DBV-Situationsbericht

Nur noch 262.800 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland

Die 2020 noch aktiven 262.800 Bauernhöfe in Deutschland bewirtschafteten im Durchschnitt 63,2 ha. Und 2021 gab ein weiteres Prozent auf. Der aktuelle DBV-Situationsbericht hat alle Strukturdetails.

In Deutschland gab es 2020 262.800 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF), einschließlich 21.500 Betrieben mit weniger als 5 ha LF, die auf Grund ihrer Tierbestände oder von Spezialkulturen zu den berichtspflichtigen Betrieben gehören.

Diese Betriebe bewirtschafteten 2020 rund 16,595 Mio. ha LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte 2020 63,2 ha LF. Nach ersten Ergebnissen der amtlichen Statistik für 2021 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um knapp 1 % auf mit 261.000 Betrieben zurückgegangen.

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Betriebe nach Hektargrößenklassen (Bildquelle: DBV-Situationsbericht)

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 2010 und 2020 um 36.400 auf 262.800 Betriebe ab. Das sind 12,2 % weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von fast 1,2 %. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 %, was statistisch alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe entspricht.

Bei der augenscheinlich rückläufigen Abnahmerate ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Grenze der statistisch erfassten Betriebe auf 5 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) angehoben worden ist. Unter der Annahme, dass die Zahl der seit 2007 nicht mehr erfassten Betriebe seitdem um die Hälfte bis zwei Drittel zurückgegangen ist, liegt die jährliche Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 10 Jahren bei etwa 2,4 %.

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Agrarstrukturwandel 2010 bis 2020 (Bildquelle: DBV-Situationsbericht)

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Landwirtschaftliche Betriebe nach Bundesländern (Bildquelle: DBV-Situationsbericht)

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Strukturwandel landwirtschaftlicher Betriebe (Bildquelle: DBV-Situationsbericht)

Wachstumsschwelle verschiebt sich nach oben

Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Betriebe in den Größenklassen unter 100 ha LF nimmt ab. Die Zahl der Betriebe mit 100 ha und mehr hingegen nimmt zu, zwischen 2010 und 2020 bundesweit um 4.600 auf 38.200 Betriebe oder knapp 15 % aller Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften etwa 62 % der LF in Deutschland. Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede.

Regionale Unterschiede und betriebsspezifische Situationen

Bei regionaler Betrachtung wird ein Nord-Süd-Gefälle der Betriebsgrößen deutlich. Die Flächenausstattung allein lässt jedoch noch keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu, die auch bei geringerer Flächenausstattung etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen bzw. durch eine intensive Tierhaltung gegeben sein kann.

Während in Bayern und Baden-Württemberg aufgrund der früher angewendeten Erbaufteilung auf alle Nachfahren eher kleinere Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) von durchschnittlich etwa 36 ha verbreitet sind, weisen die Betriebe im Norden Deutschlands aufgrund des vermehrt angewendeten Anerbenrechts mit durchschnittlich 82 ha in Schleswig-Holstein und 73 ha in Niedersachsen eine deutlich größere Flächennutzung auf.

Die größten landwirtschaftlichen Betriebe gibt es nach wie vor im Osten Deutschlands, wo nach der Wende die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) in entsprechend große Nachfolgebetriebe überführt wurden. An der Spitze bei den Betriebsgrößen liegen Mecklenburg-Vorpommern mit durchschnittlich 281 ha LF pro Betrieb und Sachsen-Anhalt mit 270 ha LF pro Betrieb.

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Entwicklung von Betrieben (Bildquelle: DBV-Situationsbericht)

Anteil viehloser Betriebe stark angestiegen

Während die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zwischen 2010 und 2020 um gut 12 % zurückging, verringerte sich die Zahl der darin enthaltenen Betriebe mit Nutztierhaltung um 22 %. Mit 25 % noch stärker war der Rückgang bei den Sonderkulturbetrieben.

Zum Stichtag 1. März 2020 wurden in 167.900 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten – anteilig sind das 64 % aller Betriebe, 9 Prozentpunkte weniger als in 2010. Entsprechend stark gewachsen ist der Anteil viehloser Betriebe, von 27 auf 36 %. Anders als bei den halbjährlichen bzw. jährlichen Viehzählungen werden in den Agrarstrukturerhebungen und der zuletzt in 2020 durchgeführten Landwirtschaftszählung auch Betriebe mit Nutztieren erfasst, die unterhalb der statistischen Erfassungsgrenzen der Viehzählungen liegen.

Regionale Unterschiede

Die Tierhaltung erfolgt in den verschiedenen Regionen Deutschlands mit unterschiedlicher Intensität – gemessen an der Relation des Tierbestandes (in GVE Großvieheinheiten – entspricht 500 kg Lebendgewicht) und der zur Verfügung stehenden landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) eines tierhaltenden Betriebes. Im Bundesländervergleich relativ hohe Werte weisen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen (jeweils 1,6 GVE je ha LF) auf.

Auch Bayern (1,2 GVE je ha LF) liegt noch über dem Bundesdurchschnitt von 1,1 GVE je ha LF. – Die Tierhaltung wird in den einzelnen Bundesländern von unterschiedlichen Tierarten bestimmt: In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wird mehr als die Hälfte aller Schweine in Deutschland gehalten. Die Geflügelhaltung ist mit 49 % der gesamten Haltungsplätze besonders auf Niedersachsen konzentriert. Spitzenreiter bei der Rinderhaltung ist weiterhin Bayern – hier stehen 26 % des Gesamtbestandes, gefolgt von Niedersachsen (22 %) und Nordrhein-Westfalen (11 %).


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