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Niederösterreich: 40 Bauern eröffnen Dorfladen

Die steigende Nachfrage nach regionalen Produkten veranlasste 40 Bäuerinnen und Bauern aus der Buckligen Welt, in Lichtenegg einen Dorfladen zu eröffnen.

Lesezeit: 7 Minuten

In der Direktvermarktung kann man mit weniger deutlich mehr rausholen“, weiß Stefan Waldherr. Der Landwirt ist Mitwirkender und Zulieferer des Dorfladens Lichtenegg, der Anfang März 2023 eröffnet wurde und bei der Bevölkerung großen Anklang findet.

Schnell gelesen

Selbstbedienung bei langen Öffnungszeiten erhöht die Besucher­frequenz, sorgt für Flexibilität und spart Personalkosten.

Ein Bezug zur Herkunft wird immer wichtiger: Auf der Website des Dorfladens Lichtenegg finden sich Hofportraits der Bäuerinnen und Bauern, um eine höhere Transparenz zu schaffen.

Ein gesammelter Standort für eine Vielzahl von regionalen Produkten wird vom Konsumenten besonders geschätzt.

Gemeinschaftliches Tun schafft mehr Möglichkeiten und spart Kosten.

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Die Idee zum Dorfladen entstand beim monatlich stattfindenden Bauernmarkt am Hauptplatz von Lichtenegg, einem kleinen Örtchen in der Buckligen Welt. „Immer mehr Konsumenten fragten nach, ob es das Angebot des Bauernmarktes nicht dauerhaft geben könnte“, erklärt Waldherr.

So entschieden sich Bäuerinnen und Bauern aus Lichtenegg und der näheren Umgebung, gemeinsam mit Gemeindemitgliedern und -vertretern den Verein „Dorfladen Lichtenegg“ zu gründen. Er selbst ist heute Obmann des Vereins, der 40 zuliefernde Mitglieder zählt. Nach zahlreichen Exkursionen zu bestehenden Bauern-, Hof- und Dorfläden und einer Menge Inspiration wurde mit der Hilfe von ausschließlich regionalen Firmen und Beschäftigten der Gemeinde Lichtenegg der Dorfladen erbaut. Finanziert wurde der Bau des ­Gebäudes mit einer Unterstützung der Dorf- und Stadterneuerung des Landes Niederösterreich in der Höhe von 50.000 € und der Gemeinde Lichtenegg.

Fast rund um die Uhr geöffnet

Seit Anfang März 2023 finden Konsumenten im Dorfladen Lichtenegg ein breit gefächertes Angebot. Alles ist gesammelt an einem Ort und sie müssen für regionale und hochqualitative ­bäuerliche Produkte nicht verschiede­ne Höfe abklappern. Das Produkt­angebot umfasst Fleisch- und Fischproduk­te, Frischmilch, (Frucht-)Joghurt und Käseprodukte (aus Kuh- sowie Ziegenmilch), Eier, Erdäpfel, Teigwaren, Mehle, Öle, Säfte, Honig, Brot, Gebäck und Mehlspeisen, saisonales Gemüse, Jungpflanzen und Saatgut, Eingekochtes und Marmeladen, Kräuter, Tees und ­Gewürze, Naturkosmetik, Textilien und verschiedenste Handwerks- und Dekorationsartikel.

Der Dorfladen wird als Selbstbedienungsladen geführt und hat täglich und das gesamte Jahr über von 6 bis 22 Uhr geöffnet. Für dieses Modell hat man sich einerseits entschieden, um für den Kunden möglichst lange Öffnungszeiten und somit eine höhere Flexibilität beim Einkaufen zu schaffen. Andererseits können dadurch Personalkosten gespart werden.

Für den Einkauf stehen Sackerl und Einkaufskörbe bereit. Besonders raffiniert: Im Dorfladen gibt es Geschenkkörbe, die individuell mit den angebotenen Produkten befüllt werden können. Der Bankomat im Eingangsbereich des Dorfladens sorgt für eine noch höhere Besucherfrequenz. Direkt nebenan befindet sich ein Nah & Frisch Supermarkt – innerhalb des Vereins und der Gemeinde sieht man den Nahversorger nicht als Konkurrenten, sondern als gegenseitige Ergänzung des Angebotes für den Konsumenten.

Sichere regionale Herkunft

Im Dorfladen Lichtenegg kann sich der Verbraucher selbst ein Bild über die Herkunft der Produkte machen: Auf der Website des Dorfladens finden sich Hofportraits der Bäuerinnen und Bauern. Damit soll eine hohe Transparenz für den Konsumenten geschaffen werden und ein Bezug und Kontakt zu den Landwirten hergestellt werden.

„Der monatliche Bauernmarkt im Ort findet weiterhin statt. Dort können Kunden des Dorfladens die Bäuerinnen und Bauern aus der Region auch persönlich kennenlernen“, meint Obmann Stellvertreter Thomas Schwarz.

Die produzierenden Betriebe liegen fast alle in der Gemeinde Lichtenegg, der am weitesten entfernte bäuerliche Zulieferer produziert 20 km vom Dorfladen entfernt. Neue Anbieter aus der Region werden gerne aufgenommen, Voraussetzung ist ein Beitritt im Verein und, dass das angebotene Produkt ­bisher in dieser Form noch nicht Teil des Sortiments ist. Seitens des Teams könnte man sich beispielsweise frisches Obst als Ergänzung des bestehenden Angebotes gut vorstellen.

