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Junglandwirt und Algenpionier

Der landwirtschaftliche Betrieb Heins gilt als einer der Pioniere in der Algenzucht. Heute stellen die Einzeller ein lukratives Standbein für den Betrieb dar. Doch der Weg dahin war kein Selbstläufer.

Lesezeit: 6 Minuten

Wie lässt sich der Hof weiterentwickeln, damit er langfristig unabhängiger wird und in 20 Jahren noch zukunftsfähig ist? Vor dieser Frage stand auch Junglandwirt Maarten Heins vor einigen Jahren. Der Hof Heins zwischen Bremen und Hamburg ist ein klassischer konventioneller Betrieb. „Ackerbau mit Getreide und Mais, Schweinemast und Legehennen für die Direktvermarktung“, zählt Maarten Heins auf. Für ihn war klar, dass er so früh wie möglich eigenständig Projekte in die Wege leiten will. „Die Erweiterung der konventionellen Schweinemast war keine Option für uns, auch weil wir nicht besonders flächenstark sind“, blickt der 24-Jährige zurück.

Das Thema Mikroalgen kam Vater Johannes Heins erstmalig 2012 zwischen die Finger und begeisterte Vater und Sohn auf Anhieb. Mikroalgen gelten als Superfood. Reich an Proteinen und Vitaminen, werden sie in Asien schon lange hoch geschätzt. Als Pulver im Müsli, flüssig im Smoothie oder als Spirulina-Eis findet die Alge auch in Deutschland in der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie Anklang.

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Ich kann nicht einfach einen Eimer mit Wasser füllen und hoffen, dass da meine gewünschte Alge drin wächst. - Maarten Heins

Vater und Sohn waren nach eigenen Angaben mit ihrem Einstieg im Jahr 2016 die ersten Landwirte, die die Algenzucht im großen Stil auf einem landwirtschaftlichen Betrieb umgesetzt haben. Heute, sechs Jahre später, läuft die Zucht. Auf einer Gewächshausfläche von 2.500 m² produziert Familie Heins die Sorte Spirulina für die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie. Doch der Weg dahin war kein Selbstläufer. „Ich kann nicht einfach einen Eimer mit Wasser füllen und hoffen, dass da meine gewünschte Alge drin wächst, sondern muss auch dafür sorgen, dass sich keine fremden Algen dort ansiedeln“, sagt er.

Kostengünstiger, pragmatischer Einstieg

Nachdem Vater und Sohn verschiedene Produktionssysteme durchgerechnet hatten, stand fest: Der Einstieg sollte möglichst pragmatisch und kostengünstig erfolgen, um das Risiko gering zu halten. „Der Weg zum erfolgreichen Algenproduzenten ist ein Sprung ins Blaue, es gibt kaum verlässliche betriebswirtschaftliche Datengrundlagen“, sagt der Hofnachfolger. Statt geschlossener Reaktoren, die das Vierfache an Investitionen bedeutet hätten, startete die Familie mit einem gebrauchten Gewächshaus. „Im Nachhinein war es genau die richtige Entscheidung.“ Mit der Wärme der benachbarten Biogasanlage nutzt die Familie eine günstige Heizquelle.

Aller Anfang ist schwer

Gestartet sind Maarten und Johannes Heins mit der Sorte Chlorella vulgaris. Produktions- und Erntetechnik kauften sie von extern zu. Ein fester Liefervertrag mit einem Abnehmer sicherte die Einnahmen für die ersten zwei Jahre. Doch die Zucht lief anfangs alles andere als rund. „Über zwei Jahre haben wir die Sorte produktionstechnisch nicht in den Griff bekommen, weil die Probleme mit Fremdalgen und Mikroorganismen zu groß waren.“ Auch das Erntesystem war weit von jeglicher Praxisreife entfernt, so der Junglandwirt. Ständige Bestandskontrolle und Untersuchung des Nährstoffgehalts im Wasser seien Pflicht.

Mit dem Wechsel auf die Sorte Spirulina im Jahr 2018 verbesserte sich die Effizienz. Über die Jahre investierte Familie Heins etwa 400.000 € in die Algenzucht, die sich als Standbein mittlerweile gut selbst trägt. Rund zwei Tonnen Mikroalgen erntet die Familie heute pro Jahr. Im Sommer manchmal 300 kg im Monat, in Wintermonaten sind es 100 bis 150 kg.Geerntet wird täglich beziehungsweise pro Becken drei Mal in der Woche mit einer Tauchpumpe. Dabei entnimmt man nur je ein Drittel der Algen, damit genügend zur Weitervermehrung bleiben. Ist die Algen-Biomasse aus dem Wasser herausgefiltert, bleibt eine Paste zurück, die in Wellenform auf Blechen in einem auf 45°C erhitzten Raum getrocknet wird.

