Alternative Proteine

Die pflanzliche Alternative zum Hühnerei

Die Neggst Foods GmbH arbeitet an einer Ei-Alternative auf Basis von Süßkartoffeln und Erbsen. Das Start-up hat BayWa als Investor an Bord und will Landwirte in seine Lieferketten einbinden.

Sieht aus wie ein Hühnerei, ist aber rein pflanzlich: Die Neggst Foods GmbH hat eine Ei-Alternative auf Basis von Süßkartoffeln und Erbsen entwickelt, die wie ein Hühnerei aussehen und verwendet werden soll.

Unter anderem ist BayWa als strategischer Investor an Bord. Damit will das Unternehmen regionale Lieferketten aufbauen. Wir sprachen mit Verónica García Arteaga, CEO und Gründerin des Unternehmens.

Wer steckt hinter „Neggst“?

Garcia-Arteaga: Hinter unserem 2021 gegründeten Unternehmen stecken Gesichter der Lebensmitteltechnologie. Heute werden wir durch verschiedene Investoren unterstützt, darunter Zentis und Ehrmann sowie das Fraunhofer Institut und BayWa Venture.

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Neggst-Gründerin und Lebensmitteltechnologin Veronica Garcia-Arteaga (Bildquelle: Neggst)

Woran arbeiten Sie?

Garcia-Arteaga: Wir möchten eine Alternative zum Ei schaffen, mit der auch Menschen, die sich rein pflanzlich ernähren wollen oder aus gesundheitlichen Gründen keine Eier essen können, typische Eierspeisen genießen können. An der Entwicklung haben wir bereits mehrere Jahre geforscht. Nun gibt es einen brauchbaren Prototypen. Die pflanzliche Ei-Alternative besteht u.a. aus Erbsen und kann wie ein tierisches Ei zum Backen und Kochen oder Rühr- und Spiegelei verwendet werden.

Ein pflanzliches Äquivalent herzustellen, welches dem Hühnerei in Sachen Nährwerten und Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten ähnlich ist, war definitiv eine Herausforderung. Auch die Textur von Eiern ist komplex.

Aktuell verarbeiten wir nur kleine Mengen, planen aber im Laufe dieses Jahres die industrielle Produktion und den Markteintritt.

Woraus genau besteht Ihr Produkt?

Garcia-Arteaga: In Aussehen und Verarbeitung soll unser Produkt dem herkömmlichen Hühnerei möglichst nahe kommen. Ungefähr 85% unseres Produktes ist Wasser, das heißt, wir brauchen ca. 150g Rohwaren für 1kg Neggst. Neggst basiert auf Süßkartoffeln, Hülsenfrüchten sowie pflanzlichem Öl. Die Süßkartoffel sorgt für die gelbe Farbe. Außerdem reichern wir das Ei mit Vitamin B12, Vitamin D sowie Karottenkonzentrat und zwei Ballaststoffträgern an.

Ungefähr 85% unseres Produktes ist Wasser, das heißt, wir brauchen ca. 150g Rohwaren für 1kg Neggst.

Da Hühnereier ein sehr komplexes Nahrungsmittel sind, haben wir uns über zwei Jahre damit beschäftigt, ein pflanzliches Äquivalent herzustellen, welches dem Hühnerei in Sachen Nährwerten und Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten nahe kommt.

Und die Schale?

Garcia-Arteaga: Die Schale basiert auf Calcium sowie einem Biokunststoff. Sie zerbricht wie eine Hühnerei-Schale. Wir haben intensiv mit dem Fraunhofer-Institut zusammengearbeitet, um eine ideale Schale zu entwickeln. Die Materialentwicklung ist mittlerweile weitgehend abgeschlossen, Eierschalen werden bereits im Pilotmaßstab produziert.

Woher beziehen Sie die Rohstoffe, wie die Süßkartoffeln oder das Öl?

Garcia-Arteaga: Aus Deutschland bzw. Europa.

