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topplus Antibiotika als Ausweg

Therapeutischer Einsatz von Zinkoxid bei Ferkeln seit 20 Monaten verboten

Zinkoxid ist seit fast zwei Jahren im Ferkelstall verboten. Wie sich die Betriebe bei Absetzdurchfall helfen und welche Herausforderungen es gibt.

Lesezeit: 5 Minuten

Unser Autor: Dr. Rene Renzhammer, Veterinärmedizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Schweine

Schnell gelesen

Seit 2022 ist der Einsatz von Zinkoxid über 150 ppm verboten. Grund ist: Das Schwermetall reichert sich in Böden an und kann ins Grundwasser gelangen.

Nicht verboten bleibt Zink als Futter­zusatzstoff in einer Dosierung von maximal 150 ppm (0,015 %), welche den ­physiologischen Bedarf der Tiere abdeckt.

Viele Betriebe setzen Antibiotika ein, doch nicht immer führt dies zur Genesung bei Absetzdurchfall.

Futterergänzungsmittel oder Kren kommen ebenfalls zum Einsatz.

Seit Juni 2022 gibt es das Verbot des therapeutischen Einsatzes von Zinkoxid (> 150 ppm) bei Ferkeln. Während einige Betriebe ihre Ferkel bereits ohne Tierarzneimittel absetzen, müssen andere nun auf Antibiotika zurückgreifen. Immer wieder gibt es jedoch auch Berichte, dass der Einsatz von Antibiotika zu keiner Verbesserung der Absetzdurchfallproblematik geführt hat. Was können mögliche Ursachen dafür sein?

Wirken Antibiotika ähnlich wie Zinkoxid?

Nein, im Vergleich zu Antibiotika, die über einen gezielten Mechanismus gegen bestimmte Bakterien – wie Escherichia (E.) coli – verfügen, besaß Zinkoxid eine Vielzahl an Mechanismen, welche die Darmgesundheit der Ferkel direkt verbessern. Neben antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften, konnte durch die Verabreichung von Zinkoxid auch die Darmbarriere gestärkt und die Produktion von Verdauungsenzymen sowie Wachstumshormonen angekurbelt werden.

Die unterschiedlichen Wirkmechanismen von Zinkoxid und Antibiotika könnten eine mögliche Erklärung dafür bieten, wieso einige Betriebe, in denen seit Sommer 2022 Absetzferkel mit Antibiotika statt Zinkoxid therapiert werden, nun wieder Probleme mit Absetzdurchfall haben.

E. coli ist nicht immer Ursache

Auch wenn bekannt ist, dass es sich bei Absetzdurchfall um ein multifaktoriell bedingtes Krankheitsbild handelt, werden die Begriffe Absetzdurchfall und Colidiarrhö häufig als Synonyme verwendet. Während krankmachende E. coli meistens das letzte Puzzlestück in der Entstehung von Absetzdurchfall bilden, liegen die eigentlichen Ursachen in den fütterungs- und haltungsbedingten Änderungen im Zuge des Absetzprozesses. Insbesondere das häufig nach dem Absetzen beobachtete Hungern führt zu einem erhöhten pH-Wert im Magen, einer verminderten Produktion von Verdauungsenzymen und einer Verkürzung der Darmzotten. Die im Rahmen der kompensatorischen Überfütterung anfallenden Eiweißmengen können daher nicht mehr ausreichend verdaut werden und gelangen in den Dickdarm. Dort dienen diese Proteine als Fermentationsgrundlage für E. coli, deren Wachstum dadurch stark gefördert wird.

Darüber hinaus kann etwa Sojaeiweiß direkt zu einer Entzündung des Darms führen. Hinzu kommen zahlreiche Stressfaktoren wie: Trennung von der Muttersau, Umstallung, Umgruppierung, neues Futter-/Tränkesystem etc. All dies beeinträchtigt die Immunabwehr der frisch abgesetzten Ferkel.

