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Zuckerheu statt Kälberstarter

In der Kälberaufzucht werden häufig Kälberstarter mit hohen Kraftfutteranteilen gefüttert. Das kann schon bei Kälbern Pansenazidosen auslösen. Hochwertiges Heu kann solche Kälberstarter ersetzen.

Lesezeit: 6 Minuten

Unsere Autoren Dr. Georg Terler, HBLFA Raumberg-Gumpenstein und Prof. Dr. Qendrim Zebeli, Vetmed Uni Wien haben untersucht, ob zuckerreiches, hochwertiges Heu solche Kälberstarter ersetzen kann. Das Ergebnis: kann es!

Das Kalb von heute ist die Kuh von morgen. Bereits in den ers­ten Lebenswochen werden die Grundlagen für die spätere Leistung einer Milchkuh gelegt. Deshalb müssen die Kälber mit allen notwendigen Nährstoffen gut versorgt werden. Als Standard gilt heutzutage eine Ad-libitum-Milchtränke der Kälber. Genauso bedeutend ist aber, die Kälber rasch an die Festfutteraufnahme zu gewöhnen. Dabei ist es wichtig, schmackhaftes Futter mit hohen Nährstoffgehalten bereitzustellen.

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Schnell gelesen

Zuckerheu ist qualitativ sehr hochwertiges Heu mit über 200 g Rohprotein und Zucker und über 11 MJ ME je kg TM.

Hat man Zuckerheu zur Verfügung, kann man auf Kälberkraftfutter in der Aufzucht verzichten.

Futteraufnahme und Tageszunahmen sind teilweise sogar höher als bei mittleren Heuqualitäten plus Kraftfutter.

Die Herstellung von Zuckerheu erfor-dert Know-how, einen guten Pflanzen-bestand und technische Voraussetzungen (Trocknung).

Häufig werden daher sogenannte Kälber-TMRs gefüttert, die kraftfutterreich sind (70 bis 80 % KF-Anteil) und als Faserkomponente Stroh oder Heu enthalten. Kürzlich durchgeführte Studien zeigen jedoch, dass hohe Kraftfutteranteile in der Ration bereits bei Kälbern Pansenazidosen auslösen können. Außerdem stellt sich auch allgemein die Frage der Wiederkäuergerechtheit solcher kraftfutterreichen Kälberstarter.

Ist es daher möglich, Kälber mit geringeren Kraftfutteranteilen in der Ration zu füttern oder gar auf Kraftfutter zu verzichten, ohne dass es zu negativen Auswirkungen auf das Wachstum und die Entwicklung der Kälber kommt?

Energiebombe Zuckerheu

Entscheidend ist dabei die Qualität des eingesetzten Heus. Seit einigen Jahren wird in Österreich sogenanntes „Zuckerheu“ erzeugt, welches eine sehr hohe Qualität aufweist. Dieses Zuckerheu stammt aus sehr grasreichen Beständen, wird früh geerntet und unter Dach getrocknet. Somit weist es hohe Rohprotein-, Zucker- und Energiegehalte auf (siehe Übersicht 1).

In einem Versuch der HBLFA Raumberg-Gumpenstein zusammen mit der Vetmed Uni Wien wurde nun verglichen, welche Auswirkungen der Einsatz von Zuckerheu anstatt einer Kälber-TMR auf die Entwicklung von Aufzuchtkälbern hat. In diesem Versuch wurden 40 Holstein-Kälber in vier verschiedene Futtergruppen eingeteilt:

  1. Heu mittlerer Qualität (MQ-Heu)
  2. Heu hoher Qualität, „Zuckerheu“ (HQ-Heu)
  3. Heu mittlerer Qualität (30 %) plus Kraftfutter (70 %) (MQ-Heu + KF)
  4. Heu hoher Qualität (30 %) plus Kraftfutter (70 %) (HQ-Heu + KF)

Zuckerheu wird gerne gefressen

Die Ergebnisse zeigen, dass die Kälber in den ersten acht Lebenswochen nur sehr geringe Mengen an Festfutter (weniger als 0,5 kg Trockenmasse/Tag) gefressen haben. Auch der Einsatz von Kraftfutter förderte die Festfutteraufnahme in diesem frühen Lebensstadium nicht.

Das liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit am angewandten Tränkeplan. Die Kälber hatten in den ersten vier Lebenswochen freien Zugang zu angesäuerter Vollmilch. Erst ab der 5. Lebenswoche wurde die angebotene Milchmenge langsam und schrittweise reduziert, sodass die Kälber auch in der 8. Lebenswoche noch sechs Liter Milch pro Tag erhielten.

Erst ab der 9. Lebenswoche stieg die Festfutteraufnahme durch die geringer werdende Milchaufnahme an. Am Ende der 12. Lebenswoche wurden die Kälber schließlich abgesetzt. Nach dem Absetzen wurden deutliche Unterschiede in der Festfutteraufnahme zwischen den vier Futtergruppen festgestellt (Übersicht 2):

Die Kälber, die Heu-Kraftfutter-Mischungen bekamen, sowie die Kälber mit ausschließlicher Zuckerheu-Fütterung („HQ-Heu“) fraßen annähernd gleich viel. Im Gegensatz dazu war die Festfutteraufnahme der Gruppe, die nur Heu mittlerer Qualität („MQ-Heu“) erhielt, deutlich niedriger.

