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Nagel im Magen – was tun?

Kühe fressen wenig selektiv und ihre Zunge ist nicht besonders empfindlich. Unbemerkt nehmen die Tiere einen Fremdkörper auf, die Verletzungen können übel sein.

Lesezeit: 8 Minuten

Unsere Autorin: Anna Lena Lindau, Tierärztin bei q-mmunity

"Vielleicht hat sie ja einen Fremdkörper?" Ein Satz, den man sich als Tierarzt manchmal gar nicht traut auszusprechen, da die Diagnose „Fremdkörper“ oft den Ruf hat, als Lösung herhalten zu müssen, wenn der Tierarzt sonst nichts findet. Also eher eine Art Verlegenheitsdiagnose. Diese Einstellung sollte jedoch einmal überdacht werden, wenn man sich die Fakten genauer anschaut.

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Schnell gelesen

Fremdkörper wie Schrauben, Nägel oder Drahtstücke werden in großen Futterbissen schnell abgeschluckt. 

Im Netzmagen bleiben Fremdkörper ­liegen. Durch die Kontraktionen können sie durch die Magenwand gespießt ­werden und andere Organe verletzen.

Die Symptome sind vielfältig, daher ist die Diagnose schwierig. Oft haben die Kühe Schmerzen, fressen weniger und verlieren an Leistung.

An den Folgen können die Kühe verenden. Die Eingabe eines Magneten in Kombination mit Entzündungshemmern ist oft erfolgreich.

Fremdkörper werden ­selten bemerkt

Kühe fressen sehr wenig selektiv. Sie reißen mit ihrer Zunge große Grasbüschel ab oder nehmen mit ihrer Zunge größere Mengen Futter vom vorgelegten Haufen, kauen ein paar mal darauf herum und schlucken den Bissen dann zügig ab. Die feinere Zerkleinerung kommt später beim Wiederkauen und durch die Arbeit der Vormagen-Flora.

In diesen großen Bissen können sich Fremdkörper also gut verstecken. Durch die kurze Verweildauer im Maul werden sie von den Kühen nur selten bemerkt und schnell mit dem Futter abgeschluckt. Hinzu kommt eine stark verhornte Maulschleimhaut und Zunge, die gegen gröbere Bestandteile eher unsensibel ist und somit dazu beiträgt, dass Fremdkörper im Maul meist gar nicht bemerkt werden.

All diese Faktoren sorgen dafür, dass von allen Haustieren Kühe mit Abstand am häufigsten von Fremdkörper-Erkrankungen betroffen sind. Schlachtkörperbefunde zeigen Fremdkörper-Erkrankungen bei ca. 10 % aller Schlachttiere. Die Dunkelziffer liegt jedoch vermutlich weitaus höher, da nicht alle Tiere mit Fremdkörper-Erkrankungen bis zum Schlachten kommen, sondern bei schweren Erkrankungen auf dem Betrieb versterben oder eingeschläfert werden. Zudem werden auch Tiere geschlachtet, die einmal eine Fremdkörper-Erkrankung hatten, aber deren  Verletzungen ausgeheilt und somit nicht mehr festzustellen sind.

Nägel im Netzmagen

Die häufigsten Fremdkörper sind Nägel, Schrauben und Drahtstücke. Also eher schwere Gegenstände im Vergleich zu den Futterbestandteilen. Diese schweren Partikel „fallen“ quasi aus dem Ausgang der Speiseröhre in den Netzmagen (Haube) und bleiben dort am Grund der Haube liegen.

Durch das nahezu vollständige Zusammenziehen des Netzmagens – um die feinen Futterpartikel weiter in den Pansen zu befördern – wird der Fremdkörper jedoch häufig durch die Magenwand gespießt und kann so in der Körperhöhle andere Organe verletzten. Am häufigsten sind Lunge, Herz, Leber oder anliegende Bestandteile des Magen-Darm-Trakts betroffen.

Vielfältige Symptome

Welche Symptome treten auf, wenn der Fremdkörper erst einmal im Magen ist? Das ist eine Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt. Es kommt stark darauf an, wo genau der Fremdkörper liegt, ob er die Magenwand perforiert hat, wenn ja, wie stark und in welcher Ausrichtung, und ob umliegende Organe mit betroffen sind.

