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Strohverkauf 2022: Wert richtig ermitteln

Die derzeitigen Energiekosten treiben die Düngerkosten in die Höhe. Das lässt auch den Wert von Stroh steigen. Was Sie beim Strohverkauf in diesem Jahr beachten müssen, erfahren Sie hier.

Lesezeit: 4 Minuten

Bisher galt Stroh häufig als „Abfallprodukt“ der Getreideproduktion und viele Landwirte waren froh, dass sie mit dem Strohverkauf noch etwas Geld dazu verdienen konnten. Häufig ließen sich für das Stroh ab Feld Preise zwischen 100 und 150 €/ha erzielen – je nach Strohertrag. Seit letztem Jahr sind neben den Getreidepreisen auch die Düngemittelpreise enorm gestiegen (Übersicht 1). Somit haben die Nährstoffe, die mit dem Stroh die Fläche verlassen, einen anderen monetären Wert als das in den Vorjahren der Fall war. Müssen also auch die Strohpreise um den gleichen Faktor steigen? Wir zeigen Ihnen, wie Strohkäufer und -verkäufer zu fairen Preisen kommen.

Nährstoffgehalt im Stroh

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Um sich dem Strohpreis anzunähern, müssen Sie zunächst wissen, wie viel Sie von einem Hektar ernten bzw. „herunterfahren“ können und wie viele Nährstoffe mit dem Stroh die Fläche verlassen. Beim Ertrag von Winterweizen gilt als Faustformel: das Korn-Stroh-Verhältnis ist ungefähr 1 zu 0,8. Allerdings bezieht sich dieses Verhältnis auf die komplette Strohmasse, welche die Pflanze generiert. Bei der Strohernte verbleiben, neben den Stoppeln auch Spreu und Werbungsverluste auf der Fläche zurück, sodass der tatsächliche Strohertrag bei Winterweizen in der Praxis meistens zwischen 4 und 6 t liegt (bei 9 – 10 t/ha Kornertrag). Neben dem allgemeinen Wachstum beeinflussen vor allem die Sorte und der Wachstumsreglereinsatz den Strohertrag.

Als Faustformel für die Nährstoffabfuhr durch die Strohbergung gilt, dass in einer Tonne Weizenstroh 5 kg Stickstoff, 3 kg Phosphat, 14 kg Kaliumoxid und 1,6 kg Magnesiumoxid enthalten sind. Bei einem angenommenen Ertrag von 5 t/ha entspricht das einem Nähstoffverlust von 25 kg Stickstoff, 15 kg Phosphat, 70 kg Kaliumoxid und 8 kg Magnesiumoxid. Dieser Entzug muss in Form von Dünger ausgeglichen werden. Bei den aktuellen Düngerpreisen bedeutet das einen reinen Nährstoffwert von etwa 194 €/ha bzw. 38,7 €/t Weizenstroh (Nettowerte). Hier ist noch kein Gewinnanteil für den Verkäufer enthalten (Übersicht 2). Den im Zeitverlauf gestiegenen Wert für die einzelnen Getreidearten finden Sie in Übersicht 3. Hieraus lässt sich erkennen, wie der massive Anstieg bei den Düngerkosten den Wert des Strohs in die Höhe getrieben hat.

Es gibt aber auch noch Qualitäten von Stroh, die sich nicht so leicht mit Geld beziffern lassen. Denn Strohmulch erhöht zudem die biologische Aktivität und fördert den Humusaufbau, was z. B. die Wasserspeicherfähigkeit positiv beeinflusst. Betriebe, die viel Stroh abfahren, gleichen den Humusverlust häufig mit organischen Düngern aus, die in den letzten Jahren günstig zu haben waren. Wie Sie wissen, sind aber auch die Preise für organische Düngemittel stark gestiegen. Strohverkäufer können mit den obigen Werten also relativ einfach den aus ihrer Sicht fairen Preis berechnen.

Argumente für die Abfuhr

Ganz so einfach ist die obige Rechnung aber häufig nicht, weil auch Strohkäufer ein paar gute Argumente vorlegen können: Zwar muss man den Nährstoff- und Humusverlust hinnehmen, aber die Strohabfuhr bringt auch einige Vorteile mit sich. Für den Humusaufbau und zur Vermeidung von Erosion ist der Anbau einer gut etablierten Zwischenfrucht zielführender als eine Mulchauflage. Wird vor einer Sommerung eine Zwischenfrucht angebaut, kann das Stroh ohne negative Auswirkungen auf die Erosion verkauft werden. Wird eine Winterung nach der Strohabfuhr angebaut, entwickelt sie sich meist besser, weil weniger Pflanzenmaterial verrotten muss und das Stroh im Herbst keinen Stickstoff bindet (die klassische „Strohdüngung“). Dies ist ein großer Vorteil, wenn nach Getreide Raps angebaut werden soll.

Wird Stroh gehäckselt und auf der Fläche belassen, führt das zu einem Mehrverbrauch an Diesel von ungefähr 3 l/ha. Hinzu kommt der Verschleiß der Messer, sodass beim Strohhäckseln von Mehrkosten um die 15 €/ha auszugehen ist. Wird das Stroh abgefahren, werden nicht nur Kosten beim Häckseln eingespart. Es ermöglicht auch eine flachgründigere Stoppelbearbeitung, die ebenfalls etwas Geld einspart. Insgesamt senkt das die Kosten bei der Strohabfuhr um etwa 25 €/ha, im Vergleich zum gehäckselten Stroh.

Steigende Kosten

Auch bei Betrieben, die Stroh pressen und selbst nutzen oder verkaufen steigen die Kosten deutlich durch die hohen Energiepreise. In Übersicht 4 finden Sie die aktuellen Kosten für gepresstes Stroh. Egal ob Stroh ab Feld, gepresst ab Hof oder frei Käufer verkauft wird, am Ende sind alle Betriebe gezwungen, ihre Kosten weiterzugeben. Zudem sollten Sie eine angemessene Gewinn- und Risikoprämie für die Arbeit und Vermarktung einplanen. Als Prozentsatz der entstandenen Vollkosten sind dies üblicherweise 10 bis 25 %. Damit käme man auf Preise zwischen 117 und 158 €/t. Aber auch die Bindung von langen Geschäftsbeziehungen spielt eine wichtige Rolle. Das sollten Sie bei Verhandlungen nicht außer Acht lassen.

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