Betriebsleitung

Regelbesteuerung: Jetzt die Vorsteuer sichern!

Wer zum Jahreswechsel in die Regelbesteuerung wechselt, kann sich teilweise auch für Käufe in diesem Jahr die Vorsteuer erstatten lassen. Für Tierhalter hat die Sache einen Haken.

Unser Experte: Bernhard Billermann, wetreu Alfred Haupt KG, Münster

Für einige Landwirte bricht mit dem Jahreswechsel eine Zeitenwende an: Denn wer im Jahr 2021 einen Umsatz von 600.000 € oder mehr erzielt, darf 2022 nicht mehr pauschalieren (netto). Wenn Sie davon betroffen sind, müssen Sie somit ab dem 1.1.2022 die Mehrwertsteuer aus Ihren Verkäufen und Dienstleistungen an das Finanzamt abführen. Im Gegenzug erhalten Sie die Vorsteuer aus Ihren Einkäufen und Investitionen zurück (Vorsteuerkorrektur).

Die gute Nachricht: Grundsätzlich haben Sie auch einen Anspruch auf eine anteilige Vorsteuererstattung für die Vorjahre, in denen Sie noch Pauschalierer waren. Die schlechte: Die Finanzverwaltung erstattet Ihnen in diesen spe­­ziellen Fällen die Vorsteuer nur, wenn diese  1.000 €/Wirtschaftsgut  beträgt (nicht 1.000 € Gesamtwert, sondern 1.000 € Vorsteuer).

Während Landwirte, die Maschinen gekauft oder Ställe gebaut haben, diese Hürde relativ einfach nehmen können, wird sie für Tierhalter zu einem Pro­blem. Denn als einzelnes Wirtschaftsgut gilt ein Ferkel, ein Küken, eine Kuh usw. Und für diese werden beim Kauf weit weniger als 1.000 € Vorsteuer fällig. Sie erhalten die Vorsteuer daher nicht zurück, müssen jedoch beim Verkauf in 2022 als Regelbesteuerer die volle Umsatzsteuer abführen.

Ausweg: Klagen

Der gängigen Praxis der Finanzämter stehen aber zwei Urteile entgegen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) sowie der Bundesfinanzhof (BFH) haben entschieden, dass für den Vorsteuerabzug die beim Kauf beabsichtigte Verwendung entscheidend ist (EuGH: Az.: C-396/98; BFH: Az.: V R 77/96 Az.: V R 39/00).

Wer als Pauschalierer Ferkel einkauft und die Mastschweine als Regelbesteuerer verkauft, hat somit eigentlich einen Anspruch auf die Vorsteuer. Problem: Bislang haben die Finanzämter nicht auf die Urteile reagiert und halten sich an die 1.000-€-Grenze. Gewährt die Finanzverwaltung auch Ihnen den Vorsteuerabzug nicht, könnten Sie dagegen klagen und mit Blick auf die Urteile...


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