Eine Fremdkörper-Symptomatik ist unspezifisch. Es gibt nicht das eine Symptom, welches auf einen Fremdkörper schließen lässt. Warnzeichen sind:

  • Schmerzanzeichen, wie aufgekrümmter Rücken, angespannter Bauch, Zähneknirschen, Stöhnen,

  • eine zumindest vorübergehend geringere Futteraufnahme und somit auch sinkende Milchleistung oder geringere Tageszunahmen,

  • schwankende Körpertemperatur (sofern regelmäßig kontrolliert wird),

  • wechselnde Kotkonsistenz,

  • angestaute Halsvenen,

  • abgespreizte Schultern, um das Atmen bei Lungenproblemen zu erleichtern,

  • gestreckter Hals,

  • Lungengeräusche,

  • gedämpfte Herztöne und

  • verminderte Pansenaktivität.

Die Bandbreite ist groß, keines der Symptome ist spezifisch und natürlich treten lange nicht bei allen Kühen alle Symptome auf, sondern meist ein paar der genannten in unterschiedlicher Ausprägung und von unterschiedlicher Dauer. Wenn sich der Verdacht auf Fremdkörper erhärtet, gibt es drei weitere Methoden, diesen zu diagnostizieren:  den Rückengriff, die Stabprobe und eine Schmerzperkussion (siehe Kasten "Drei Probe-Methoden").

Weiterführende Diagnostik

Als weiterführende Diagnostik eignen sich ein Glutaraldehydtest, eine Fibrinogen-Messung und/oder ein Blutbild. Diese Untersuchungen sind zum Teil zwar äußerst sensitiv, erkennen also sehr zuverlässig Entzündungen im Körper der Kuh, allerdings wieder unspe­zifisch. Zeigen die Untersuchungen ei­ne Entzündung an, muss diese nicht zwingend von einem Fremdkörper verursacht werden.

Es sollten also immer verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden, denn mit jedem positiven Ergebnis steigt die Wahrscheinlichkeit, auf der richtigen Spur zu sein und dann auch sinnvoll behandeln zu können.

Spezifische Untersuchungen sind die Ultraschall-Diagnostik, mit der sich der Fremdkörper in manchen Fällen darstellen lässt. Beweisend ist aber auch hier nur der Fund des Fremdkörpers. Nur weil keiner gefunden wird, heißt es nicht, dass keiner da ist. Auch Verwachsungen von Netzmagen und Zwerchfell lassen sich oft darstellen. Auch das ist kein Beweis für das Vorhandensein eines Fremdkörpers, aber ein relativ starker Hinweis.

Operation ja oder nein?

Mithilfe einer Operation mit Eröffnung des Pansens lässt sich ein Fremdkörper ebenfalls zweifelsfrei feststellen, wenn er gefunden wird. Die Durchführung einer Operation sollte natürlich immer gut abgewogen werden, da auch eine OP immer ein Risiko darstellt.

Gerade für nicht magnetische Fremdkörper ist es jedoch die einzige Möglichkeit, diese auch direkt unschädlich zu machen. Die beiden großen Vorteile einer Fremdkörper-OP sind die eindeutige Diagnose und das sofortige Entfernen des Fremdkörpers. Eine weitere, eher unkonventionelle Methode der Diagnostik ist der Metalldetektor. Für metallische Gegenstände durchaus legitim, wenn auch selten im Einsatz.

Magnet und Schmerzmittel

Besteht nun auf Grund der Untersuchungsergebnisse der Verdacht auf eine Fremdkörper-Erkrankung, kann der Landwirt dem Tier einen Käfigmagneten eingeben, um Fremdkörper, wie Nägel oder Drahtstücke zu binden und damit unschädlich zu machen.

Ob der Magnet auch wirklich am Ziel angekommen ist, lässt sich nach ­24 bis 48 Stunden mit einem Kompass überprüfen, der an die linke untere Bauchwand auf Höhe des Netzmagens gehalten wird: Bei korrekter Lage des Magneten richtet sich die Nadel des Kompass nach diesem aus.

Zusätzlich macht es oft Sinn, einmalig oder über ein paar Tage ein NSAID (Schmerzmittel, Entzündungshemmer) zu verabreichen. Der Einsatz eines ­Antibiotikums ist individuell zu entscheiden.

Teils schwere Komplikationen

Je nach Sitz des Fremdkörpers, Dauer und Ausmaß der Schädigung durch den Fremdkörper und Ausmaß und Art der Entzündung im Körper kann die Erkrankung folgenlos ausheilen oder es kommt jede Hilfe zu spät, und natürlich ist jede erdenkliche Zwischenform möglich.

Im besten Fall löst sich der Fremdkörper von selbst aus der Magenwand oder wird eingekapselt. Eventuell wird er von einem eingegebenen Magneten entfernt oder er löst sich im Laufe der Zeit durch Korrosion auf. Dann kommt es nur zu leichten Verletzungen, die ohne bleibende Schäden wieder ausheilen und nur zu einer kurzfristigen Schmerzsymptomatik führen. Oft bleibt eine lokale Bauch- oder Brustfellentzündung zurück, die keine weiteren Probleme verursacht.

