Umstrittene Aussage

Mühlenverband: Hoher Getreidepreis macht Nudeln und Brot teurer

Der Preis für Hartweizen ist deutlich gestiegen. Das macht sich auch bei der Nudelherstellung bemerkbar, rechnet Peter Haarbeck vom Mühlenverband vor. Man müsse dies an den Kunden weitergeben.

Die Preise für Weizen, vor allem Hartweizen, aber auch Hafer – sind seit der Ernte drastisch gestiegen. Zu suggerieren, dass dies keine Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise haben kann, weil der Anteil der Rohstoffkosten doch so gering sei, ist nicht richtig, sagt der Geschäftsführer des Verbandes der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS), Peter Haarbeck.

Gegenüber anderslautender Behauptungen, etwa denen eines namhaften Getreidehändlers aus der vergangenen Woche, stellt Haarbeck klar: „Die Rohstoffkosten für Hartweizengrieß oder Mehl aber auch für Nudeln und Brot machen einen erheblichen Anteil an den Produktionskosten aus!“

Besonders anschaulich lässt sich das am Beispiel Nudeln verdeutlichen: Für ein Kilogramm Nudeln wird knapp ein Kilo Hartweizengrieß benötigt. Hartweizen wird in Bologna aktuell mit 540 € pro t notiert, 2020 lag der Preis im Mittel bei 280, 2019 bei 230 € die Tonne. Angenommen aus einem Kilo Hartweizen können 700 g Grieß gewonnen werden, liegen allein die Rohstoffkosten für ein Kilogramm Hartweizengrieß aktuell bei gut 77 Ct. Vor einem Jahr waren es noch 40 und 2019 sogar nur 33 Ct.

Eine ähnliche Preisentwicklung ist laut VGMS auch beim Weichweizen zu beobachten, dessen Preis in den letzten Monaten von unter 200 auf jetzt 300 € je Tonne gestiegen ist. Bei einer angenommenen Ausbeute von 78 % liegt der Rohstoffkostenanteil für ein Kilogramm Weizenmehl bei 38,5 Ct pro Kilogramm, 2020 hat er noch bei 25,5 Ct gelegen.

„Der Getreidepreis macht bei Brot, Nudeln und anderen Lebensmitteln sehr wohl einen beachtlichen Teil des Endpreises im Einzelhandel aus!“ stellt Haarbeck klar und ergänzt: „Dass Verbraucher die Schwankungen auf den Getreidemärkten in der Regel weit weniger stark spüren, als dies ein Blick auf die Börsencharts nahelegt, ist übrigens eine Leistung der Mühlenwirtschaft, die ihre Rohstoffeinkäufe entsprechend plant. Klar ist aber auch, dass die aktuellen, drastischen Preisausschläge von den Mühlen und ihren Kunden nicht aufgefangen werden können!“

Bauernverbände halten dagegen

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau sieht das hingegen völlig anders und erklärte kürzlich, dass in einem Brötchen 35 g Mehl seien. Umgerechnet auf den Getreidepreis betrage bei den gestiegenen Preisen der Getreideanteil an einem Brötchen daher gerade einmal 1,2 Ct; gegenüber den bisherigen 0,9 Ct müsse der Kunde daher für ein Brötchen lediglich 0,3 Cent mehr zahlen.

Und in seinem jährlichen Situationsbericht stellte der DBV im Dezember 2020 noch klar, dass selbst landwirtschaftliche Erzeugerpreise für Backweizen von damals 200 € je Tonne nur einen geringen Kostenfaktor bei der Brotherstellung darstellten. Bei einem Brötchen entfielen weniger als 7 % des Preises auf den Getreideanteil. "Für die Herstellung eines Brötchens benötigt der Bäcker etwa 34 g Mehl. Bei einem Ausmahlungsgrad von rund 75 % sind das lediglich 45 g Weizen. Um den Brötchenpreis um nur einen Cent anzuheben, müsste sich der Getreidepreis verdoppeln. Schwerwiegender in der Preiskalkulation der Bäcker sind dagegen die Kosten für Energie und Arbeit", so der DBV damals.

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So wenig Erlös kommt beim Bauern an (Bildquelle: DBV)


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