Digitale Grüne Woche

Start-up-Szene: Kaum Investoren für Markteintritt und Produktdemo

Wie können sich Start-ups nach der ersten Gründungsphase weiter finanzieren und einen Markteintritt gestalten? Im DBV-Panel "Start-up - Step forward" sprachen Gründer und Unterstützer.

Innerhalb der Start-up-Community in der Agri-Food-Branche versuche der Deutsche Bauernverband e.V. (DBV) ein Netzwerk zu schaffen. Sie wollen die Türen öffnen und zeigen, dass es viele Möglichkeiten gibt, sich zu vernetzen und Investoren für sich zu gewinnen, so Gerald Dohme, Mitglied der Geschäftsführung des DBV.

Die Diskussionsrunde zur digitalen Grünen Woche (IGW) stand im Zeichen der Unternehmensfinanzierung nach der ersten „echten“ Gründungsphase. Dazu sprachen unter der Moderation von Dohme (DBV) und Matthias Mehner, Andreas Hermes Akademie, die Gründer Carolin Ackermann, CEO und Co-Founder von Seawater Cubes und Dominik Ewald, Co-Founder und Geschäftsführer bei MonitorFish und Mitglied der German Agri Food Society, sowie Nikola Steinbock von der Rentenbank und Lars Jaeger, Projektleiter der IGW.

Der Markteinstieg ist die große Hürde

Carolin Ackermann ist Gründerin und CEO von SEAWATER Cubes. Das Start-up ermöglicht es Meeresfische auch im Inland zu züchten, um eine, wie das Unternehmen es beschreibt, „dezentrale Versorgung mit frischem Meeresfisch aufzubauen.“

Ackermann

Carolin Ackermann wünscht sich zum Thema Finanzierungsmodelle einen größeren Austausch mit der Politik. Es gebe bereits viele staatliche Finanzierungsprogramme. In Zukunft sollten jedoch vermehrt Start-up-Gründer in die Konzipierung die Konzipierung der Modelle einbezogen werden. (Bildquelle: Screenshot)

Laut Ackermann werden vor allem für die Gründung und Skalierung von Start-ups verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten angeboten. Woran es jedoch hadere, sei die konkret finanzielle Hilfe für den Markteintritt. Dort fehle es an Mitteln, um bspw. Demonstrationslösungen aufzuzeigen und dadurch neue Investoren und Kunden zu gewinnen, erklärt die Gründerin.

Als Unterstützer sehe sie hauptsächlich Venture Capital Gesellschaften, die jedoch größtenteils in den Food-Bereich investieren würden. „Im AgTech-Bereich gibt es zwar auch eine Handvoll (Investoren), da besteht aber noch ein Nachholbedarf“, so Ackermann. Sie setze mit ihrem Unternehmen daher hauptsächlich auf private Investoren. Diese konnten sie über frühere PR-Aktivitäten für sich gewinnen.

Start-ups benötigen Netzwerke

Gleich zwei Seiten der Branche kann Dominik Ewald beleuchten. Er ist sowohl Gründer und Geschäftsführer des Tech-Start-ups MonitorFish als auch Mitglied der German Agri Food Society. Er wies darauf hin, dass es für einen gelungenen Markteinstieg wichtig sei, sich Gedanken darüber zu machen, wie man sein Unternehmen vorstellt, sodass es möglichst viele potenzielle Kunden erreicht. Dabei komme es größtenteils auf den „Produktfit“ an. „Im Agrarbereich stoßen wir auf ein Marktsegment, in dem jeder Euro zehnmal umgedreht wird“, so Ewald. „Vor allem in unserer Branche ist eine große Herausforderung, die eigene Gründungsgeschichte so zu erzählen, dass Investoren Chancen sehen und den Markteinstieg mitfinanzieren.“ Gerade dort werde es sehr deutlich, dass Start-ups dringend eigene Netzwerke benötigen, um Kunden, Mitarbeiter und Partner zu finden.

