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Landwirtschaft im Umbruch: Welche Trends bringt die Zukunft?

Viele Entwicklungen bringen derzeit die gewohnte Mechanik in der Landwirtschaft durcheinander. Welche Trends bringen die kommenden Jahre und was heißt das für die Landwirtschaft?

Lesezeit: 6 Minuten

Viele Kräfte bringen derzeit die gewohnte Mechanik im Agrarsektor durcheinander und führen die Branche in eine „neue Realität“. Dazu zählen zum Beispiel Verwerfungen auf den globalen Märkten und eine Grundsatzdebatte über die Ausrichtung der Landwirtschaft hinsichtlich Ökonomie, Ökologie und sozialen Aspekten. Zwei Zukunfts- und Agrarforscher blickten bei der DLG-Wintertagung auf die Trends der nächsten Jahre und was die „neue Realität“ für den Sektor bedeutet.

Welche „Megatrends“ bringt die Zukunft?

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Um die größten Veränderungen in den nächsten Jahren einschätzen zu können, müsse man die sogenannten „Megatrends“ betrachten. „Megatrends beeinflussen unseren Alltag – unsere Ernährung, Gesundheit oder wie wir mobil sind“, so Dr. Eike Wenzel, Gründer und Leiter des Instituts für Trend- und Zukunftsforschung. Wer sie nicht berücksichtigt, werde dennoch ihre Auswirkungen zu spüren bekommen. Als zentrale Trends nannte er unter anderem den Klimawandel, die Energiewende, Rohstoffe (Wasser, Metalle, Agrar), das Bevölkerungswachstum in Städten, den demografischen Wandel, Gesundheit, Digitalisierung, Bildung und Individualisierung.

Der Zukunftsforscher geht davon aus, dass sich besonders junge Menschen künftig über ihre Ernährung und definieren werden. Im Fokus stünden unter anderem alternative Eiweißquellen. Für die Landwirtschaft bedeute das: mehr Bio, eine regionalere Produktion und mehr kleine und mittelständische Unternehmen. Seiner Meinung nach könne aber nicht allein der Konsument oder die Umstellung des Konsumverhaltens einen Wandel in der Landwirtschaft antreiben. Die Landwirtschaft müsse die Megatrends selbst anfassen und den Wandel antreiben.

Keine fleischlose Zukunft

„Dass wir in puncto Ernährung direkt auf eine fleischlose Zukunft zusteuern, glaube ich nicht“, so Wenzel. Beispielsweise sei in-vitro-Fleisch, also Fleisch aus dem Labor, zwar ein Thema, aber derzeit noch Zukunftsmusik, da man vor allem beim Energiefaktor noch große Fragezeichen habe. Schnelle Schritte und einen nachhaltigen Wert sieht er in dieser Entwicklung derzeit nicht.

Wachstum und Potenzial sieht der Forscher allerdings im Bereich alternative Proteine. „Mit welchem Wagniskapital man in diese Märkte hineingeht, zeigt uns, dass das kein Hype und keine Nische, sondern ein fundamentaler Wandel ist.“ Dennoch seien nicht alle Alternativprodukte ernsthafte Konkurrenz. Aber viele Milchalternativen könnten allein aus Kosten- und Produktionssicht mit Kuhmilch mithalten. Mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung sei es immer wichtiger, das Rennen um Proteinalternativen für Fleisch und Milch aufzunehmen.

Potenzial sieht Wenzel auch im Bereich Vertical Farming. „Was vor zehn Jahren noch ein völliges Hirngespinst war, ist mittlerweile in der Realität angekommen.“ Trotz zahlreicher Argumente für die Technologie – z. B. ein bis zu 90 % geringerer Wasserverbrauch und eine Produktion in unmittelbarer Nähe zum Konsumenten – sei auch hier der hohe Energieverbrauch ein Knackpunkt.

Vier Hypothesen zum Wandel

Mit Blick auf die nächsten Jahre stellte Wenzel vier Hypothesen auf.