Es sieht also ganz danach aus, dass den Kälbern das Zuckerheu sehr gut geschmeckt hat. Darauf deutet auch das Selektionsverhalten der Kälber hin: Die Kälber, die Zuckerheu und Kraftfutter erhielten, selektierten Heu aus der Mischung, während die Kälber, denen Heu mittlerer Qualität und Kraftfutter angeboten wurde, das Kraftfutter selektierten.

Einfluss der Heuqualität auf Wachstum

Häufig wird der hohe Kraftfuttereinsatz in der Kälberfütterung damit argumentiert, dass die Kälber rasch wachsen sollen. Die Ergebnisse dieses Versuchs zeigen aber, dass auch die Heuqualität einen wesentlichen Einfluss auf die Tageszunahmen hat.

Besonders deutlich wurde dies in der Zeit nach dem Absetzen, in der die Kälber nur mehr das jeweilige Festfutter erhielten. Generell waren die Tageszunahmen nach dem Absetzen bei den Zuckerheu-Kälbern mit rund 1.400 bis 1.600 g/Tag deutlich höher als bei den Kälbern, die das Heu mittlerer Qualität fraßen (rund 600 bis 1.000 g/Tag; siehe Übersicht 3).

Besonders interessant ist, dass die Tageszunahmen bei den Kälbern mit ­ausschließlicher Zuckerheu-Fütterung deutlich höher waren als bei den Kälbern, die das Heu mittlerer Qualität und Kraftfutter erhielten. Das könnte einerseits an der hohen Verdaulichkeit des Zuckerheus selbst liegen, aber auch daran, dass das Zuckerheu eine rasche Entwicklung des Pansens und der Verdauungsvorgänge im Pansen fördert.

Stabiler Stoffwechsel

Die Ergebnisse von Stoffwechseluntersuchungen deuten darauf hin, dass Kälber bei ausschließlicher Fütterung von Heu bereits früher höhere Mengen an Nährstoffen aus dem Pansen in das Blut aufnehmen können als bei Fütterung von Heu-Kraftfutter-Mischungen.

Aus Sicht der Tiergesundheit könnte man vermuten, dass der hohe Zuckergehalt im Zuckerheu das Risiko für Pansenazidosen erhöhen könnte. Im vorliegenden Versuch hatte jedoch die Zuckerheu-Fütterung keine nachteiligen Effekte auf den Pansen-pH-Wert.

Mittlere Kosten

Je nach Fütterungsverfahren wurden im vorliegenden Versuch pro Kalb zwischen 80 und 120 kg Festfutter in den ersten 14 Lebenswochen verbraucht, wobei der Futteraufwand bei den Gruppen mit Kraftfutterfütterung etwas höher war. Bei reiner Heufütterung ergab sich ein Heuverbrauch von rund 80 kg (Heu mittlerer Qualität) bzw. 100 kg (Zuckerheu).

Wenn man nun für das Heu jeweils durchschnittliche Preise ansetzt, kommt man auf Festfutterkosten pro Kalb von rund 20 € (Heu mittlerer Qualität) bzw. 55 € (Zuckerheu) in den ersten 14 Lebenswochen. Im Vergleich dazu waren die Festfutterkosten bei Zufütterung von Kraftfutter mit rund 90 bis 100 € pro Kalb deutlich höher.

Zuckerheu als Spezialfutter

Fazit: Die Ergebnisse des Versuchs heben eindeutig die Bedeutung der Heuqualität in der Fütterung von Aufzuchtkälbern hervor. Bei Verwendung sehr hoher Heuqualitäten (über 200 g Rohprotein und Zucker pro kg TM, über 11 MJ ME pro kg TM) kann auf Kraftfutter verzichtet werden, ohne dass die Leistungen der Kälber darunter leiden.

Um diese Qualität zu erreichen, braucht es ein intensives Management des Grünlandes (Bestandszusammensetzung, Düngung) und ein optimiertes Erntemanagement (frühe Ernte, leistungsstarke Unterdachtrocknung). Die Erzeugung von Zuckerheu benötigt viel Know-how, eine entsprechende technische Infrastruktur und ist daher sicherlich nicht an jedem Standort möglich.

Zudem verursacht dieses aufwendige Produktionsverfahren auch Kosten, weshalb Zuckerheu ein vergleichsweise teures Grundfuttermittel ist. Aus ökonomischer Sicht gilt es daher, das Zuckerheu gezielt einzusetzen.

Eine mögliche Strategie ist, das Zuckerheu nach dem Absetzen mit Heu mittlerer Qualität zu mischen und den Anteil des Zuckerheus nach und nach zu reduzieren. Das mach nicht nur aus ökonomischer Sicht Sinn (hohe Kosten für das Zuckerheu), sondern entspricht auch den Empfehlungen für eine angepasste Fütterung von Aufzuchtrindern. In jedem Fall sollte aber das beste Heu am Betrieb den Kälbern vorbehalten sein.

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