VLI-Herbsttagung

Innovationen in der Landwirtschaft: Von Start-ups lernen

Veränderte Märkte und Geschäftsmodelle in der Agrarbranche benötigen neue Führungsansätze und Innovations- sowie Gründungslogiken. Darüber diskutierten Experten vergangene Woche in Osnabrück.

Start-ups der Agrarbranche liefern innovative Ideen und Verbesserungsvorschläge entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Große Unternehmen machen sich den Einfallsreichtum der Gründerszene immer häufiger zunutze. Wer in der Branche gewinnt oder verliert habe nicht mehr per se etwas mit der Größe zu tun. Auch nicht mit der Erfahrung oder der Branchensituation. Das verdeutlichte Prof. Dr. Karin Schnitker der Hochschule Osnabrück am Mittwoch auf der Herbsttagung der Verbindungstelle Landwirtschaft und Industrie (VLI) in der Deutschen Bundesstiftung für Umwelt in Osnabrück: „Garagenfirmen sind heute häufig die Gewinner“. Während langjährige, bekannte Branchenriesen, wie Nestle, Coca Cola und Tyson an der Börse starke Einbrüche hinnehmen müssen, sind im Jahr 2020 nachhaltige und innovative Unternehmen mit veränderten Geschäftsmodellen, wie Hello Fresh (+207), Dilivery Hero (+81) und Beyond Meat (+19) die Gewinner.

„In Deutschland gibt es viele Patentanmeldungen, doch richtig rentabel sind nur wenige“, so Schnitker. In der globalen Patentstatistik lag Deutschland 2019 auf Platz 4 hinter China, USA und Japan. Wenn man sich aber die „Total Early Stage Entrepreneurial Aktivity“ aus 2020 anschaue, liege Deutschland nur auf Platz 41 von 43. „In puncto Ideenkapitalisierung und Unternehmertum können wir noch deutlich besser werden. Innovation heißt nicht gleich Neugründung.“

Die Wachstumsraten für Start-ups werden immer stärker und schneller. Auch im Bereich Food braucht es immer weniger Zeit, um ein Unicorn zu werden. Unicorns sind sogenannte Start-ups mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar vor dem Börsengang oder einem Exit. Von 19 globalen FoodTec Startups vor 2012 brauchten 42 % länger als 10 Jahre, um ein Unicorn zu werden. Ab 2012 brauchten von 14 Start-ups 86 % nur drei Jahre.

Eine veränderte Umwelt brauche aber auch veränderte Führungsansätze. Innovationserfolg habe mittlerweile auch etwas mit der Passgenauigkeit der Führung zu tun, betonte die Professorin in ihrem Impulsvortrag. Start-ups würden deutlich agiler arbeiten und Führungskraft wirken als Katalysator in einem selbstorganisierenden System.

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