Wohin mit dem Endprodukt?

Abnehmer der Algen ist der Großhandel. Umsätze will uns der Junglandwirt keine verraten – die Preisspanne liegt je nach Verarbeitungsform etwa zwischen 45 und 80 € pro kg. Aus den Chips ließe sich viel machen, von der Kosmetik bis zum Nahrungsergänzungsmittel, sagt Maarten. „Die Alge ist ein Superfood. Sie ist sehr proteinreich, hat reichhaltige Vitamine und Mineralien. Vitamin B12, was wir mit der Nahrung hauptsächlich aus Fleisch zu uns nehmen, ist hier quasi in der veganen Form vorhanden."

Dennoch ist sich der Landwirt bewusst, dass Algen in der nächsten Zeit kein Standardlebensmittel werden. Wegen der geringen Tagesmengen als Nahrungsergänzungsmittel bewege sich das hochwertige Eiweiß in einem Nischenmarkt. Dennoch sei der Anteil deutscher Algen in diesen Branchen bislang noch sehr klein, weshalb der Betrieb Chancen in einer regionalen Wertschöpfung sieht.

Wie geht es weiter?

Das Standbein Algenzucht trägt sich mittlerweile selbst. Noch liegt der Umsatz der Algenzucht aber unter dem des Landwirtschaftsbetriebs. Das könnte sich aber bald ändern. Denn als nächstes auf dem Plan steht die eigene Verarbeitung und Vermarktung der Algen. Spruchreif sei bisher aber noch nichts.

„Ich hab die Vision, dass man frische Algen auch essen kann, und die wollen wir auch den Leuten verkaufen. Das wäre viel interessanter als ein Pulver oder eine Tablette zu schlucken und macht das Produkt Alge greifbarer.“ Statt die Produktionsmenge auszuweiten, will der Betrieb in Zukunft auf eine höhere Wertschöpfung setzen und eine eigene Marke aufbauen.

Kein Selbstläufer

Viele Betriebe suchen derzeit nach neuen Standbeinen abseits ausgetretener Pfade. „Auch wenn die Alge Potenzial hat, sind sowohl Produktion als auch Vermarktung kein Selbstläufer“, sagt Maarten Heins. „Bei dem einen oder anderen ist die anfängliche Euphorie in Ernüchterung umgeschlagen, weil sich Fremdalgen angesiedelt haben oder das Produktionssystem ungeeignet war.“

Dabei muss man das Rad nicht neu erfinden, man kann sich viele bestehende Systeme angucken und sich erkundigen. - Maarten Heins

Dennoch wundert es den Junglandwirt, wie viele Fehler einigen Neueinsteigern noch immer unterlaufen. „Dabei muss man das Rad nicht neu erfinden, man kann sich viele bestehende Systeme angucken und sich erkundigen.“ Es sei daher jedem, der in das Algengeschäft einsteigen möchte, zu empfehlen, sich im Vorfeld intensiv mit der Biologie der Algen zu beschäftigen. Grundvoraussetzung für eine rentable Zucht sei außerdem eine günstige Wärmequelle.

Der Betrieb Heins hat derweil schon mit verschiedenen Institutionen und Hochschulen Forschungsprojekte umgesetzt, um das erlangte Wissen weiterzugeben, unter anderem der Hochschule Bremen und einem Alfred-Wegner-Institut.

Auch eine lukrative Vermarktung ist wesentlich für den Erfolg. „Man ist in der Landwirtschaft oft nur darauf fokussiert, die Produktion am Laufen zu halten. Doch die Algenzucht ist kein Produktionszweig, in dem man „nur“ an der Stellschraube der Produktion schraubt, sondern man muss sich wie jedes andere Unternehmen auch um den Vertrieb kümmern.“ Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sei die Menge produzierter Biomasse und der Preis pro kg Trockenmasse. „Am Markt ist aber der Preisdruck durch Ware aus Asien nicht zu unterschätzen“, so Maarten Heins.

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