EUROPA/ EU-Klimaschutzstrategie 2050

Land- und Forstwirtschaft eröffnen Lösungen zur CO2-Reduktion

Die Klimaschutz-Vision der EU-Kommission bis zur Jahrhunderthälfte sehen Landwirtschafts- und Umweltverbände, Europaabgeordnete sowie das Bundesumweltministerium gleichermaßen als guten Schritt, die europäische Wirtschaft kohlenstoffrei zu machen. Land- und Forstwirtschaft bieten Lösungen, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Angesichts des Rekordausstoßes von über 53 Gigatonnen Kohlendioxyd im Jahre 2017 nach jüngsten Berichten des UN-Klimaprogramms (Unep) wartete die EU-Kommission am Mittwoch dieser Woche mit Ihrer Vision der EU-Klimaschutzpolitik bis zur Jahrhundertmitte auf: „Bis 2050 soll die EU den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen vollständig auf Null reduzieren“, so die Brüsseler Behörde. Die Landwirtschaft spielt zur Erfüllung des skizzierten Ziels eine wesentliche Rolle.

„Die vollständige Dekarbonisierung von Wirtschaft und Alltagsleben innerhalb von 30 Jahren ist notwendig, um die Klimaerwärmung auf einen Wert von 1,5 Grad Celsius zu begrenzen“, sagte EU-Klimakommissar Aries Canete bei der Vorstellung der Langfriststrategie für eine wettbewerbsfähige und klimaneutrale Wirtschaft. Die Land- und Forstwirtschaft Europas bietet einerseits konkrete Lösungen zur Reduzierung von Treibhausgasen an, ist aber andererseits durch intensive Tierhaltung auch Teil des Problems.

Der europäische Spitzenverband der Landwirte und Genossenschaftsbetriebe (Copa Cogeca) zeigte sich in einer Stellungnahme zufrieden darüber, dass die EU-Kommission anerkenne, dass die Land- und Forstwirtschaft zu den wenigen Wirtschaftsbereichen zähle, die in der Lage seien, Lösungen zur Reduzierung von Treibhausgasen anzubieten.

Seit 1990 sei es der europäischen Landwirtschaft gelungen trotz Produktionssteigerungen, Emissionen um 20 Prozent zu reduzieren.

Die Bedeutung von landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Gemeinsamkeiten im Kampf gegen den Klimawandel seien bedeutend: Sowohl durch Kohlenstoffspeicherung, mit der Produktion von erneuerbaren Treibstoffen und Biomasse trage die Land- und Forstwirtschaft gleichermaßen zu praktikablen Lösungen bei der CO2-Reduktion bei.

Pesonen: „Land- und Forstwirte müssen für ihre Umweltleistungen bezahlt werden“

Copa-Cogeca-Generalsekretär Pekka Pesonen signalisierte die aktive Bereitschaft der Land- und Forstwirte ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, verlangte aber gleichzeitig eine bessere Honorierung der Umweltanstrengungen: „Landwirte und Waldbesitzer sollten für ihre positiven Beiträge zu Minderung beim Schadstoffeintrag entlohnt werden“. Die Land- und Forstwirtschaft sei bereit, zu den 2050-Zielen der EU-Kommission beizutragen und viele Bauern und Agrargenossenschaften seine bereits aktiv mit Testläufen vieler Vorschläge beschäftigt, die von der Kommission unterbreitet worden seien.

Svenja Schulze; „Die europäische Klimaschutzstrategie passt gut zu unserem deutschen Klimaschutzplan“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze geht mit den Kommissionszielen ebenfalls überein. „Die europäische Klimaschutzstrategie passt gut zu unserem deutschen Klimaschutzplan, der auf weitgehende Treibhausgasneutralität im Jahr 2050 abzielt. Wir gehen in Deutschland keinen Sonderweg, sondern wir gehen den Weg in Richtung Klimaneutralität gemeinsam mit ganz Europa“, so Schulze.. Das sei nicht nur klimapolitisch erforderlich, es sei auch technisch machbar und für Europa die richtige ökonomische Strategie.

WWF: „Wir wünschen uns, die Ziele schon 2040 zu erreichen“

Deutschland dürfe nicht länger auf der Bremse stehe, forderte der WWF in seiner Presseerklärung: „Die EU-Kommission hat mit ihrer Langfriststrategie als erste Industriegemeinschaft eine Antwort auf den Sonderbericht des Weltklimarats vorgelegt und zieht ihr Ziel an – von bisher 80 bis 95 Prozent Treibhausgasminderung bis 2050 auf Treibhausgasneutralität. Das ist ein großer Schritt nach vorne – wenngleich der WWF sich dieses Ziel schon für 2040 wünscht“, sagte der WWF-Klimaexperte Michael Schäfer.

Peter Liese: „Der extrem trockene Sommer zeigt den Handlungsbedarf auf“

„Der extrem trockene und heiße Sommer, sowie die Berichte der Wissenschaftler zeigen, dass wir handeln müssen. Gleichzeitig ist es aber wichtig die Menschen mitzunehmen, die bisher von der Kohle und der energieintensiven Industrie leben. Nur wenn wir Wirtschaftswachstum, Arbeitsplatzsicherung und Klimaschutz unter einen Hut bringen, wird der Rest der Welt uns folgen“, erklärte der umweltpolitische Sprecher der EVP-Fraktion im EU-Parlament, Peter Liese.

Jo Leinen: "Europa steht in der Verantwortung Erderwärmung zu begrenzen"

Auch der sozialdemokratische EU-Abgeordnete Jo Leinen sieht die 2050-Strategie positiv und die Zeit zum Handeln gekommen: „Spätestens im Jahr 2050 muss die EU klimaneutral sein. Dann dürfen nicht mehr Klimagase ausgestoßen werden, als durch Kohlenstoffspeicher, zum Beispiel durch Wälder, aufgenommen werden können. Europa steht besonders in der Verantwortung, die Erderwärmung zu begrenzen.“

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Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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