Messe Hannover

Das sind die Trends zur Tierhaltung auf der EuroTier 2022

Prof. Dr. habil. Heinz Bernhardt war in der DLG-Neuheitenkommission und berichtet, was die Besucher der EuroTier nächste Woche in Hannover an spannenden Innovationen erwartet.

Für eine DLG-Mitteilung fasst Prof. Dr. habil. Heinz Bernhardt die Trends auf der am Dienstag startenden EuroTier zusammen. Er war Mitglied in der EuroTier-Neuheitenkommission und arbeitet am Lehrstuhl für Agrarsystemtechnik an der Technischen Universität München in Freising.

Die EuroTier ist die weltweit führende Plattform für Innovationen in allen Bereichen der Tierhaltung. Bei vielen Herstellern ist der Trend zu Smart Farming deutlich zu erkennen und zeigt sich qualitativ in den eingereichten Neuheiten, die umfassend von der international besetzten DLG-Neuheitenkommission bewertet wurden.

Die angemeldeten Neuheiten zur EuroTier 2022 spiegeln das gesamte Spektrum des Agrarsektors wider. Deutlich ist die Innovationskraft zu erkennen. Auch das ständige Bestreben nach nachhaltigeren Produktionsformen mit mehr Bezug zu noch mehr Tierwohl und zu einer verbesserten Verbraucherakzeptanz ist gut erkennbar.

Trends Betriebsmittel und Betriebstechnik

Bei den Betriebsmitteln sind in diesem Jahr zwei große Strömungen zu erkennen: Zum einen geht es weiterhin um die optimale Gesundheitsvorsorge der Tiere. Hier wird Wert gelegt auf eine zielgerichtete individuelle Versorgung der Tiere mit den benötigten Nähstoffen und auf eine datengestützte Früherkennung von Versorgungsstörungen. Gleichzeitig wird versucht, durch entsprechende Fütterungssysteme die Umweltauswirkungen der Tiere zu reduzieren.

Bei der Betriebstechnik ist das Ziel weiterhin die Arbeitserleichterung. Dies reicht von der Stallarbeit bis zur Weiterentwicklung von Weidezaunsystemen, um neuen Herausforderungen durch Wildtiere auch arbeitsoptimiert entgegentreten zu können.

Trends Rinderhaltung

Ring

Für Rinderhalter gibt es neben den Neuheiten spannende Vorführungen (Bildquelle: DLG)

Die Trends in der Rinderhaltung nehmen weiterhin das Tierwohl in den Fokus. Durch die datenmäßige Verknüpfung verschiedener Prozessabschnitte wird es möglich, die Daten tiefgreifender auszuwerten und somit Entscheidungsunterstützungssysteme noch tierindividueller zu machen.

Weiterhin zeigt sich im Prozessmanagement, dass immer weitere Prozessteile automatisiert werden. Dies reicht vom automatischen Reinigen und Wiederanfahren von Kälbertränkemobilen bis zu Reinigungssystemen für Kleinmelkanlagen. Somit werden die Prozesssicherheit und damit auch die Nachhaltigkeit gewährleistet. Hierbei wird überall sichtbar, dass sich die Rolle des Landwirts vom Arbeiter zum Manager weiterentwickelt und Zeit für die Unternehmensleitung geschaffen wird.

In den Stallsystemen zeichnet sich weiterhin der Trend der letzten Jahre ab, dass tierische Ausscheidungen gezielt aus dem Stall entfernt werden, um die Umweltwirkung zu reduzieren. Dies reicht von Siebsystemen für Freilaufställe bis zu Sammelroboter.

Selbst im eher klassischen Bereich der Melktechnik oder Liegeboxenabtrennung sind weiterhin deutliche Innovationen in Richtung des Tierwohls zu beobachten. Dies zeigt deutlich, dass wir auch bestehende Systeme mit neuen Möglichkeiten immer wieder neu denken müssen.

Trends Schweinehaltung

Schweine

Die Schweinehalter treiben dieses Jahr die Unsicherheit und fehlenden Planungsmöglichkeiten um. Wie soll es weitergehen? Viele warten daher mit ihren Investitionen. (Bildquelle: DLG)

Im Schweinebereich zeichnet sich ein deutlicher Schritt in der Sensortechnik ab. Die Sensorik muss nicht mehr am Tier fixiert sein. Innovative Ansätze wie Bildanalyse oder Tonanalyse machen es möglich, auch ohne direkte Anbindung an das Tier individuelle Daten zu erheben. Somit sind neue Ansätze nun möglich, die vorher strukturell oder ökonomisch schwierig umzusetzen waren.

Die neuen technologischen Entwicklungen in eingestreuten Haltungssystemen ermöglichen es auch hier, über digitalisierte und automatisierte Einstreusysteme gleichzeitig die Ziele Arbeitserleichterung, Ökologie und Ökonomie zu erfüllen.

Trends Geflügelhaltung und weitere Nutztiere

Geflügelhalle

Hat die Bundesregierung überhaupt einen Schimmer von Betriebswirtschaft? Wo ist die Folgenabschätzung für ihre Politik? Das fragen sich resignierte Geflügelhalter aus Niedersachsen. (Bildquelle: DLG)

Die Trends in der Geflügelhaltung bewegen sich in Richtung Steigerung des Tierwohls und Reduzierung der Umweltbelastung. Auch hier sind optimierte Einstreusysteme zu finden, die diese Ziele erfüllen können. Mit der Veränderung der Verbrauchernachfrage werden auch neue Tierarten für die Haltung interessant. Dieser Trend zeichnet sich exemplarisch durch Fütterungssysteme für Insekten ab. Es ergeben sich somit immer wieder neue Wege für die landwirtschaftliche Tierhaltung.

Trends Digitalisierung und Herdenmanagement

Die Digitalisierung ist weiterhin ein Megatrend in der Landwirtschaft. Die Entwicklung führt dabei von der automatisierten Datenerfassung mit vernetzten Sensortechniken über Datenbanksysteme hin zur Automatisierung von Analysen und Prozessen und zu einem intelligenten Stallmanagement.

Der Systemansatz unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit rückt dabei weiterhin in den Vordergrund. Die Möglichkeiten der gezielten Vernetzung von Daten im Tierbereich zeigen sich im prämierten Trockenstellmanagement bei Kühen, das Daten aus mehreren Bereichen kombiniert. Gleichzeitig fallen aber auch die Schwierigkeiten durch die fehlende übergreifende Datenschnittstelle im Tierbereich auf. Hier wird aktuell Potenzial für Tierwohl und Nachhaltigkeit verschenkt.

Fazit: Datenvernetzung für mehr Innovation

Die Vorstellung der Trends zeigt, dass die nationalen und internationalen Firmen in der Tierhaltungsbranche weiterhin hochgradig innovativ sind und Produkte für eine zukunftsfähige Tierhaltung auf den Markt bringen.

Ein Besuch auf der EuroTier 2022 ist auf jeden Fall lohnend und gibt die Möglichkeit, direkt über die Zukunftsfragen des Sektors zu diskutieren und sein Entwicklungskonzept zu finden. Smarte Lösungen stehen dabei weiterhin im Fokus, ohne dabei die kontinuierliche Optimierung von bestehenden Systemen für eine erfolgreiche und nachhaltige Tierhaltung zu vernachlässigen.


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