Weitere Möglichkeiten finden

Neben pathogenen  E. coli wird oft über die Rolle von Rotaviren bei der Entstehung von Absetzdurchfall diskutiert. So konnten im Zuge einer dänischen Studie bei frisch abgesetzten Ferkeln mit Durchfall vor allem Rotaviren nachgewiesen werden.

Bei den Rotaviren handelt es sich um Viren mit einer starken Affinität für Darmzellen. Während Rotaviren im Darm von Mastschweinen oder Sauen keine bedeutenden Schäden verursachen, zerstören sie bei Ferkeln die ­für die Nährstoffaufnahme wichtigen Darmzotten. Dies führt in nicht nur zu Durchfall, sondern begünstigt auch das Wachstum von krankmachenden Bakterien – wie E. coli.

Stall auf Rotaviren prüfen

Da Rotaviren in den meisten schweinehaltenden Betrieben vorkommen, reicht der alleinige Nachweis mittels PCR im Kot der Ferkel nicht aus, um festzustellen, ob der Durchfall tatsächlich auf diese zurückzuführen ist oder nicht. In der Vergangenheit wurden im Darm von Ferkeln mit Absetzdurchfall trotz Antibiotikaeinsatz sowohl Gene von Rotaviren als auch ein Zottenverlust nachgewiesen.

Interessant ist vor allem der Umstand, dass von jenen Betrieben im Dünndarm von Saugferkeln, bei denen Rotaviren normalerweise die Schäden verursachen, kein Darmzottenverlust nachgewiesen wurde. Dies könnte ein Hinweis für die Beteiligung von Rotaviren in der Entstehung von Absetzdurchfall sein.

Derzeit ist von mindestens zwei Spezies bekannt, dass sie Durchfall auslösen können – nämlich Rotavirus A und Rotavirus C. Eine Impfung der Muttersauen ist allerdings nur gegen Rotavirus A möglich. Wesentlich dabei ist die Impfung der Sauen mindestens drei Wochen vor dem Abferkeltermin sowie die Sicherstellung einer ausreichenden Kolostrumaufnahme am ersten Lebenstag. Zusätzlich kann eine fachgerechte Reinigung und Desinfektion helfen, den Erregerdruck weiterhin zu senken. 

Probleme trotz Antibiotika

Neben der Vorbeugung von Infektionserregern wie E. coli oder Rotaviren sollte die Relevanz nicht infektiöser Ursachen von Absetzdurchfall keinesfalls missachtet werden. Zu den wesentlichen Vorbeugemaßnahmen zählt sicher die Umsetzung bestimmter Managementfaktoren. Dazu gehören beispielsweise das Belegen der Absetzabteile im konsequenten Rein/Raus-System, eine fachgerechte Reinigung und Desinfektion der Absetzbuchten sowie das Vorheizen der Absetzabteile.

Die Schaffung von Mikroklimazonen bzw. klare Strukturierung der Absetzbuchten in einen getrennten Liege- und Kotbereich ist ebenso hilfreich. Außerdem können durch das Anbieten von Prästartern bzw. Absetzfutter mit hochwertigen tierischen Eiweißquellen die negativen Auswirkungen des Absetzprozesses auf den Verdauungstrakt minimiert werden.

Des Weiteren setzen viele Betriebe ohne Absetzdurchfallproblematik bzw. Einsatz von Antibiotika bestimmte Fütterungsergänzungsmittel – wie organische Säuren, Probiotika oder pflanzliche Präparate wie Kren ein. Im Zuge zahlreicher Studien konnten die positiven Auswirkungen des Einsatzes von Probiotika und Säuren auf die Darmgesundheit von Absetzferkeln bewiesen werden.

Österreichische Betriebe, die ihren Absetzferkeln in den ersten 14 Tagen Kren (bis zu 1 %) zu fütterten, hatten signifikant weniger Probleme mit Absetzdurchfall als andere Betriebe. Die Untersuchungen zum tatsächlichen Wirkmechanismus von Kren auf die Darmgesundheit von Absetzferkeln sind noch ausständig.

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