Rüße an ihre Partei.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Jörg Meyer

@Eckehard Niemann

Immer schön unterscheiden zwischen Beanspruchung von Meinungsführerschaft und Meinungsfreiheit als Bauer oder Agrarpolitker mit Nebeneinkünften aus der Landwirtschaft, die niedriger angegeben werden als Zuschüsse für die jeweiligen Betriebe ausgewiesen werden!

von Eckehard Niemann

@ Jörg Meyer

Will Herr Meyer damit allen Bauern, die wegen unverschuldet schlechten Erzeugerpreise keine oder keine ausreichenden Gewinne einfahren können, das Recht zur Meinungsäußerung und zu politischen Aktivitäten absprechen??!! Was für ein bauernfeindlicher Quatsch!!

von Jörg Meyer

Erstmal zeigen was sie als Praktiker können

das sollte die Beiden! Und wenn Ihr Betrieb rund läuft und deutlich mehr Gewinn als zuschüsse abwirft, dann kann man mal schauen was die Beiden besser können.... Hm ob sie das beabsichtigen wage ich zu bezweifeln!

von Thomas Egolf

Die etwas objetivere Betrachtungsweise der politischen Geschenisse!

Empfehlung: "Google - Tichys Einblick"

von Thomas Egolf

Matthias Zahn: "Das es in Zukunft etwas Maßvoller in der Partei zu geht"

Na warten wir`s mal ab, Merkel schick Seehofer in die Wüste, CSU und Grüne regieren zukünftig in Bayern, ja da kommt Freude auf!

von Matthias Zahn

Besserwisserpartei

Die Grünen glänzten in der Vergangenheit immer mit erhobenen Zeigefinger und Besserwisserei! Wobei mir der Hofreiter am meisten auf den Zeiger geht! Der lebt offensichtlich in einem parallel-Universum und hat den Bezug zur Realität vollkommen verloren. Die Grünen werden auch akzeptieren müssen, dass weiten Teilen der Gesellschaft, ihre radikalen Forderungen eher Angst statt Mut machen. Oft zu extrem und selbstüberhöhend. Das sagen sogar andere "Grüne Partein". Die Grünen sind quasi der Bauernverband der "Grünen Gesellschaftsteile". Selbstüberschätzend und unbelehrbar! Dennoch lassen die Aussagen der oben genannten Landwirte etwas Hoffnung aufkommen, das es in Zukunft etwas Maßvoller in der Partei zu geht!

von Eckehard Niemann

Was noch fehlt

Man möchte noch hinzufügen, dass die hauptsächliche „Alternative“ für den Erhalt selbstbestimmter und einkommensträchtiger bäuerlich-mittelständischer Strukturen nicht irgendwelche neuen genossenschaftlich-soldidarischen, direkt-regionalvermarkterischen oder urban-gardening-Formen (so wichtig sie auch sind) sein würden – sondern der weitere rasche Übergang zu agrarindustriellen Konzernen ( a la LPG-Nachfolger-Agrarfabriken und Finanzinvestoren)... Dies gilt für den konventionellen wie auch für den Bio-Bereich. Ein Schlüsselpunkt zur Stabilisierung dieser Bauernhöfe ist die Erzeugerpreis-Politik (vermittels einer Verringerung der Angebotsmenge durch Erzeugergemeinschaften, durch EU- Prämien für die Nichterzeugung von Überschüssen und/oder die Nutzung der mengenreduzierenden Wirkungen von EU-weiten Vorgaben bei Umwelt- und Tierschutz sowie durch echte Struktur- und Fruchtfolgevorgaben für den Erhalt von EU-Direktzahlungen). Bäuerliche Betriebe bzw. Bauernhöfe sind Höfe, die von Bäuerinnen und Bauern bewirtschaftet werden – und nicht auch irgendwelche anderen sozio-ökonomischen Betriebsformen, die sich auf „bäuerliche Werte“ berufen.

von Andreas Demann

Dann ist der (...) Hofreiter schon mal komplett über.

von Heinrich Roettger

MdB Ostendorf hat schon viele Kühe durchs Dorf getrieben

An den Taten könnt Ihr Sie messen! MdB bereits durchgefallen.

von Harald Butenschön

Kreide gefressen....