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Die pflanzliche Alternative zum Ei soll sich wie ein Hühnerei verarbeiten lassen. (Bildquelle: Neggst)

Ist es realistisch, dass in Zukunft heimische Landwirte die Rohstoffe für Ihre Produkte anbauen?

Garcia-Arteaga: Absolut. Wir diskutieren aktuell mit unseren Partnern aus dem Agrarbusiness, wie wir einen Prozess aufbauen können, von dem auch unsere Landwirte profitieren können. Neben dem Bezug von Rohstoffen könnten wir uns sogar vorstellen, die Distribution über Landwirte auf regionaler Ebene zu diskutieren. Das wäre etwas ganz Neues in dem Bereich, von dem beide Seiten profitieren könnten.

Wir diskutieren aktuell mit unseren Partnern aus dem Agrarbusiness, wie wir einen Prozess aufbauen können, von dem auch unsere Landwirte profitieren können.

Wir hatten bereits interessante Gespräche mit Landwirten über eine mögliche Zusammenarbeit und sind offen für Gespräche. Dabei müssen wir aber einen Schritt nach dem nächsten gehen und darauf achten, wie bzw. ab welchem Zeitpunkt in der Skalierung der Produktion es sinnvoll und wirtschaftlich für Landwirte ist, einen Direktbezug einzugehen.

Hierbei unterstützt uns auch einer unserer Gesellschafter, der BayWa AG, so nehmen wir z.B. in diesem Jahr bei Exaktversuchen der BayWa zu exotischen Leguminosen wie Mungobohne, neue Erbsen, Ackerbohnen und Kichererbsensorten als möglicher Abnehmer teil und bereiten uns so ganz praktisch für eine engere Zusammenarbeit mit der heimischen Landwirtschaft vor.

Einige Landwirte sehen Ihre Geschäftsidee aber vermutlich eher skeptisch oder betrachten sie als Konkurrenz. Wie stehen Sie dem gegenüber?

Garcia-Arteaga: Vorweg: Wir glauben nicht, dass Ei aus unserem Speiseplan verschwinden wird, sondern sind überzeugt, dass die Auswahl an Optionen vielfältiger wird. Wir beobachten, dass mehr Leute sich flexitarisch ernähren und sehen sowohl für den Ei-, als auch für den Ei-Ersatzmarkt Wachstumspotenziale. Genau wie das Bio-Ei ein Teil des Eiermarktes ist, gehen wir davon aus, dass auch Ei-Alternativen perspektivisch ein Teil des Eiermarktes sein werden.

Wir glauben nicht, dass Ei aus unserem Speiseplan verschwinden wird, sondern sind überzeugt, dass die Auswahl an Optionen vielfältiger wird.

Bei pflanzlichen Proteinen spart man sich quasi den Weg der Pflanzenproteine durch den Körper des Tieres. Die so eingesparten Ressourcen können wiederum in die Herstellung von Nahrungsmitteln gesteckt werden.

Am Ende kommt aber alles, was bei uns auf dem Teller landet, von unseren Landwirten – ob Hühnerei oder pflanzliche Ei-Alternative, deswegen kann eine nachhaltige und effiziente Ernährung der Menschheit nur funktionieren, wenn Industrie und Landwirtschaft an einem Strang ziehen. Eine gute Zusammenarbeit ist uns daher von Beginn an sehr wichtig.

Was sind die nächsten Schritte im Hinblick auf Produktion und Vertrieb?

Garcia-Arteaga: Unsere Ei-Alternative wird zurzeit in kleinen Mengen im Werk von Zentis in Aachen produziert. Die Produktionskosten für eine Tonne von unserem Ei betragen zur Zeit ungefähr 2200€. Damit ist die Produktion etwas teurer als bei einem Hühnerei.

Das Endprodukt, das für Konsumenten im Laufe des Jahres im Supermarkt zu erhalten sein soll, wird perspektivisch preislich mit Bio-Hühnereiern zu vergleichen sein. Aktuell beliefern wir erste Restaurants, wollen das aber ausweiten und auch B2B-Kunden beliefern.


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