Glosse

2030: Der virtuelle Wolfschutzzaun

Virtuelle Zäune sollen per Elektro-Halsband Rinder in der Weide halten. Aber wäre das nicht eine Idee, um den Wolf aus den Weiden zu halten? Eine (satirische) Einordnung.

Die Meldung "Kühe virtuell einzäunen" ließe sich überspitzt und mit einem deutlichen Augenzwinkern auch folgendermaßen weiterdenken:

"Hier beginnt die Wolfschutzzone. Betreten auf eigene Gefahr." So steht es 2030 auf einem Schild am Rande eines Waldes in Brandenburg. Wenige Meter hinter dem Schild sitzt ein Rudel Wölfe und wartet auf die nächste Fütterung. Einen physischen Zaun gibt es nicht. Stattdessen tragen alle freilebenden Wölfe in Deutschland jetzt Halsbänder mit Transpondern. Wenn sie ihre vorgegebene Zone verlassen, bekommen sie ein akustisches Signal und im Zweifel einen elektrischen Impuls. Das haben sie mit der Zeit schnell gelernt. Schließlich sind es ja besonders clevere Tiere, die in der Vergangenheit sogar 2 Meter hohe Zäune überspringen und die Herdenschutzhunde überlisten konnten.

Die virtuellen Wolfschutzzäune gibt es noch nicht lange. Die Idee kam von Landwirten. Sie wollten ihre Weiden digital zuteilen und Ausbrüche der Rinder vermeiden. Doch dann drehten sie die Idee um und schützen jetzt ihre Weidetiere vor Einbrüchen.

Heute, im Jahre 2030, ist genau definiert, wo der Wolf wildern darf: In dichten Wäldern mit hoher Wildpopulation. Auf weiten Truppenübungsplätzen. Fernab der Schafe auf den Deichen oder der Kühe auf den Bergalmen. Seit der Einführung der virtuellen Wolfregionen können Schäfer und Mutterkuhhalter endlich wieder ruhige schlafen. Und auch der Staat spart viel Geld: Schließlich muss er nun keine aufwändigen Wolfschutzzäunen und Entschädigungen an Weidetierhalter mehr finanzieren.

In den per App virtuell eingezäunten Regionen können sich die Wölfe jetzt frei bewegen. Damit sie auch satt und gesund bleiben, treiben Landwirte und Jäger regelmäßig Tiere in die Wolfschutzzonen. Die Tierhalter können somit wieder selber selektieren, welche Tiere sie den Isegrims überlassen. Für die meist kranken oder altersschwachen Tiere bekommen sie vom Staat eine kleine, lukrative Entschädigung. Und auch für Tierschützer macht die Raubtierfütterung in der virtuellen Wolfregion Sinn. Schließlich hatten sich die Wölfe zuvor auch auf den eingezäunten Weiden an einem all you can eat-Buffett der Nutztiere bedienen können. Der virtuelle Wolfschutzzaun. Ein Gewinn für alle.


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