Für wie blöd die Grünen die Bauern halten zeigt sich wieder einmal in aller Deutlichkeit. Zwar gibt es durch die Bank kaum noch Parteien die man als Landwirt noch mit gutem Gewissen wählen kann, aber die Grünen sitzen hier meiner Ansicht nach am untersten Ende der Nahrungskette. Zu nachhaltig ist meine Erinnerung an die Demütigungen und Verdächtigungen die wir über uns ergehen lassen mussten. Oder mit anderen höchstrichterlich erlaubten Worten:"F.... euch"!

von Gerhard Steffek

Dummheit ist die Schwester der Bosheit -

zum ersteren würde ich Herrn Ostendorff zählen, zu zweitem die Grünen schlechthin. Denn so Menschenverachtend wie diese oft agieren, müssen sie einen gewaltigen Anteil an Bosheit in sich verstecken. Herr Rüße hielt sich ja ansonsten ziemlich bedeckt, aber wer so auf du und du mit den Grünen kungelt muß entweder sein eigenes Ziel verfolgen, oder wirklich nur dumm sein. Da sich beide jetzt aber besorgt über die Ausrichtung ihrer Partei äußern vermute ich, daß sie ein bißchen nachdenklich werden und ihre Felle, ihren Eigennutz, davonschwimmen sehen. Betreiben sie hier nur Pfründesicherung?

von Gerhard Seeger

Herr Ostendorff hat seinen Berufsstand wiederentdeckt,...

... merkt wohl auch dass aus der Biobauern- und Atomkraftgegnerpartei von einst eine stromlinienförmige und abgehobene Lehrer- Beamten- und Besserwisser(verdiener)partei geworden ist. Dazu hat er aber auch selbst tatkräftig beigetragen. Stets hat er der Vorschriftenfraktion zugeredet und sich oftmals ideologieverblendet über Fakten hinweggesetzt. Nun soll letzhin gerichtet werden was er selbst verbogen hat. Das Verhältnis von Grünen und Landwirtschaft soll besser werden. Herr Ostendorff, man kann nicht verbessern was es quasi nicht gibt. Junge Leute fragen sich was sie erwartet in ihrer beruflichen Zukunft als Landwirt. Und wenn man da mal Ihre Vorstellung von Agrarwirtschaft danebenlegt, kann man nur abraten sich hier beruflich zu engagieren. Sie haben soviel Pozellan zerschlagen dass man mit dem flicken nicht mehr nachkommt.

von Wilhelm Gebken

Die Grünen haben in Berlin gerade angekündigt, Mietwohnungseigentümer zu enteignen. Mit Grünen muss ich gar nichts mehr bereden!

Die Bauern wird es ganz genau so treffen, überall dort wo die Grünen zusammen mit der SPD und der Linken eine komfortable Mehrheit haben. Wehret den Anfängen. Die DDR 2.0. ist schon da! Nachzulesen u.a. hier: https://www.bz-berlin.de/kultur/fernsehen/berliner-gruenen-politiker-will-wohnungsbesitzer-enteignen

von Jost Maurin

Bei der taz steht der Volltext des Diskussionspapiers:

http://www.taz.de/Gruene-und-Agrarpolitik/!5535814/

von Hermann Stroemer

Den Herrn Rüße

kann ich nicht so recht einschätzen. Aber der Ostendorff ist in seiner Agitation ebenso neben der Spur, wie zB ein Herr Hofreiter. Der weiß auch, dass zB bei den Sauenhaltern wegen Kastration und Kastenstand der nächste Strukturbruch bevorsteht, der mal wieder die Kleineren als erstes trifft. Laut einem Interview denkt aber auch er nicht an irgendwelche Kompromisse. Da ließe sich eine lange Liste schreiben, wenn man wollte. Kann ich nicht ernst nehmen,den Mann, wenn er was vom Erhält bäuerlicher Landwirtschaft redet!

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