„Ein klarer Vorteil der Direktvermarktung an den Konsumenten im Dorfladen ist die höhere Wertschätzung meiner Arbeit und meiner Produkte“, erklärt Waldherr. Und der Landwirt hebt auch den Vorteil des Kassensystems hervor: „Ich kann dadurch jederzeit den Lagerbestand einsehen, das verringert den Aufwand und erleichtert das Planen. Ich bin in der Preisgestaltung viel freier und auch der Aufwand ist nicht sehr viel höher als beim Verkauf an andere Abnehmer. Lediglich das eigene Regal im Dorfladen muss ich zusätzlich selbst pflegen.“

Wertschätzung für Produkte

Waldherr ist Milchbauer. Der Großteil seiner produzierten Milch verkauft er an die NÖM. Etwa ein Drittel der Milchmenge verarbeitet er zu Käseprodukten und Joghurt. Neben dem Verkauf im Dorfladen liefert der Betrieb seine Produkte auch an Regionalgeschäfte und Heurigenbetriebe. „Es begeistert mich sehr, dass man aus Milch so viele köstliche Produkte herstellen kann. Von der Milcherzeugung bis zum fertigen Produkt kenne ich jeden Arbeitsschritt und weiß, wie viel Mühe dahinter steckt. Das Schönste ist, wenn die Kunden unsere Produkte wertschätzen“, erzählt der Landwirt. 

Kundenmagnet Bauernbrot

Besonders beliebt bei den Kunden des Dorfladens ist das jeden Dienstag und Freitag von Bäuerinnen aus der Gemeinde frisch gebackene Brot und ­Gebäck. Dieses ist jede Woche binnen kürzester Zeit ausverkauft. Die „Brot-Tage“ erzielten bisher im Vergleich zu den anderen Wochentagen auch eine höhere Kundenfrequenz und einen stärkeren Umsatz. Auch die selbst gebackenen Mehlspeisen der Bäuerinnen werden von den Kunden sehr gut angenommen.

Der Dorfladen kann an starken Tagen rund 80 Einkäufe und täglich durchschnittlich 40 Einkäufe verzeichnen. An den Wochenenden wird die höchste Besucheranzahl erreicht. Den Umsatz, den man vor der Eröffnung des Dorfladens erwartet hat, wurde deutlich übertroffen. Im Durchschnitt tätigen die meisten Kunden Einkäufe für rund 15 bis 20 € – viele kommen speziell für einzelne Produkte.

Das Besucher-Alter erstreckt sich von jung bis alt. Kunden des Dorfladens Lichtenegg schätzen die hohe Qualität und Frische der angebotenen Produkte, die langen Öffnungszeiten und die Möglichkeit des Einkaufs einer Vielzahl an regionalen Produkten gesammelt an einem Ort. „Es ist uns als Gemeinde ein großes Anliegen, bäuerliche Betriebe und auch die Direktvermarktung ihrer Produkte nachhaltig zu stärken“, freuen sich Bürgermeister Josef Schrammel und Vizebürgermeisterin Monika Schwarz. „Mit dem Dorfladen haben wir eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten geschaffen und obendrein eine sinnvolle Verwendung für ein leer stehendes Grundstück an der Hauptstraße gefunden.“

Neuartiges Kassensystem

Im Dorfladen Lichtenegg verkauft jeder Lieferant auf seine eigene Rechnung und ist somit auch für die Kalkulation des Verkaufspreises selbst verantwortlich. Die Instandhaltung wird von allen Beteiligten gleichermaßen gewährleistet. Dies gilt sowohl in Bezug auf Ordnung und Sauberkeit im eigenen Regal als auch bei der Bezahlung der laufenden Kosten, wie Miete und Strom.

Das Kassensystem ist der Prototyp eines jungen Start-ups aus der Umgebung. Bezahlt wird per Bankomat oder mit Gutscheinen, die sowohl direkt im Dorfladen, als auch nebenan im Nah & Frisch Supermarkt gekauft werden können. Sie sind gleichzeitig auch eine Geschenkidee. Zwar sollte man meinen, dass das Bezahlsystem besonders ältere Kunden vor Probleme stellt. Doch nach Auskunft von Obmann Waldherr kommen die Kunden gut damit zurecht.

Vorteil des Kassensystems für die Bauern: Sie können auf ihrem Smartphone den Lagerbestand ihrer Produkte abrufen und wissen so genau, wann sie nachschlichten müssen.

Gemeinsam stark

Der Dorfladen Lichtenegg wurde als Gemeinschaftsprojekt geschaffen. Mittlerweile zählt man über 100 Mitglieder, davon 40 Bäuerinnen und Bauern. Nach dem Motto „jeder trägt bei, was er kann“ werden sogar die Website und die Social-Media-Seiten selbst gestaltet und regelmäßig mit Updates befüllt: Dort findet man allerhand Informationen rund um den Dorfladen, außerdem gibt es immer wieder saisonale Angebote, Gewinnspiele und Rezepte zu entdecken. Außerdem wird regelmäßig ein Newsletter ausgeschickt.

Der Verein „Dorfladen Lichtenegg“, der die Basis des Dorfladens bildet, wächst stetig an unterstützenden Mitgliedern. Auch Konsumenten können dem Verein beitreten – der Mitgliedsbeitrag beträgt 25 € pro Jahr, alle Mitglieder bekommen zur Weihnachtszeit einen Gutschein im Wert von 10 €, dieser ist direkt im Dorfladen einlösbar.

Unterm Strich haben Bauern und Bürger gemeinsam ein Projekt auf die Beine gestellt, von dem alle profitieren. Die Bürger, weil sie immer regionale Lebensmittel mit klar nachvollziehbarer Herkunft einkaufen können. Die Bauern, weil sie mit der Direktvermarktung ihre Produkte ohne Umwege an die Verbraucher bringen können und somit bessere Erlöse erzielen können.

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