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759 Milchbetriebe haben ihre Stalltüren für immer geschlossen

Österreichs Milchbauern sind unter Druck, die Anzahl der Betriebe ist erneut gesunken. Anlässlich des Weltmilchtags fordert die LK Kärnten nun ein 4-Punkte-Entlastungspaket für eine Trendwende.

Lesezeit: 5 Minuten

„Die Kärntner Milchbäuerinnen und Milchbauern leisten unglaublich viel für ein lebenswertes Kärnten. Sie erzeugen ein wertvolles Lebensmittel, bewirtschaften die Kulturlandschaft und tragen zur Wertschöpfung im ländlichen Raum bei“, erklärt LK-Präsident Siegfried Huber anlässlich des Weltmilchtages am 1. Juni. Gleichzeitig weist Huber auf die ernste Lage der heimischen Milchbauern hin – allein im Vorjahr haben wieder 60 Milchviehbetriebe in Kärnten ihre Stalltüren geschlossen. Damit setzt sich der Trend fort: In den letzten 20 Jahren haben mehr als 55 % der Betriebe ihre Produktion eingestellt. „Die Milchbauern sind in einer schwierigen Situation. Neben der hohen Arbeitsbelastung sind es vor allem der geringe Stundenlohn und die ständig steigenden Auflagen, die die Milchbauern zwingen, aufzuhören“, so Huber.

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Zum Stichtag im Dezember 2023 belief sich die Anzahl der Milchproduzenten in Österreich auf 22.419. Das entspricht einer Abnahme von 759 Betrieben im Vergleich zum Vorjahr (Rückgang von 3,3 %). Trotz dieser Verringerung der Milchlieferanten blieb das Volumen der Milchanlieferung relativ konstant. Im Jahr 2023 wurden insgesamt 3,2 Mio. Tonnen Milch angeliefert, ein geringfügiger Rückgang von 0,15 %.

In Oberösterreich, dem Bundesland mit den meisten Milchlieferanten, sind ein Viertel aller österreichischen Betriebe angesiedelt. Mit 5.581 Milchbetrieben im Jahr 2023 ging die Anzahl der Lieferanten um 259 zurück, was einem Rückgang von 4,4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

„Oberösterreich bleibt mit der höchsten Milchproduktion das wichtigste Milchbundesland in Österreich. Ein Drittel der gesamten österreichischen Milchanlieferung kommt aus Oberösterreich. Tirol hat sich mit 3.763 Milchlieferanten als das Bundesland mit der zweitgrößten Anzahl an Milchlieferanten etabliert, knapp vor Niederösterreich mit 3.734“, erklärt OÖ Bauernbund-Landesobfrau LRin Michaela Langer-Weninger.

Starker Rückgang in der ganze EU

Noch deutlicher zeigt sich auf europäischer Ebene ein deutlicher Rückgang der Milchviehbetriebe. Im Jahr 2020 gab es in der EU-27 insgesamt 467.000 Betriebe, verglichen mit 555.520 im Jahr 2016, was einen Rückgang von 16 % innerhalb von fünf Jahren bedeutet. Mit Ausnahme von Zypern verzeichneten alle EU-Mitgliedsstaaten eine Abnahme:

  • Deutschland und Frankreich, die Hauptproduzenten, erlebten einen Rückgang von 16 bzw. 15 %.

  • In den Niederlanden wurden 12% der Milchviehbetriebe geschlossen,

  • während in Italien fast 22%der Betriebe aufgaben.

  • In Österreich verringerte sich die Zahl der Milchviehbetriebe von 2016 bis 2020 um 2.390, was einem Rückgang von 9 % entspricht.

Die Rabobank prognostizierte kürzlich in einer Studie einen signifikanten Rückgang der Milchproduktion in Nordwesteuropa (Deutschland, Dänemark, Niederlande, Belgien) um bis zu 20% in den nächsten Jahren. Dies wird auf mehrere Faktoren zurückgeführt, einschließlich ökologischer Beschränkungen, Arbeitskräftemangel, mangelnder Rentabilität und Unsicherheit über politische Veränderungen.

„Das Ausmaß dieser Vorhersage wird von den zukünftigen politischen Rahmenbedingungen in den betroffenen Ländern, aber auch von den politischen Entscheidungen auf EU-Ebene abhängen. Denn die stetig steigenden Anforderungen im Umwelt- und Tierwohlbereich einhergehend mit zu geringen Einkommen veranlasst Milchbäuerinnen und Milchbauern ihre Stalltüren für immer zuzusperren. Jeder Betrieb ist einer zu viel!“, betont Langer-Weninger.

Preis-Kosten-Schere geht immer weiter auf

Besonders bedenklich: Während Konsumentinnen und Konsumenten im Supermarkt für die meisten Milchprodukte mehr bezahlen als noch vor einem Jahr, liegt der Milchpreis für die Bauern um 7 bis 10 % unter dem Vorjahrespreis. Aktuell bekommt ein Milchbauer rund 46 bis 47 Cent pro kg Milch – und damit weniger als ein Drittel des Preises, den die Konsumenten im Geschäft bezahlen. Gleichzeitig sind die Produktionskosten unvermindert hoch bzw. in den letzten Monaten sogar noch gestiegen. Die Folge: Die Preis-Kosten-Schere geht immer weiter auf. „Den Milchbauern bleibt trotz gleicher Arbeit weniger in der Brieftasche. Während die Konsumenten immer tiefer in die Tasche greifen müssen, kommt bei den Bauern von der Wertschöpfung einfach zu wenig an. Das kann‘s nicht sein“, fasst Huber zusammen.

4-Punkte-Entlastungspaket für Trendwende

Die Landwirtschaftskammer Kärnten fordert angesichts der Situation ein 4-Punkte-Entlastungspaket für die heimischen Milchbauern:

  1. Höhere Milchpreise: Kostensteigerungen in der Landwirtschaft müssen auf Produktpreise umgelegt werden. Insbesondere der Lebensmittelhandel ist gefordert, für eine rasche Anpassung der agrarischen Erzeugerpreise zu sorgen.

  2. Dauerhafter Agrardiesel: Solange keine Antriebsalternativen für Traktoren marktreif sind, braucht es zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen einen dauerhaft steuerbegünstigten Agrardiesel

  3. Inflationsausgleich bei den Ausgleichszahlungen: Die Abgeltung der öffentlichen Leistungen durch die EU-Direktzahlungen stagniert und muss angesichts der hohen Inflation jährlich angepasst werden.

  4. Heimische Produktion statt Importe: Die EU darf die bäuerlich-nachhaltige Produktion in Europa nicht weiter abwürgen. Gesetze wie die Wiederherstellung der Natur und die EU-Entwaldungsverordnung schaden den Bauern und schaden Europa. Sie führen zur Produktionsverlagerung ins Ausland – zu meist niedrigeren Produktionsstandards.

„Diese 4 Punkte sind das Mindeste, das die Bauern brauchen, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Die Bundesregierung hat mit der Inflationsabgeltung der öffentlichen Zahlungen und dem Agrardiesel-Paket einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Die nächste Bundesregierung wird gefordert sein, diesen Weg konsequent fortzusetzen und für eine dauerhafte Inflationsabgeltung sowie Agrardieselentlastung zu sorgen“, betont Huber, der überzeugt ist, dass mit den angeführten Entlastungsmaßnahmen der Rückgang der Milchviehbetriebe in Kärnten zumindest abgeschwächt werden könnte.

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