Zukunft der Landwirtschaft

Zukunftskommission legt Einigung vor

Die Zukunftskommission Landwirtschaft hat einen Kompromiss beschlossen. Er soll zu mehr Ökologie, Klimaschutz und weniger Tierhaltung führen. Gegen Produktionsverlagerung soll es Unterstützung geben.

Eine grundlegende, langfristige Vision für die Landwirtschaft in Deutschland, getragen von Vertretern aus Umwelt, Landwirtschaft und Gesellschaft. Nichts weniger als das war das Ziel der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL). Nun hat sie sich nach schwierigen Verhandlungen auf einen Abschlussbericht geeinigt. Laut dem ZKL-Vorsitzenden Prof. Dr. Peter Strohschneider möchte die Kommission darin Empfehlungen für eine künftige Agrarpolitik geben und ein klares Signal senden: „Ökologisch verantwortliche Landwirtschaft kann betriebswirtschaftlich attraktiv und volkswirtschaftlich vorteilhaft sein", sagte er.

Die Kommission nimmt ausdrücklich die gesamte Gesellschaft für den Umbau in Mithaftung. Alle müssten jetzt anfangen, in diese Zukunft zu investieren. "Wer zuwartet, wird das teuer bezahlen müssen und gegenüber der jungen und kommenden Generationen nicht verantworten können", so Strohschneider weiter.

Forderungen

Die ZKL besteht aus Vertretern aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz, Wirtschaft und Verbraucherschutz sowie der Wissenschaft. Gemeinsam fordern Sie unter anderem:

  • die staatliche Förderung der Landwirtschaft an gesamtgesellschaftlichen Zielen auszurichten,
  • mit kooperative Ansätze das Miteinander von Landwirtschaft und Umweltschutz zu stärken,
  • die GAP-Direktzahlungen ab 2023 innerhalb von zwei Förderperioden vollständig umzubauen, damit die Zahlungen konkrete Maßnahmen betriebswirtschaftlich attraktiv für Landwirte machen und
  • verbindliche Instrumente zur Erhöhung von Markttransparenz und zur Förderung nachhaltiger und gesunder Ernährungsstile
  • Eine stärker pflanzlich orientierte Ernährung und eine Reduzierung des Konsums tierischer Produkte, die auch mit einer weiteren Verringerung der Tierbestandszahlen einhergehen wird

Prof. Dr. Peter Strohschneider

Prof. Dr. Peter Strohschneider hat den Kompromiss in der Zukunftskommission geschmiedet. Der ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde im vergangenen Sommer damit beauftragt, eine Zukunftsvision für die Landwirtschaft vorzulegen. (Bildquelle: DFG/Aussenhofer/Höner)

Produktionsverlagerung vermeiden

Die ZKL stellt klar, dass ihre Empfehlungen mit einer „Verringerung der Produktivität und einer Steigerung der Produktionskosten einhergehen“ werden. Gleichzeitig fordern die Mitglieder die Transformation der Landwirtschaft mit öffentlichen Mitteln zweckgebunden und betriebswirtschaftlich attraktiv zu honorieren. Denn nur so könnten Produktionsverlagerungen in Länder mit niedrigeren ökologischen und sozialen Standards vermieden werden.

Hohe Kosten

Dass eine solche Transformartion nicht zum Nulltarif erfolgen kann, ist klar. Doch auch die aktuellen Fördersummen würden für die Umstellung á la Zukunftskommission wohl nicht ausreichen, so Strohschneider. Dem Spiegel sagte er: "Die Kosten der Umstellung liegen bei sieben bis elf zusätzlichen Milliarden Euro pro Jahr. Die Agrarsubventionen, die wir nutzen wollen, um das abzufedern, liegen unter sieben Milliarden. Da fehlt also Geld, das über verschiedene Finanzierungsquellen kommen muss." Die Kosten von Biodiversitätsverlust, Wasserreinhaltung, Klimawandel oder Fehlernährung lägen jedoch schon jetzt jährlich im dreistelligen Milliardenbereich, ist sich Strohschneider sicher. Dagegen wäre die Umstellung der Landwirtschaft geradezu günstig.

Zeitplan

Der detaillierte Abschlussbericht wird am 06. Juli veröffentlicht, nachdem ihn die ZKL-Mitglieder an Bundeskanzlerin Merkel übergeben haben. In Berliner Kreisen wird erwartet, dass der Inhalt des Berichts Einfluss auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen nehmen könnte.

Im Frühjahr 2021 erarbeiteten die Vertreterinnen des Bund der Deutschen Landjugend e.V. (BDL) und der Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUNDjugend) eine gemeinsame Vision für die Landwirtschaft. Das Papier der Jugend-Verbände floss maßgeblich in den Abschlussbericht ein.


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