  1. „Genug für alle“ ist die große Herausforderung. Möglichst viel zu möglichst günstigen Preisen gilt nicht mehr. Statt Überfluss zu produzieren, gehe es darum, gesunde Lebensmittel unter anständigen Arbeitsbedingungen zu produzieren.
  2. Nur ein neues Gespräch zwischen Industrie und Politik kann den Systemwechsel voranbringen: Der Einfluss der Marktlogik auf das weltweite Ernährungssystem müsse begrenzt werden.
  3. Individuelle Ernährungskompetenz braucht verantwortungsvolle Märkte: Das könne aber nur gelingen, wenn Gesellschaft und Politik das klare Anreize für die Herstellung, das Marketing und den Konsum von gesunden Lebensmitteln schaffen.
  4. Mittelständischer werden: Im Anschluss an die positiven Effekte regionaler und lokaler Wertschöpfung in der Pandemie ist die Politik gefordert, Mittelstand und Kleinunternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu fördern. Es gehe um (Lebens-)Qualität statt betriebswirtschaftlicher Effizienz.

Ähnlich wie Dr. Wenzel sieht auch Prof. Dr. Alfons Balmann, Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, regionale und globale Trends auf die Branche zurollen.

Globalisierung und veränderte Konsumveränderungen

Weltweit werden laut Balmann neue Technologien, die Globalisierung, der interregionale Wettbewerb, der Klimawandel und die sich verändernden Konsumgewohnheiten entscheiden.

Mit Blick auf die Konsumgewohnheiten stellte Balmann fest: „Weltweit gibt es nach wie vor einen Boom der Nachfrage nach tierischen Produkten insgesamt.“ Allerdings müsse man nach Region unterscheiden. In Deutschland sei der Schweinefleischkonsum in den letzten 20 Jahren um 20 % zurückgegangen. Diese Dynamiken werden sich seiner Meinung nach weiter beschleunigen. Das müsse man auch im Blick haben, um zu entscheiden, wie man mit Forderungen wie der Borchert-Kommission umgeht.

„Ökolandbau löst das Konsumproblem nicht“

„Vielfach wird argumentiert, wir könnten mehr Ökolandbau betrieben und dafür weniger konsumieren und weniger Abfälle produzieren oder weniger Fleisch essen. Das kann man sich so wünschen und Politik in diese Richtung betreiben. Aber wir haben nach wie vor Streben nach Wirtschaftswachstum, das derzeit überwiegt“, stellte der Direktor fest.

Die Globalisierung und der internationale Handel haben enorm dazu beigetragen, die weltweite Versorgung mit Nahrungsmitteln zu sichern. „Es gibt viele Gründe, die für Regionalität sprechen. Aber mit ökologischer und ökonomischer Effizienz hat das oft wenig zu tun“, so Balmann. Man könne gleichzeitig nicht von Regionalitätsbewegungen erwarten, dass dadurch Klimaprobleme gelöst werden.

Demografischer Wandel und fehlende Akzeptanz

Auf regionaler Ebene werde laut Balmann die geringere Rentabilität der allermeisten Betriebe den Wandel im Sektor antreiben. Strategische Fragen müssten in Zukunft noch intensiver beackert werden. Hier müsse sich die Landwirtschaft stärker an anderen Branchen orientieren. „Wenn viele unrentable Betriebe im eigenen Umfeld einfach weitergeführt werden, weil Fördermittel fließen, Steuervorteile locken oder sie keine Alternativen erkennen. In so einem Umfeld würde sich ein Unternehmertyp vermutlich anderweitig umsehen und echte Alternativen suchen, anstatt zu überlegen, einen neuen Stall zu bauen.“

Doppelt soviele Leute werden aus dem Berufsleben ausscheiden, wie neu einsteigen. Daher konkurrieren die ländlichen Regionen mit anderen Regionen und Branchen um knappe Arbeitskräfte." - Prof. Dr. Alfons Balmann

Auch der demografische Wandel als regionaler Treiber schlage zu Buche: „Doppelt soviele Leute werden aus dem Berufsleben ausscheiden, wie neu einsteigen. Daher konkurrieren die ländlichen Regionen mit anderen Regionen und Branchen um knappe Arbeitskräfte.“

Als weiteren Punkt nannte er die fehlende Akzeptanz von Anpassungen. „Es wird oft problematisiert, dass man die regionale Konzentration der Tierhaltung verringern müsse. Ein Teil der nordwestdeutschen Tierhaltung solle nach Brandenburg wandern. Neben anderen Problemen, die sich dabei ergeben würden, wäre gerade in vieharmen Regionen der organisierte Widerstand gegen die Tierhaltung enorm groß.“

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