Coronafolgen

COPA/COGECA fordern Sonderhilfen für den Fleisch- und Milchsektor

Der EU-Bauernverband hat in Brandbriefen an die Kommission auf die Folgen des Nachfrageeinbruchs durch die Coronamaßnahmen hingewiesen. Der Viehsektor brauche jetzt gezielte Marktstützungsmaßnahmen.

Ihrer Forderung nach Sondermaßnahmen für den Obst- und Gemüsesektor haben die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA) jetzt einen Ruf nach Hilfe für den Fleisch- und Milchsektor nachgeschoben.

In mehreren Brandbriefen an den Generaldirektor der Generaldirektion für Landwirtschaft der Europäischen Kommission (DG AGRI), Dr. Wolfgang Burtscher, drängen die Dachverbände auf eine breit angelegte Unterstützung speziell für die Milcherzeuger sowie die Produzenten von Rind-, Schaf- und Ziegenfleisch.

Betont wird in den Schreiben, dass diese Sonderhilfen durch zusätzliche EU-Gelder finanziert und nicht aus dem Budget der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) entnommen werden sollten. COPA und COGECA verweisen darauf, dass der Ausbruch und die Verbreitung des neuartigen Coronavirus und die damit einhergehenden COVID-19-Erkrankungen zu drastischen Eindämmungsmaßnahmen geführt hätten. Diese hätten vielerorts abrupte Schließungen der meisten Verpflegungspunkte wie Restaurants und Kantinen zur Folge gehabt. Infolgedessen sei die Nachfrage wichtiger Abnehmer weggebrochen.

In einem weiteren Brief beklagen die beiden Dachverbände gegenüber der DG AGRI den gegenwärtigen Kollaps des europäischen Schnittblumenmarktes. Aufgrund eines Markteinbruchs um bis zu 80 % aufgrund der Corona-Krise sei auch dieser Sektor dringend auf Gemeinschaftshilfen angewiesen.

Enttäuscht über Mitgliedstaaten

Melken

Melken (Bildquelle: top agrar)

Unterdessen zeigte sich der Generalsekretär von COPA und COGECA, Pekka Pesonen, enttäuscht darüber, dass der Sonderausschuss Landwirtschaft (SAL) letzte Woche keine Entscheidung für eine zusätzliche Unterstützung des Agrarsektors getroffen habe. Zwar erkenne man die Bemühungen der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten an, ein reibungsloses Funktionieren des Binnenmarkts zu gewährleisten, betonte der Finne. Von entscheidender Bedeutung seien jedoch zusätzliche gezielte Marktstützungsmaßnahmen für den Viehsektor.

Angesichts der gegenwärtigen Situation auf dem Milchmarkt herrsche aktuell eine „sehr negative Stimmung“, stellen COPA und COGECA in einem der Briefe fest. Ohnehin stünden die Milcherzeugerpreise aufgrund der aktuellen Hochphase der Produktion unter Druck. Die Corona-Krise tue jetzt ihr Übriges.

Ganz besonders betroffen seien die Preise für Magermilchpulver. Der Vorsitzende der COPA/COGECA-Arbeitsgruppe für Milch und Milchprodukte, Thierry Roquefeuil, forderte die Kommission auf, jetzt unverzüglich zu handeln. Brüssel müsse die private Lagerung für alle Milchprodukte fördern; neben Magermilchpulver müssten auch alle Arten von Käse und Butter eingelagert werden, einschließlich Büffelmilch und Büffelquark, so der Franzose.

Rindfleisch einlagern?

Rindfleisch

Rindfleisch (Bildquelle: top agrar)

Auch der europäische Rindfleischsektor werde derzeit vom Corona-Geschehen stark in Mitleidenschaft gezogen, berichten die beiden Dachverbände. Mit dem Verlust wichtiger Absatzmärkte habe der Markt für hochwertige Teilstücke einschließlich Kalbfleisch einen kräftigen Nachfragerückgang verzeichnet.

Jean-Pierre Fleury, Vorsitzender der COPA/COGECA-Arbeitsgruppe für Rindfleisch, drängte die Kommission dazu, neben weiteren Restriktionen gegen den Import von Edelteilen, vor allem aus den Mercosur-Staaten, auch die Aktivierung von Marktmaßnahmen zu prüfen. Auch Fleury sprach sich für private Lagerungsbeihilfen für bestimmte hochwertige Edelteile und Kalbfleisch aus.

Besonders betroffen ist laut COPA/COGECA außerdem der Absatz von Schaf- und Ziegenfleisch. Die normalerweise hohe saisonale Nachfrage nach Lammfleisch in der Osterzeit sei in diesem Jahr Corona-bedingt weggebrochen. Zu einer Zeit, in der es normalerweise einen Aufwärtstrend bei den Preisen gebe, verzeichne man aktuell einen Abwärtstrend. Gleiches gelte für die Preise für Schaf- und Ziegenmilch.

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Diskussionen zum Artikel

von Rudolf Rößle

Insolvenzen

Jetzt rächt es sich ,dass in Subventionsbereichen auch noch der Absatz wegbricht. Unnötig große Aufstockungen wurden gefördert. Viel Produktion wird zu einem Vielminusgeschäft. Die Banken freuen sich über so viel günstiges Ackerland.

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