In anderen Fällen können sich in den verletzten Organen Abszesse bilden. Manchmal nur ein einzelner, kleiner Abszess, der eingekapselt bleibt und keinen weiteren Schaden anrichtet.

Oder es bilden sich durch wiederkehrende Verletzungen größere oder multiple Abszesse, die ab einer gewissen Ausdehnung auch die Organfunktionen beeinträchtigen oder sich öffnen und Eiter freisetzen können. Beides kann fatale Folgen für die Kuh haben.

So beugen Sie vor

Vorbeugen ist natürlich immer besser als heilen. Die Aufnahme eines Fremdkörpers kann leider nie ganz ausgeschlossen werden. Wichtige Vorbeugemaßnahmen sind:

Beim Zaunbau penibel auf seine Arbeitsmaterialien achten, um keine Nägel, Schrauben, Drähte und Ähnliches auf der Weide zu verlieren.

Schilder am Weidezaun anbringen, die Spaziergänger auf die Problematik aufmerksam machen, sodass hoffentlich kein Abfall den Weg auf Weiden und Mähwiesen findet.

Magnete im Futtermischwagen ziehen oft verblüffend viele metallische Gegenstände aus dem Futter und haben mit Sicherheit schon vielen Kühen viel Leid erspart.

Ansonsten kann man nur die Augen offenhalten bei der Kontrolle der Weiden und Wiesen und bei der Futtervorlage, denn noch viel zu oft verstecken sich z. B. in der fertigen Silage gehäckselte Getränkedosen und anderes.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Diagnose „Fremdkörper“ vielleicht manchmal wirklich heißt: „der Tierarzt findet nichts anderes“. Die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie Recht hat, ist jedoch gar nicht so gering. Im Zweifel sind die Kosten für den Magneten und ein bis drei Tage Schmerzmittel aber immer noch geringer als für eine schwer kranke oder gar verendete Kuh.

Kasten

Drei Probe-Methoden

Wenn der Verdacht auf Fremdkörper besteht, gibt es drei Fremdkörper-proben, die weiteren Aufschluss geben können. Jede der Proben bringt den größten Effekt, wenn sie auf dem Höhepunkt der Einatmung (also kurz vor Beginn der Ausatmung) durchgeführt wird. Zu diesem Zeitpunkt ist die Lunge stark mit Luft gefüllt und nimmt mehr Raum ein als ungefüllt. Auch das Zwerchfell ist in diesem Moment maximal gespannt, die Organe von Brust- und Bauchraum liegen eng beieinander.

Rückengriff

Die Kuh geht dadurch ruckartig ins Hohlkreuz. Dann ist die Chance deutlich größer, dass der Fremdkörper an irgendeiner Stelle Schmerzen ver­ursacht und die Kuh dies mit einem Schmerzlaut äußert.

Stabprobe

Zwei Personen heben den Brust- bzw. Bauchraum der Kuh etwa auf Höhe des Netzmagens mithilfe eines Stabs (z. B. Besenstiel, Mistgabelstiel) oder eines Brettes von beiden Seiten an und lassen ihn bei der maximalen ­Einatmung plötzlich fallen. Auch dann äußert die Kuh einen Schmerzlaut.

Schmerzperkussion

Für diese Probe eignet sich ein ­Gummihammer oder ganz einfach die eigene Faust, mit der die Brust- bzw. Bauchwand auf Höhe des Netzmagens kräftig schwingend abgeklopft wird. Auch hier ist der Effekt bei maximaler Einatmung am größten. Erfolgt jedoch genau zu diesem Zeitpunkt ein einzelnes, kräftiges Klopfen, wird wohl jede Kuh erst einmal eine unwillige Reaktion zeigen, ob Fremdkörper oder nicht. ­Daher ist ein mehrmaliges Klopfen sinnvoll, um eine gewisse Gewöhnung der Kuh an die Prozedur zu erzielen. Dann tritt eine Reaktion wirklich nur im Falle eines Schmerzes auf.

Eine Studie konnte zeigen, dass nur bei 58 % aller Kühe mit einem ­sicher bestätigten Fremdkörper mindestens eine dieser Proben positiv ausfällt. Im Umkehrschluss reagieren 42 % aller Kühe, die eigentlich einen Fremd­körper haben, nicht auf diese Untersuchungen! Durchführen sollte man sie dennoch, da eine positive Fremdkörper-probe ein wichtiges ­Puzzleteil unter den erhobenen Befunden darstellt.

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