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topplus VLI-Herbsttagung

Lieferketten der Agrar- und Ernährungswirtschaft sind die komplexesten der Welt

Die Podiumsteilnehmer der VLI-Tagung zu Chancen und Risiken disruptiver Prozesse bei Lieferketten, plädierten für eine stärker faktenbasierte Agrarpolitik – mehr Wissenschaft und weniger Ideologie.

Lesezeit: 4 Minuten

Die Herausforderungen gestörter Lieferketten, ausgelöst durch Pandemie, Brexit und Ukraine-Krieg, standen vergangene Woche im Mittelpunkt der Herbsttagung der Verbindungsstelle Landwirtschaft-Industrie (VLI) in Bad Driburg.

Moderator Anselm Elles, Vorstand der AFC Management Consulting AG, führte in das Thema ein und wies darauf hin, dass die Food Value Chain die komplexeste Lieferkette der Welt sei. Daher seien die Konsequenzen von Störungen durch externe Schocks und das Lieferkettengesetz vielfältig und bedürften eines konsequenten Monitorings. Die notwendigen Anpassungen böten aber auch Chancen, die es zu erkennen und zu nutzen gelte.

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DMK: Proteinmix-Produkte sinnvolle Sortimentserweiterung

Dr. Philipp G. Inderhees vom DMK Deutsches Milchkontor berichtete, dass sein Unternehmen durch gezielte Umbaumaßnahmen in den letzten Jahren gut durch die Krise gekommen sei, Lieferketten seien nicht gerissen. Auch das Lieferkettengesetz bereite keine allzu großen Sorgen, da überwiegend kurze regionale Lieferketten eine Rolle spielten. Es sei aber zu erwarten, dass Innovationsprozesse einsetzten, um einige kritische Produkte wie z.B. Soja zu substituieren. In Zukunft könnten Proteinmix-Produkte aus Milch, Pflanzenproteinen und fermentationsbasierten Proteinen eine sinnvolle Sortimentserweiterung darstellen. Das erfordere strategische Partnerschaften entlang der Kette.

Fleischbranche offen für Transformationen

Dr. Gereon Schulze Althoff, Leiter Qualitätsmanagement der Unternehmensgruppe Tönnies, erklärte, dass die Fleischwirtschaft Risiken gewohnt sei und sein Unternehmen deshalb über ein schnelles Krisenmanagement verfüge. Trotz der Schließung einzelner Schlachtstätten in der Corona-Pandemie seien Kunden beliefert worden. Die Pflege vertrauensvoller Beziehungen und Strukturen seien Teil der Firmenkultur. Das QS-Prüfzeichen und die Initiative Tierwohl seien Erfolgsgeschichten. Das zeige, dass die Fleischbranche offen für Transformationen sei.

Die Politik verzögere aber Entscheidungen z.B. hinsichtlich des Baurechts und verhindere damit einen schnellen Umbau. Hinsichtlich des Lieferkettengesetzes wolle man die Menschenrechte im eigenen Betrieb überprüfen und dokumentieren.

Schlanke Lieferketten notwendig

Prof. i.R. Dr. Rainer Kühl, Institut für Betriebslehre der Agrar- und Ernährungswirtschaft der Uni-versität Gießen, wies darauf hin, dass externe Störungen das Risikomanagementsystem in Unter-nehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft häufig überforderten. Man müsse aber bedenken, dass die Wettbewerber genauso betroffen seien. Durch eine schnelle Wiederherstellung der Ausgangssituation könnten Wettbewerbsvorteile genutzt werden. Schlanke, dezentrale Lieferketten und eine bessere vertikale Kooperation seien wünschenswert. Dazu sollten Visionen entwickelt und umgesetzt werden.

Mehr Ehrlichkeit

Dr. Nora Hammer, Geschäftsführerin des Bundesverbands Rind und Schwein e.V., erläuterte, dass ein eng getaktetes biologisches System wie die Nutztierhaltung schnell zu einem Rückstau in der Kette führe. Das bringe dann nicht nur finanzielle Probleme, sondern auch Tierschutzprobleme mit sich, wenn Tiere im Stall bleiben müssten. Im Hinblick auf Lieferkettenprobleme wünschte sie sich, dass die Beteiligten entlang der Kette enger zusammenstünden. Weniger gegenseitige Vorwürfe und mehr Loyalität seien gefragt.

Der Handel sollte mehr Verantwortung durch entsprechende Preissetzung übernehmen. Der Aufbau eines Tracking- und Tracing-Systems für internationale Transporte von Zuchtrindern durch den Bundesverband bezeichnete sie als ein Leuchtturmprojekt, mit dem Transparenz entlang der Lieferkette geschaffen werde. Von der Politik und vom Handel wünschte sie sich mehr Ehrlichkeit.

Explodierende Kosten lässt Landwirte verzweifeln

Hans-Benno Wichert, Vizepräsident des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg, schilderte die derzeit verzweifelte Situation vieler Landwirte vor dem Hintergrund der Kostenexplosion, ins-besondere in der Schweinebranche. Diese habe sich in der Vergangenheit immer dem Markt gestellt, jetzt sei aber staatliche Unterstützung nötig, um die Branche zu erhalten. Die Politik raube mit Entscheidungen wie z.B. der fleischlosen Kita jegliche Perspektive. Verbraucher zeigten zwar Wertschätzung, die starke Inflation verhindere aber den Ausbau der Tierwohlprogramme.

Das Lieferkettengesetz betreffe einzelne Landwirte derzeit nicht. Im Hinblick auf internationale Handelsabkommen sollten vereinfachte Regelungen für die Landwirtschaft geschaffen werden, nicht jeder einzelne Landwirte müsse involviert sein. Er wünschte sich, dass alle drei Komponenten der Nachhaltigkeit, also Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichermaßen bei politischen Entscheidungen berücksichtigt würden.

Alle Referenten bekräftigten, dass die Unsicherheit über die Entwicklung der Rahmenbedingungen ein großes Problem sei. Sie plädierten für eine stärker faktenbasierte Agrarpolitik – mehr Wissen-schaft und weniger Ideologie.

Der VLI-Vorsitzende Dr. Thomas Kirchberg zeigte sich abschließend optimistisch, dass die Branche in der Lage sei, Probleme, die anstehen, zu lösen. Chancen erkennen und umsetzen, die Branche tatkräftig weiterentwickeln, das war sein Plädoyer an die Zuhörer.

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