Wir haben viel privates Kapital in Deutschland, was aber meistens, gerade im Start-up-Bereich ins Ausland geht.“ - Ewald

Für den Einstieg in den Markt, sei ein Blick über den Tellerrand in verschiede Märkte hinein Pflicht, so der Gründer. Die German Agri Food Society unterstütze junge Unternehmer dabei auch im internationalen Gebiet. Deutschland habe seiner Meinung nach gegenüber anderen Staaten noch Entwicklungsbedarf. „Wir haben eine recht starke staatliche Anfangsfinanzierung, sodass viele Investoren zu Beginn noch kein Risiko eingehen wollen. Erst wenn der Laden brummt wollen sie einsteigen“, erklärt Ewald. Außerdem sehe er einen Trend darin, dass deutsche Investoren häufig eher in ausländische Unternehmen investieren. Um diesen Trend umzukehren, sei es „gar nicht so verkehrt, einen Finger in die Wunde zu legen“.

Rentenbank bietet Unterstützung

Als Sprecherin für die Seite der finanziellen Unterstützer und Investoren sprach Nikola Steinbock vom Vorstand der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Sie unterstrich ebenfalls die Relevanz einer fesselnden Produktvorstellung. „Man muss sauber erklären können, was man vorhat und muss das auch mit Unterlagen belegen können“, so Steinbock. Dabei sollten sich Gründer die Frage stellen, womit sie die Investoren auf ihre Seite bekommen können. Solche Hilfestellungen biete die Rentenbank nicht nur in Form von eigenen Finanzierungsmöglichkeiten sondern auch durch unterstützende Gründer-Boot-Camps an.

Steinbock, Rentenbank

Die Rentenbank will auch weiterhin verstärkt als Plattform für die Vernetzung von Start-ups mit Investoren und Kunden bereitstehen. Um dabei auch Nachhaltigkeitsziele zu erreichen müsse die Rentenbank jedoch alt und neu noch stärker zusammenbringen, so Nikola Steinbock. (Bildquelle: Screenshot)

Sie sehe die Aufgabe der Rentenbank darin, Start-ups miteinander zu vernetzen und ihnen innerhalb der Branche eine Plattform zu bieten. Außerdem wolle sie die Nachhaltigkeitsstrategien der Gründer unterstützen: „Nachhaltigkeitsziele erreichen wir nur gemeinsam, da müssen wir alt und neu noch mehr zusammen bringen“, so die Sprecherin. In diesem Zuge bringe die Technologie vieler junger Unternehmen Möglichkeiten für die Zukunft. „Wir exportieren Knowhow und Technologie für die Welt von morgen“, erklärt Steinbock und setzt dabei ebenfalls auf den Ausbau der künftigen Rolle Deutschlands in der Internationalen Wirtschaft.

Auch das Projektteam der IGW will in Zukunft eine größere Plattform für Start-ups schaffen. Bisherige Strukturen könnten dabei als Eckpfeiler für eine neue Start-up-Themeninsel dienen, um die Gründungsthematik zusammen mit Finanzierungs- und Nachhaltigkeitsthemen in eine gemeinsame Messelandschaft zu integrieren, erklärt Lars Jaeger, Projektleiter der IGW bei der Messe Berlin GmbH.

Das Fazit

Grundsätzlich herrscht innerhalb der Agri-Food- und StartUp-Branche der gleiche Tenor. Vor allem die inländische Finanzierung durch Investoren müsse gefördert werden. Es sei wichtig, auch einen Blick auf die neuen Unternehmen der Ernährungsbranche zu werfen, die neben vielen Tech-Firmen wachsen. Dadurch werde klar, welche Themenschwerpunkte in Zukunft wachsen, sind sich die beiden Gründer Carolin Ackermann und Dominik Ewald einig. Sie wünschen sich für einen Austausch noch mehr Möglichkeiten und Räume. Das unterstreicht auch Nikola Steinbock: „Ernährung und Landwirtschaft gehen jeden etwas an, auch wenn das nicht mehr alle so wahrnehmen. Da müssen wir noch mehr Möglichkeiten und Strukturen zu Unterstützung schaffen.“ Für die Seite des DBV setzt hier auch Gerald Dohme an: „Wir versuchen das Berufsbild der Landwirtschaft neu skizzieren.“ Der Bauernverband wolle in diesem Zuge auch den StartUps in der Branche weiterhin bei Seite stehen und als Netzwerkorganisation unterstützen.


Mehr zu dem Thema