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Umnutzung: Von alter Hofstelle zum Erlebnisbauernhof

Kein Luxushotel, sondern ein authentischer Ort für Feriengäste sichert Renate Strohm aus Mecklenburg-Vorpommern einen Teil ihres Einkommens.

Lesezeit: 4 Minuten

Ihren Traum vom eigenen rentablen Erlebnisbauernhof hat sich Renate Strohm mit viel Arbeit selbst erfüllt. Sie kaufte 1998 eine Hofstelle mit 28 ha in Diemitz, Mecklenburg-Vorpommern, um dort eine Nebenerwerbslandwirtschaft zu betreiben. Ihr Plan: Die Hofstelle, die ursprünglich der Broilermast diente, sollte zum ungezwungenen Ferienort für Familien werden. Schon die erste Hürde hatte es in sich: Die Behörde stufte den Erlebnisbauernhof nicht als landwirtschaftlich privilegiert sondern als Gewerbe ein und machte einen verfahrensbezogenen Bebauungsplan zur Voraussetzung. 2015 startete Strohm dann den Umbau.

Kaum Beratung für Ferienhöfe

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Die Anfangsschritte waren schwierig für Strohm. Zum einen war sie mit dem Konzept des Erlebnisbauernhofs auf sich allein gestellt. Sie brauchte für die Bank ein realistisches Konzept, dass zur Region passt. „Bis wir die richtige Beratung gefunden hatten, verging einige Zeit. Nur wenige Berater hatten Konzeptvorschläge und betriebswirtschaftliche Kenntnisse von Urlaub auf dem Bauernhof. Die planten zu aufwendig mit Wellnessbereich und teurer Ausstattung“, klagt die Landwirtin. Weiterhelfen konnten ihr die Landwirtschaftskammer in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Zum anderen waren einige Vorgaben des B-Plans hart. Es drohten 230.000 € Anschlusskosten für Wasser und Abwasser. Durch den Bau einer Pflanzenkläranlage konnte Strohm zumindest die hohen Abwasserkosten abwenden.

Das Konzept des Erlebnisbauernhofs kam an. Mit ihrer Idee, sich eine landwirtschaftliche Existenz aufzubauen und gleichzeitig einen Anlaufplatz für Familien in der Region zu schaffen, hat sie beim Programm Neulandgewinner einen Preis gewonnen. Mit dem Geld baute sie in einen alten Stall eine Küche und sanitäre Anlagen. So konnte sie in ihrer 650 m² großen Spielscheune erste Tagesaktivitäten anbieten.

Den Umbau des Gänsestalls zu Ferienunterkünften hat Strohm zum einen über einen Kredit von 600.000 € bezahlt. Zum anderen konnte sie die regionale Wirtschaftsförderung von 33 % auf die Gesamtinvestition in Anspruch nehmen. Das war allerdings an fünfjährige Auflagen geknüpft: Sie musste zwei Arbeitsplätze schaffen, Zimmer mit Frühstück anbieten und touristische Infrastruktur auf dem Hof schaffen. Letzteres ist ihre Spielscheune.

Der Gänsestall hatte von allen Gebäuden die schlechteste Bausubstanz aber den schönsten Blick auf die Pferdewiesen und den Wald. Um Geld zu sparen, floss auch viel Eigenleistung in den Bau. So hat Strohm z. B. die komplette Fassade und die Innenräume gestrichen. „Ich habe viel experimentiert, entgegen mancher Ratschläge der Handwerker“, erzählt sie lachend.

Bauernhof für Familien

Heute kann Renate Strohm 35 Personen auf dem Hof beherbergen. Ihr Angebot:

• drei Ferienwohnungen zwischen 50 und 80 m² groß

• fünf etwa 30 m² große Einzelzimmer, dazu ein Gemeinschaftsraum mit Küche sowie Spiel- und Leseecke

• fünf Bauwagen als Tiny House

Hauptsächlich buchen Familien mit Kindern und Gruppen. Es finden aber auch viele Familientreffen über verlängerte Wochenenden statt. Hauptsaison ist von April bis Oktober, der Winter ist ruhiger. Die weiträumige Natur mit den Seen lockt die Gäste. Doch auch um den Hof gibt es viel zu erleben. Auf 13 ha arrondierter Wiese laufen 35 Pferde, Esel, Ochsen, Schafe und Ziegen. Weitere Nutztiere wie Schweine und Hühner hält Strohm im alten Stallgebäude. Die Landwirtin bietet Reiten, Kutsche fahren, Ochsen kuscheln etc. an. Bei schlechtem Wetter vertreiben sich die Gäste in der Spielscheune die Zeit: die Kinder auf der Strohburg und die großen Besucher mit Angeboten wie Bastel-, Mal- oder Kochkursen.

Im Sommer ausgelastet

Mittlerweile kommt Strohm mit den Vermietungen auf einen Umsatz von rund 100 000 €/Jahr. Bis sie die hohe Auslastung von ca. 60 % hatte, brauchte es eine Anlaufphase von drei Jahren. In der Zeit arbeitete sie noch Teilzeit für das Thünen Institut, um den Kredit zu bedienen. Inzwischen kann sie komplett von den Einnahmen des Hofes leben.

"Ich wollte, dass meine Gäste auch den Nutztieren des Hofes hautnah begegnen."

Strohms Preise sind mit 50 bis 90 €/Tag für die Ferienwohnungen bzw. die Zimmer eher günstig für die Region. „So haben auch einkommensschwächere Familien eine Chance, bei mir Urlaub zu machen“, begründet Strohm. In den Sommerferien belegt sie die Wohnungen nur wochenweise, damit der Reinigungsaufwand in der arbeitsreichen Hochphase nicht zu groß ist. Bei der Reinigung der Wohnung unterstützen vier 450-Euro-Kräfte. Im Büro hilft Strohms Schwägerin ihr einmal im Monat bei der Buchführung. Außerdem nutzt die Betriebsleiterin eine Buchungssoftware, die Buchungen automatisch in den Kalender einpflegt und Buchungsbestätigungen sowie Rechnungen an die Gäste verschickt.

Strohm war froh, dass sie sich gerade in der Aufbauphase auf Freunde und Familie verlassen konnte, vor allem die Kinder mussten oft zurückstecken. Auch heute kommt sie selten vom Hof. „Als Betreiberin sprechen mich die Gäste zu jeder Tages- und Wochenzeit an“, sagt Strohm.

Lesen Sie dazu auch: Wohnen in der alten Scheune

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