Ratgeber

Hofübergabe mit Herz und Verstand - Tipps vom Rechtsanwalt Plus

Mit der Hofübergabe stellen Sie die Weichen für die Zukunft von Betrieb und Familie. Bereiten Sie sich daher gründlich darauf vor, damit der Übergang gut gelingt.

Rechtsanwalt Hubertus Schmitte vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) in Münster gibt Tipps zur Hofübergabe:

Die Hofübergabe ist eine Herausforderung für die ganze Familie. Wichtige Sachfragen, auch persönliche Wünsche, Wertvorstellungen und unterschwellige Ängste spielen eine große Rolle. Zum Beispiel:

  • Abgeber & Ehepartner: Wie gestalten wir die Altersabsicherung? Haben wir genügend Auskommen? Wer pflegt uns? Wird der Betrieb wohl gut weitergeführt? Funktioniert das Zusammenleben?

  • Hofübernehmer: Schaffe ich das? Wie lange binde ich mich? Reichen die Einahmen aus dem Hof für zwei Generationen? Funktioniert das Zusammenleben von Jung und Alt?

  • Geschwister: Erhalten wir eine faire Hofabfindung? Bleiben der Betrieb und das „Zuhause“ erhalten? Kümmert der Hofnachfolger sich um die Eltern? Wer trägt die Pflegekosten? Wie entwickelt sich das Verhältnis zum Übernehmer?

Dabei vermischen sich wirtschaftliche, familiäre und ganz persönliche Belange. Oft brechen lange schwelende Familienkonflikte auf. Sich dieser Problematik bewusst zu werden und sie zu akzeptieren, ist der Schritt für eine erfolgreiche Übergabe. Schenken Sie der Hofübergabe deshalb große Aufmerksamkeit und nehmen Sie sich Zeit für Gespräche und zum Nachdenken.

Ein Patentrezept für eine gelungene Übergabe gibt es leider nicht, jede Familie muss ihren eigenen Weg finden. Dabei helfen Ihnen folgende Hinweise.

1. Position finden

Am besten beginnen Sie schon Jahre vor der eigentlichen Hofübergabe mit allen Familienmitgliedern über die Zukunft des Hofes zu sprechen.

Jeder sollte sich fragen, wie sich der Hof zukünftig entwickeln könnte. Als Betriebsleiter sollten Sie offen sein für die Gedanken und Meinungen von Ehepartner und Kindern, also des Hofnachfolgers und der weichenden Erben. Hören Sie jedem zu und begegnen Sie dessen Standpunkt mit Respekt. Versuchen Sie selbst zurückhaltend zu sein mit vorgefertigten Ideen. So können Sie schon Jahre vor der Hofübergabe gegenseitiges Verständnis und damit die Grundlage für eine gelingende Hofübergabe schaffen.

Ebenso sollten sich Übergeber und Übernehmer klar werden, wie es weitergehen soll mit dem eigenen Leben, der Familie und dem Betrieb.

  • Manch ein Übergeber möchte weiter im Betrieb arbeiten, z.B. als Angestellter oder als Inhaber eines gewerblichen Betriebsteils. Andere Übergeber möchten sich eher aus der wirtschaftenden Tätigkeit zurückziehen und sich zum Beispiel auf ehrenamtliche Tätigkeiten konzentrieren oder mehr Freizeit mit dem Ehepartner haben. Wichtig ist, dass zunächst beide Ehepartner für sich eine ehrliche Antwort auf diese Fragen finden.

  • Auch für den Übernehmer ist die Hofübergabe ein Zeitpunkt für ein Innehalten: Ist der Betrieb für die Zukunft gewappnet? Welches Ziel verfolgt der Übernehmer mit dem Betrieb: Alleinunternehmer zu sein oder ggf. Mitgesellschafter ins Boot zu nehmen? Bio oder konventionell? Was muss ggf. geändert werden? Ist es Zeit für den Nebenerwerb, für den Zuerwerb oder gar für die Aufgabe des Betriebes? Und wie ist die persönliche Situation des Übernehmers? Hat er bereits eine eigene Familie, Freund oder Freundin? Was denkt die Partnerin/der Partner über Familie, Betrieb und Berufstätigkeit?

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