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topplus Kommentar

Almen ohne Kühe?

Eine Touristin sucht Almen ohne Kühe - und hat nichts von Almwirtschaft verstanden. Schließlich sind es die Almbauern und ihre Kühe, die die unvergleichlichen Naturerlebnisse überhaupt erst schaffen.

Lesezeit: 3 Minuten

Urlaub in Österreich ist „in“, sagten mir kürzlich Bekannte aus Norddeutschland. Ein Blick auf die Tourismuszahlen in Tirol bestätigt das. Nach dem Einbruch im Coronajahr 2020 wurden im vergangenen Sommer mit 22,4 Mio. ein neuer Rekord an Nächtigungen erzielt und auch in diesem Jahr liegen diese bereits knapp 5 % über dem Vorjahr.

„Wir müssen die Almen​ aktiv bewirtschaften und​ möglichst viele Tiere auftreiben.“​

Wer Sommerurlaub in Tirol macht, geht wandern. Schließlich lässt sich inmitten der ruhigen Natur, fernab jeglichen Trubels, auf Almen und Berghütten eine unbeschwerte Zeit verbringen. Wären da nicht die Kühe! So kam es in der Tourismusabteilung des Landes Tirol zu einer ungewöhnlichen Anfrage: „Gibt es eigentlich eine Aufstellung bzw. Übersicht von Gebieten bzw. Almen, auf denen keine Weidewirtschaft betrieben wird, sprich: Wo keine Kühe sind?“ Sie hätte schon unangenehme Begegnungen mit den Tieren gehabt (natürlich ohne ein Verschulden ihrerseits) und möchte in Zukunft Wanderungen in solche Gebiete vermeiden, so die Fragestellerin. Es sei in Anbetracht der „ständigen“ Vorfälle höchste Zeit, eine solche Übersicht zu erstellen.

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Das ist kein Scherz! Die Anfrage zeigt: Die Frau hat nichts von Almwirtschaft verstanden. Sie sucht das Ei, möchte aber die Henne nicht. Almen können ausschließlich durch eine aktive Beweidung mit Wiederkäuern in ihrer vielfältigen Funktion erhalten werden. Es gibt keine Almen ohne Beweidung! Jeder Almbauer weiß das – ebenso, dass die Tiere im ­Jahresverlauf mit der Vegetation von den niedrig gelegenen Almen auf die höheren, und anschließend wieder zurück Richtung Tal ziehen. Damit ist nicht jede Almfläche den ganzen Sommer über bestoßen, und man begegnet auch nicht zwingend bei jeder Wanderung dem Almvieh. Nicht ohne Grund werden deshalb auf Zäunen und Gattern Tafeln mit dem Hinweis „Achtung Weidevieh“ aufgehängt und Verhaltensregeln für Wanderer aufgestellt. Trifft man dann auf Kühe, entbinden die Maßnahmen der Bauern die Wanderer nicht davon, selbst ihr Hirnkastl einzuschalten – Stichwort „Eigenverantwortung“.

Schon jetzt ist die Almfutterfläche seit Jahren rückläufig. Österreichweit lag sie im Jahr 2010 noch bei 412.000 ha, im Jahr 2022 nur noch bei knapp 306.000 ha. Das ist ein Rückgang in ­den letzten 12 Jahren um ein Viertel der Almfläche! Im Sinne der Almbauern und im Sinne des Tourismus müssen wir ­daher bestrebt sein, viele Almen aktiv zu bewirtschaften und möglichst viele Tiere aufzutreiben. Statt der angefragten ­„Negativliste“ könnte man doch besser mit einer „Positivliste“ Almen mit gleichbleibenden bzw. steigenden Tierzahlen würdigen. Und was die ansonsten sehr geschätzten Touristinnen und Touristen angeht, ist eine bessere Aufklärungsarbeit gefragt. Zum Beispiel darin, dass es die Almbauern und ihre Kühe sind, die die unvergleichlichen Naturerlebnisse überhaupt erst schaffen.

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