EU-Ernteschätzung

COPA und COGECA rechnen mit weniger Weizen und Raps

In Europa könnten die Nässe im vergangenen Herbst und die anschließende Trockenheit in diesem Frühjahr für teils massive Ertragseinbußen bei den beiden Leitkulturen sorgen.

Die Landwirte in der Europäischen Union werden in diesem Jahr voraussichtlich deutlich weniger Weizen von den Feldern holen als 2019. Die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA) rechnen zum Start der Druscharbeiten in 28-EU-Ländern mit einem Rückgang der Weizenernte um 11,5 % auf 137,1 Mio t. Für die Einbußen machten die Dachverbände am Freitag vergangener Woche (12.6.) die extremen Witterungsbedingungen in einzelnen EU-Ländern verantwortlich. So war es in vielen Weizenhochburgen im Herbst zu nass zum Drillen gewesen.

Verschärft wurde die prekäre Situation COPA und COGECA zufolge durch eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit in Teilen Europas. Wo der Winterweizen nicht rechtzeitig in den Boden gekommen ist, haben die Landwirte Hafer, Sommergerste oder Mais ausgesät. Quer über alle Kulturen könnte die EU-Getreideernte aber mengenmäßig nicht so schlecht ausfallen. Die Verbände gehen derzeit von einem Gesamtaufkommen an Getreide in den mit Großbritannien noch 28 Ländern von 305 Mio t aus, womit sich dieses auf dem Durchschnittsniveau der vergangenen fünf Jahre bewegen würde. Der Vorsitzende der COPA/COGECA-Arbeitsgruppe „Getreide“, Jean-François Isambert, zeigte sich ungeachtet dessen besorgt, was die Wirtschaftlichkeit der europäischen Getreideproduktion angeht. Er verwies auf die sich eintrübende Wirtschaftslage durch die Corona-Pandemie.

Vorwurf der „importierten Entwaldung“

Die Ölsaatenproduktion in der Europäischen Union befand sich zuletzt ebenfalls im Rückwärtsgang. COPA und COGECA rechnen mit einer Ernte von weniger als 30 Mio t Ölsaaten in der EU in diesem Jahr. Schlecht sei es vor allem für die Rapsproduzenten gelaufen. Nässe bei der Aussaat im Herbst und eine immer kleinere Auswahl an Pflanzenschutzmitteln dezimierten die Erträge, berichtete der Vorsitzende der COPA/COGECA-Arbeitsgruppe „Ölsaaten“, Pedro Gallardo. Für die demnächst anlaufende Rapsernte sei in der EU-28 nur von 16,5 Mio t auszugehen, was gegenüber dem schon schwachen Ergebnis von 2019 ein Minus von 2,4 % bedeuten würde.

Der Zuwachs bei Biotreibstoffen sei von der Politik limitiert worden, beklagte Gallardo in dem Zusammenhang. Dabei sei übersehen worden, dass dadurch auch weniger Eiweißfuttermittel als Nebenprodukt der Pflanzenölherstellung anfielen. Damit werde eine „importierte Entwaldung“ in Drittstaaten in Kauf genommen. Zumindest teilweise könnten die Ernteausfälle beim Raps laut der COPA/COGECA-Prognosen aber durch andere Ölsaaten ausgeglichen werden. So sollen die Sojabohnen- und die Sonnenblumensaaterzeugung um jeweils etwa 2 % auf 3,1 Mio t sowie 9,6 Mio t zulegen.

Bei den verschiedenen Eiweißpflanzen trauen sich die beiden Verbände noch keine Ertragsprognose zu streuen. Die betreffende Aussaatfläche ist in der EU jedenfalls spürbar gewachsen, nämlich von 1,58 Mio ha auf 1,67 Mio ha. COPA und COGECA verwiesen mit Blick auf die Hülsenfrüchte auf den europaweit steigenden Bedarf an pflanzlichem Protein in der vegetarischen Ernährung. AgE

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